Zinsentscheid Nachschlag
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 18. März 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
die Jubelfeiern über die Äußerung der amerikanischen Notenbank, die Zinsen „für einen längeren Zeitraum“ niedrig zu halten, gehen an den Märkten mit unverminderter Freude weiter. Ist das nicht fantastisch, das mit den niedrigen Zinsen? Jeder kann für ganz wenig Geld Kredite aufnehmen und damit die Wirtschaft ankurbeln. Na gut, es gibt so viele Arbeitslose wie seit 27 Jahren nicht mehr. Die können leider keinen Kredit bekommen. Aber sonst… Da wären auch noch ungewöhnlich viel überschuldete Privathaushalte (in den USA die meisten mit völlig überzogenen Hauskrediten) und Unternehmen. Auch die können natürlich keine Kredite bekommen. Eigentlich sind die Banken ohnehin vorsichtig bei der Kreditvergabe. Warum heißt es sonst „Kreditklemme“? Warum auch Kredite vergeben, wenn man das billige Geld so dringend für den Eigenhandel benötigt.
Hm, also wenn das angeblich angekurbelte Kreditwachstum nicht im Wirtschaftskreislauf ankommt, welchen Effekt haben niedrige Zinsen dann? Na dann schauen Sie mal beim Tanken auf das Preisschild an der Zapfsäule. Inzwischen haben wir wieder Benzinpreise, die nicht mehr weit entfernt sind von den Rekordständen vom Sommer 2008, als eine bekannte amerikanische Großbank die ohnehin heißgelaufene Ölpreisspekulation mit aberwitzigen Kurszielen noch weiter anheizte.
Ähnlich sieht es an den Aktienmärkten aus. Die Kreditspekulation blüht. Die Kursziele werden ständig höher geschraubt (DAX 13.000). Aber die Kurse sind jetzt natürlich extrem günstig. Sie haben noch ungefähr 33,7 Prozent Aufwärtspotential bis zum Jahresende. Selber Schuld, wer jetzt nicht blind kauft. Da müssen Sie doch einfach dabei sein. Assetpreisinflation heißt das Zauberwort.
Ich hoffe, Sie verstehen den Sarkasmus in meinen Worten. Aber die derzeitige Börsensituation erinnert stimmungsmäßig einfach zu sehr an die Jahre 2000 und 2007. Auch damals wurde ökonomischer Schwachsinn an den Börsen über eine sehr lange Zeit bejubelt, bevor eine jähe Ernüchterung einsetzte. Aber diesmal ist natürlich alles anders. Die gleichen Methoden wie heute werden seit 20 Jahren erfolglos von der japanischen Zentralbank angewendet. Nichts gelernt?
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Beat Mürset (18.03. 2010 10:07 Uhr):
Lieber Herr Voigt Ihre Analysen und Kommentare zur aktuellen Situation an den Märkten sind meiner Meinung nach sehr kritische Beiträge, die aber die Situation sehr zutreffend beschreiben. Auch mich stört die leichtsinnige Spekulation, die mit dem billigen Geld einhergeht, enorm. Diese Leichtsinnigkeit so kurze Zeit nach der grössten Finanzkrise aller Zeiten ist für mich absolut schockierend und auch frustrierend! Es bleibt zu hoffen, dass dieser Uebermut bald gehörig abgekühlt wird. Es grüsst Sie freundlich Beat Mürset
Antworten - Kommentar von UHLIK (18.03. 2010 10:30 Uhr):
Kommentar sehr zutreffend; niedrige Zinsen für Spekulationen der Banken aber zögernde Kreditvergabe derselben, Zinsen für Einlagen bei Banken zum Weinen - also kauft Aktien, liebe Anleger, da es ja nur noch aufwärts gehen kann. Kennen wir alles schon und dann kommt wieder mal das böse Erwachen!!!
Antworten - Kommentar von Jürgen Gaube (18.03. 2010 11:01 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, natürlich verstehen wir Ihren Sarkasmus. Aber für einen Trader ist der ja nicht entscheidend. Für den ist lediglich interessant, ob es rauf oder runter gehen wird. Mehr eigentlich nicht. Natürlich steckt Ihr Sarkasmus den Lesenden auch an. In der jüngsten Zeit war das aber dem Tradingergebnis nicht zuträglich. Ich habe bei meinen Aktionen wirklich immer Ihre Worte im Hinterkopf. Das war sehr unvorteilhaft. Das Ergebnis war: Ich war bezüglich meiner Turbo-Long-Zertis auf den DAX äußerst pessimistisch. Ergo: Ich verkaufte sie aus Vorsicht immer zu früh, aus Angst, daß Sie Recht haben. Hatten Sie aber regelmäßig nicht. Mit anderen Worten: Sie lagen immer auf der falschen Seite. Für mich als Einen, der Ihnen glaubt, nicht gut. Meine o.g. Longzertis verkaufte ich für 1,35 EU. Jetzt stehen sie bei über 6 EU. So kann es auch gehen. Aber es ist ganz allein meine Schuld, denn Sie lassen den Weg in der Regel offen, es kann so aber auch anders kommen. Mit freundlichen Grüßen Jürgen Gaube
Antworten- Antwort von Henrik Voigt (22.03. 2010 12:33 Uhr):
Sehr geehrter Herr Gaube, ich unterteile meinen DAX Daily nicht umsonst in einen fundamentalen und einen technisch orientierten Teil. Meine Fundamentalmeinung hat meist nichts mit meinen Tradingpositionen zu tun. So sollten Sie es auch halten. Nur technische Verkaufsignale sind echte Verkaufsgründe. Alles andere Warnungen für den Hinterkopf und die Langfristperspektive. Mit freundlichen Grüßen, Henrik Voigt. Chefredakteur DAX Daily/ DAX Profits
- Antwort von Henrik Voigt (22.03. 2010 12:33 Uhr):
- Kommentar von wasserturm (18.03. 2010 13:19 Uhr):
Hallo, eigentlich bin ich kein großer Freund von Sarkasmus, weil er meistens die Probleme eher verschleiert als offen legt. Aber Ihren Ausführungen kann ich nur zustimmen. Da sich die Situation rational nicht (mehr) beschreiben bzw. erklären lässt, kann eigentlich nur noch sarkastische Übertreibung (?) das Problembewußtsein fördern. Danke.
Antworten- Antwort von Henrik Voigt (22.03. 2010 12:27 Uhr):
Sehr geehrter Leser, Sie treffen den Nagel auf den Kopf, vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen, Henrik Voigt. Chefredakteur DAX Daily/ DAX Profits
- Antwort von Henrik Voigt (22.03. 2010 12:27 Uhr):
- Kommentar von Günter Belm (18.03. 2010 19:16 Uhr):
Ich wünschte diesen und den gestrigen Artikel würden die Regierungen der Industrieländer zu lesen kriegen Mfg G. Belm
Antworten- Antwort von Henrik Voigt (22.03. 2010 12:21 Uhr):
Sehr geehrter Herr Belm, ich bin sicher, die betreffenden Regierungen kennen die Sachlage auch so sehr genau. Aber vielen Dank für Ihren Komentar, den ich als Kompliment auffasse. Mit freundlichen Grüßen, Henrik Voigt. Chefredakteur DAX Daily/ DAX Profits
- Antwort von Henrik Voigt (22.03. 2010 12:21 Uhr):
ENL5462
weitere Ausgaben von
DAX Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
Montag, 06. Februar 2012
alle AusgabenFuture Profi
Woran liegt es, dass die Masse aller Trader nur Geld verliert ... während sich die besten 5 % sogar noch in fallenden Märkten dumm und dämlich verdienen?
Artikel weiterempfehlen