Zinsanstieg
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 8. Januar 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
kaum Überraschungen brachten die gestrigen Arbeitsmarktdaten aus den USA. In der Vorwoche sind dort die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gegenüber der vorangegangenen Woche um 1.000 auf saisonbereinigt angepasst 434.000 gestiegen (Erwartung: 439.000). Der weniger volatile gleitende Vier-Wochenschnitt schwächte sich mit dem 18. Rückgang in Folge von 460.500 auf 450.250 ab. Die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger ist per 26. Dezember um 179.000 auf saisonbereinigt angepasst 4,8 Millionen gesunken. Wesentlich wichtiger dürften die heute um 14:30 Uhr veröffentlichte US-Arbeitslosenquote für Dezember für den Markt sein, die im Bereich von 10 Prozent erwartet wird (und damit nach wie vor extrem hoch wäre).
Interessant war insbesondere gestern die Entwicklung der Zinsen. Die chinesische Notenbank machte den Anfang und hob ihren kurzfristigen Zins an. Ein Signal, dass dort die expansive Geldpolitik zu Ende geht. Auch die US-Notenbank Fed könnte sich nun bald von ihrer Nullzinspolitik verabschieden. Gestern Abend warnte bereits die US-Bankaufsicht die Kreditinstitute vor dem Risiko, dass die Zinsen steigen könnten. Auch Thomas Hoenig, der Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, sagte gegenüber Bloomberg, die Notenbank sollte sich „eher früher als später" von ihren Stimulierungsmaßnahmen verabschieden. Dabei sollte die Fed ihren Leitzins schrittweise anheben und als Ziel eine Spanne von „vielleicht 3,5 bis 4,5%" anpeilen. Es wird sicher interessant, wie der Aktienmarkt die Zinsanhebungserwartungen in den nächsten Monaten verarbeiten wird. Beim Dollar haben diese in den letzten Wochen jedenfalls zu einer mittelfristigen Trendwende geführt.
Trotz Erwartung steigender Zinsen in Übersee blieben einige Konjunkturdaten hierzulande doch durchwachsen. Die Auftragseingänge der deutschen Industrie stiegen im November 2009 nur um 0,2%, erwartet wurde ein Anstieg 1,5%. Der Euroraum-Einzelhandelsumsatz fiel im November um 1,2%, dort hatten die Volkswirte mit einer Verbesserung um 0,1% gerechnet. Bleiben die Daten insgesamt schwach, dürften die Zinsen höchstens moderat angehoben werden.