Zinsen auf Rekordtief ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 23. Mai 2005 18:00 Uhr
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In den vergangenen Tagen konnten die deutschen Aktien wieder deutlich Boden gutmachen. Im Wochenvergleich fuhr der Leitindex Dax ein sattes Plus von über zwei Prozent ein.
Gewiss, momentan ist es schon erstaunlich, wie gut sich die Aktienmärkte kurzfristig halten können. Und insofern ist es auch kaum groß verwunderlich, dass sich die Stimmung unter den Anlegern wieder aufhellt. Anders gesagt, es gibt wieder deutlich mehr Bullen als Bären. Das Sentiment hat sich also erstaunlicherweise wieder sehr schnell verbessert.
Sicherlich mag die jüngste Aufwärtsbewegung beim Dax noch eine Weile anhalten. Aber spätestens über der 4400-Marke dürfte es wieder zäh werden. Jedenfalls je optimistischer die Investoren dann wieder werden, desto schwieriger dürfte es werden, neue Jahreshochs zu erklimmen.
Im übrigen konnten sich auch die im bisherigen Jahresverlauf äußerst verhalten entwickelnden US-Indices in der letzten Woche sehr gut schlagen. Ein Zugewinn von gut 300 Punkten in einer Handelswoche beim Dow Jones ist wahrlich nicht alltäglich. Charttechnisch interessant ist die Situation beim marktbreiten S&P 500 Index. Sollte der Widerstand bei 1191 Punkten überwunden werden können, dürfte der gegenwärtige Aufwärtsimpuls noch eine Weile anhalten. Im gegenteiligen Falle wäre eine Seitwärtsbewegung wohl das best-case-Szenario.
Indes gibt es immer mehr Anzeichen, dass sich die US-Konjunktur spürbar abschwächt. So ist die Industrieproduktion im April überraschend gefallen, und zwar um 0,2 Prozent. Überdies ging auch die Kapazitätsauslastung wieder leicht zurück.
Auch hinsichtlich der Frühindikatoren gibt es wenig Erfreuliches zu berichten. Der vom Conference Board ermittelte Index ging ebenfalls um 0,2 Prozent zurück, in den letzten sechs Monaten ergab sich ein annualisierter Rückgang von einem Prozent.
In Deutschland indes sinkt das Vertrauen der Bürger in eine gedeihliche Zukunft mehr denn je. Anders lässt sich die jüngste Meldung von einem Netto-Kapital-Export in Höhe von über 150 Milliarden Euro im ersten Quartal nicht mehr erklären. Sicherlich nicht unverständlich, dass in Zeiten von Kontenabfrage bzw. maroder Staats- und Sozialkassen Kapital das Land verlässt. Ob und wie stark die Wirtschaft, sprich speziell auf Deutschland fokussierte Banken und Versicherungen, von dieser Entwicklung in Mitleidenschaft gezogen werden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird die deutsche Finanzbranche wohl eher vor Turbulenzen als vor einem Aufschwung stehen. Was die aktuelle Wirtschaftslage im einstigen Wirtschaftswunderland angeht, so gilt es, die aktuellen Daten des ZEW bzw. vom Ifo-Institut in der nächsten Woche genau zu beobachten.
Wie auch immer, am Rentenmarkt preist das lange Ende sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks momentan wohl mehr als nur eine kleine Konjunkturdelle ein. So spricht eine Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen von unter 3,30 Prozent schon Bände. Auch der gegenwärtige spread zwischen zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen von unter 50-Basis-Punkten ist extrem gering. Gewiss mögen die aktuellen Turbulenzen bei Unternehmensanleihen (Stichwort General Motors) weiter die Nachfrage nach vermeintlich "sicheren" Staatsanleihen angeheizt haben. Denn mittlerweile wird schon davon gesprochen, kaum mehr Käufer für Unternehmensanleihen zu finden.
Aber ob diese panikartige Flucht in den scheinbar sicheren Hafen der Staatsanleihen noch lang so weitergehen kann, ist sehr zu bezweifeln.
Wie dem auch sein mag, im Zuge der weiter anhaltenden Euro-Konsolidierung gegenüber dem Dollar gab auch der Preis für das gelbe Edelmetall erneut leicht nach. In Euro kostet die Feinunze jedoch noch immer deutlich über 330 Euro.
Gerade vor dem Hintergrund des französischen Referendums zur EU-Verfassung gilt es, die weitere Entwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung genau zu beobachten. Denn ob das Experiment Euro auch mittel- bis langfristig gelingt, ist noch nicht ausgemacht.
Auch unter diesem Aspekt spricht alles für die goldene Alternative zum Papier-Euro.