Zinsen bei -5% / Aktuelle Marktbetrachtung
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 29. April 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
dass wir von der FED und Herrn Bernanke weder eine Liebe zur Wahrheit noch sinnvolle Ideen zur Krisenlösung erwarten dürfen, haben wir seit Ausbruch der Krise immer wieder besonders deutlich sehen können.
Bereits in der Vergangenheit konnten Sie hier bei Investoren Wissen lesen, dass es sich bei zahlreichen von Herrn Bernankes Äußerungen nur um das bewusste Äußern der Unwahrheit handeln kann.
Auch zeigte die FED in Form von Herrn Bernanke nicht gerade ein schönes Gesicht beim Zusammenschluss von Merrill Lynch und Bank of America, um es vorsichtig zu formulieren. Einige Kommentatoren sprechen hier gar von staatlicher Erpressung durch die FED bzw. Anstiftung zum Verstoß gegen Wertpapiergesetze (Davon, dass die FED Hauptverursacher dieser Finanzkrise dank ihrer Politik der künstlichen Niedrigzinsen ist, spreche ich übrigens schon gar nicht mehr...).
Nun schoss sich die FED kürzlich jedoch endgültig ins Abseits und schreit m.E. geradezu danach, abgeschafft bzw. keinesfalls mehr in irgendeiner Weise ernst genommen zu werden. Wovon spreche ich?
-5% Zinsen als "Krisenlösung"
Nein, das ist kein Scherz, sondern völlig ernst gemeint: Ein paar FED Ökonomen führten eine interne "Studie" durch, in der sie zum Schluss kamen, dass das ideale Leitzinsniveau für die US Wirtschaft bei -5% läge. Eigentlich dürfte ich hierzu schon gar nichts mehr schreiben, denn bereits dieser vorangegangene Satz lässt sich an Lächerlichkeit und Unfassbarkeit kaum überbieten. Alleine schon, dass die FED Ökonomen einen Job gibt, die es tatsächlich schaffen, auf solche Ideen und Begrifflichkeiten zu kommen, sollte m.E. schon genug Grund sein, den ganzen Laden ein für alle Mal endlich dicht zu machen.
Sehen wir uns dennoch einmal (im Gegensatz zu anscheinend der FED) mit ein wenig gesundem Menschenverstand an, was solch eine dümmliche Forderung bewirken würde:
Zunächst spricht die FED hier von einem "idealen" Leitzinsniveau. Nehmen Sie das nicht einfach so hin, sondern fragen Sie sich: Gibt es so etwas überhaupt? Für wen soll das eigentlich "ideal" sein? Für Kreditgeber sicherlich nicht, denn wer würde schon für -5% sein Geld verleihen? Sie etwa?
Dieses begriffliche Konzept lässt sich durch ein paar einfache Alltagsbeispiele bereits ad absurdum führen: Nehmen wir doch einfach einmal die Situation Arbeitgeber vs. Arbeitnehmer. Wäre es nicht für den Arbeitgeber ideal, praktisch nichts zu zahlen und den Arbeitnehmer trotzdem arbeiten zu lassen? Doch was würde der Arbeitnehmer dazu sagen? Für ihn wäre das ganz sicher nicht "ideal", solch ein Lohn.
Ich denke, Sie sehen, worauf ich hinaus möchte. Das ganze hier geäußerte Konzept eines "idealen" Zinsniveaus von -5% ist völlig absurd, da der wirtschaftliche Alltag voll von gegensätzlichen Interessen ist. Was für den einen ideal ist, ist für den anderen absolut nicht wünschenswert. Zu behaupten, es sei für die US Wirtschaft ideal, wenn der Zinssatz bei -5% läge ist m.E. daher bestenfalls ein theoretisches Spielchen mit einer Reihe von groben Denkfehlern, die einem FED Ökonomen nicht passieren dürften.
Natürlich ist auch der FED klar, dass es absolut verrückt wäre, wenn diese zahlen würde, damit andere Geld von ihr leihen. Was jedoch diese "Ökonomen" fordern ist, dass die FED Zustände schafft, in denen die Marktbedingungen an diesen angepeilten Negativzinssatz nahe herankommen.
Aber wie soll das funktionieren?
Hierfür gibt es wohl nur einen Weg: Die FED muss eine ganze Menge an Inflation verursachen. In der Praxis sieht das dann derart aus, dass sich jemand Geld leiht und - dank der von der FED angefeuerten Inflation - mit deutlich niedrigerem Wert zurückzahlt. Dies entspricht von der Wirkung her dann dem geforderten negativen Zinssatz.
Wer jedoch sollte so dumm sein, unter solchen Bedingungen Geld zu verleihen? Wohl niemand.
In der Realität dürfte das Ergebnis eher sein, dass jemand, der Geld verleiht, eben schlichtweg höhere Zinsen verlangen wird, um den Wertverlust zu kompensieren. Insgesamt führt dies somit zu höheren Zinsen und die FED erreicht genau das Gegenteil.
Auch lassen sich verschiedene Abwandlungen solcher Szenarien durchspielen, die ebenfalls nur zu Absurditäten als Ergebnis gelangen.
Wenn tatsächlich die US-Wirtschaft -5% an Zinsen bräuchte, dann sollte das doch für die FED ein Signal sein, dass vielleicht mit der US Wirtschaft etwas nicht wirklich stimmt? Vielleicht ist es genau solch ein realitätsfremdes Denken innerhalb der FED, was erst einen Großteil mit dazu beigetragen hat, dass der Karren derart in den Dreck geritten wurde?
Es scheint so, als glaube man innerhalb der FED tatsächlich, dass Wohlstand einfach dadurch kommt, dass man nur genug Geld druckt. Vor diesem Hintergrund kann ich der FED als Institution nur ein schnelles Ableben wünschen, bevor diese die Krise weiterhin noch durch ihre Handlungen und ihr fehlendes Verständnis einfachster wirtschaftlicher Grundprinzipien verschlimmert.
Beste Grüße
Alexander Hahn
P.S.:
Anbei die aktuellen, nahezu unveränderten Charts der Marktinterna:
Abb.: P&F Chart des NYSE BPI
Abb.: P&F Chart des VIX

