Zinspolitik
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 17. Dezember 2009, 08:30 Uhr
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für die Märkte war das Ereignis der Woche zweifellos der gestrige Zinsentscheid der US-Notenbank. Schon Tage vorher wurde auf eine Beibehaltung der Niedrigzinspolitik spekuliert. Fed-Chef Bernanke machte es den Märkten wieder einmal recht. Er ließ den Leitzins unverändert bei nahe Null und kündigte bis auf weiteres eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik an. Sein Kommentar zur wirtschaftlichen Situation der USA bot ebenfalls keine Überraschungen: Die Wirtschaft habe an Fahrt gewonnen haben und die Krise des Arbeitsmarkts sei am Abklingen, hieß es.
Die Erwartungen des Marktes wurden damit exakt erfüllt und es kam, wie üblich in einer solchen Situation, zu moderaten Gewinnmitnahmen. Die amerikanischen Aktienindizes schlossen nahezu unverändert. Nur der Bankensektor musste wieder einmal Federn lassen, obwohl der eigentlich zu den Sektoren gehört, welcher am meisten von der Niedrigzinspolitik profitiert.
Nicht ganz so langweilig fielen die Reaktionen am Anleihen- und Devisenmarkt aus: Der Dollar legte weiter zu und verfestigt damit seine Trendwende nach oben. Anscheinend gibt es am Devisenmarkt, wo in der Regel auch kein „Window-Dressing" zum Jahresende stattfindet, längst Spekulationen über steigende Zinsen in den USA, die den Dollar stärken. Parallel dazu stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf das höchste Niveau seit 4 Monaten.
Fed-Chef Ben Bernanke wurde gestern außerdem vom Time Magazin zur „Person des Jahres" gewählt. Grund: die Rettung der Weltwirtschaft aus der schlimmsten Rezession seit vielen Jahrzehnten. Oder war es die Rettung der Banken mit Steuergeldern, die jetzt wieder genauso weiter machen wie bisher? Ich bin gespannt, wie man seine Leistung in einigen Jahren bewerten wird. Immerhin birgt eine in der Weltgeschichte absolut beispiellose und komplett außer Kontrolle geratene Schuldenorgie im mehrstelligen Billionenbereich enorme Risiken für die Stabilität des gesamten Wirtschafts,- Finanz- und Währungssystems.
In Bernankes Haut möchte ich nicht stecken: Aufgrund der absolut exzessiven Verschuldung kann es je nach Zinspolitik zu einer Hyperinflation oder zu einer massiven Deflation kommen, wobei letztere nach seinen Äußerungen der erklärte Todfeind zu sein scheint. Nicht umsonst gibt es seit Jahresbeginn eine Flucht aus Papiergeld hinein in Gold, um Vermögensschäden abzuwenden.