Zinsen, Gold und Urlaub
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 15. September 2003 18:00 Uhr
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Verblüffend, es kommen überaus schlechte Nachrichten von der US-Konjunktur und was machen die Anleger? Sie kaufen die amerikanischen Indizes bis zum Schluss hin wieder ins Plus. Doch ganz so verblüffend ist es nicht – erste Anleger hoffen und spekulieren nach diesen Zahlen auf eine weitere Zinssenkung. Morgen ist wieder eine Sitzung der amerikanischen Notenbank. Dabei ist es eher unwahrscheinlich, dass die Fed bereits diese Woche die Zinsen senken wird. Es wäre überhastet und viel zu früh. Die Fed wird sich Zeit lassen, um zu beobachten wie sich die konjunkturelle Erholung weiter entwickelt. Erst wenn sich die negativen Anzeichen deutlicher verdichten, wird sie reagieren. Okay, das wäre die vernünftige Art des Vorgehens ... doch die Fed hat mich schon manches Mal durch pure Unvernunft überrascht, besonders bei den völlig überzogenen Zinssteigerungen 2000/01.
Ich schreibe immer von einem Wettlauf zwischen Fed und Konjunktur. Die Fed versucht die Börsen solange in die Höhe zu treiben, bis die Wirtschaft anspringt und dann auch der Arbeitsmarkt sich wieder beruhigt. Es ist demnach ein Zeitproblem. Kann die Fed die Börsen so lange bei guter Laune halten, bis die Wirtschaft nachkommt? Es sah eine Weile fast so aus. Die Arbeitsmarktdaten verbesserten sich verhalten. Doch ich hatte Sie auf den saisonalen Effekt hingewiesen. Jetzt haben sich die Daten wieder erheblich verschlechtert. Setzt sich diese Tendenz fort und sollten sogar die Aktienkursen ins Fallen übergehen, wird der Fed natürlich nichts anderes übrigbleiben als eine weitere Zinssenkung. Welche andere Möglichkeit hätte sie noch?
Ich bin überaus gespannt, wie die Märkte in den nächsten Wochen reagieren werden. Wie es Bill Bonner schon einmal beschrieb: Wir wohnen einer marktwirtschaftlich gesehen extrem spannenden Epoche bei. Es stehen die Theorien der alten Schule zur Disposition. Es geht um die entscheidende und zukunftsweisende Frage, ob eine Notenbank den eigenen Markt und den Weltmarkt quasi kontrollieren kann. Damit geht es auch um die letzte große Frage: Sind die wirtschaftlichen Zyklen von Rezession und Aufschwung, von Baisse und Hausse beeinflussbar oder gar aufhaltbar? Alles in der Natur, vom den kleinsten subatomaren Teilchen bis hin zu großen Sonnensystemen, ist Zyklen unterworfen. Niemand, nicht einmal Alan Greenspan, wird diese Zyklen aufhalten können oder vielleicht doch?
Zurück zur Zinspolitik: Welche Wirkung eine weitere Zinssenkung haben? Noch mehr Liquidität? Es macht meiner Meinung nach keinen Sinn mehr. Das Pulver der Fed ist verschossen.
Eine solche Zinssenkung könnte dramatische Folgen haben, denn sie wäre ein Eingeständnis, dass die konjunkturelle Erholung nicht auf den festen Füßen steht, wie die Börsen es vorweggenommen haben.
Ach ja, letzte Woche hatte ich geschrieben, dass Gold sich auf den Weg zum letzten Jahreshoch bei 389 Dollar macht. Gold hat diesen Wert am 12.09.03 kurz erreicht und notierte in Folge wieder deutlich schwächer. Charttechnisch orientierte Anleger rechneten mit einem Doppeltop. Ein Doppeltop ist ein Umkehrformation und weist auf weiter fallende Kurse hin. Fundamental spricht natürlich einiges gegen ein Doppeltop im Gold. Trotzdem ist etwas Skepsis geboten. Auf den Goldpreis sollten Sie achten.
Leider werde ich den Verlauf des Goldpreise nicht weiter verfolgen können, denn ich fliege am Mittwoch für zwei Wochen in Urlaub. Dabei musste ich meiner Lebensgefährtin versprechen, mich zwei Wochen gänzlich von den Börsen fernzuhalten. Nicht, dass Sie denken, ich sei über dieses Versprechen sonderlich betrübt. Ein wenig frage ich mich jedoch schon, ob es Absicht war, dass sie uns ein kleines, sehr abgelegenes Häuschen an einem nahezu unbewohnten Flecken auf einer schönen Insel im Atlantik ausgesucht hat? Was meinen Sie? Doch – sie hat schon Recht. Erholung tut wirklich Not. Lange Spaziergänge, gutes Essen und viel frische Luft. So kann ich mich ab dem 2.Oktober mit neuer Kraft und neuer Energie wieder ganz dem Investor's Daily widmen.
P:S Sie brauchen in dieser Zeit nicht auf den Investor's Daily verzichten. Unsere amerikanischen Korrespondenten werden weiter für Sie da sein. Und ab nächster Woche wird mich Michael Vaupel, Chefredakteur vom Optionsschein-Profits, vertreten.