Zinsentscheidung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 29. April 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die US-Notenbanksitzung gestern brachte keine Überraschung. Die Fed belässt nach zweitägigen Beratungen den Leitzins unverändert bei einer Spanne von 0 bis 0,25 Prozent – wie schon in den ungefähr hundertsiebenundzwanzig Sitzungen zuvor. Auch die begleitenden Kommentare (Wirtschaft bessert sich, aber Arbeitsmarkt noch mau) fielen genau so aus wie es der Markt erwartet hatte. Ebenso der Satz, dass die Wirtschaftslage wahrscheinlich ein Festhalten an außerordentlich tiefen Zinssätzen „für einen ausgedehnten Zeitraum“ erfordere. Vor dem Hintergrund der zuletzt guten Konjunkturdaten dürfte die Fed allerdings zunehmend Mühe haben, diese niedrigen Zinssätze weiter zu rechtfertigen.
Der Markt nahm es mit Wohlwollen zur Kenntnis, allerdings blieb die übliche Fed-Rallye direkt nach Verkündung der bahnbrechenden Neuigkeit komplett aus. Dafür steckte zumindest der US-Markt die Belastung durch die Abstufung von Spanien durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) gut weg. Klar, die Amerikaner sind davon ja auch kaum betroffen. Die europäischen Märkte gingen gestern weit stärker in die Knie, konnten sich aber ebenfalls gegen Handelschluss deutlich erholen. Nachdem bereits zuvor Griechenland und Portugal abgestuft worden ging offenbar die Angst um, dass der Pleitegeier über immer mehr europäischen Staaten kreist. Ich denke, ganz soweit ist es noch nicht. Maßgeblich ist aber nicht meine Meinung, sondern die des Marktes. Und da werden die nächsten Wochen zeigen, was eingepreist wird.