ZEW, Ölpreis und der Iran, eine brisante Mischung
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 11. April 2006 18:00 Uhr
ENL5454
Natürlich hat die USA die Nachricht, die von einer Planung eines massiven Angriffs auf den Iran berichtete, teilweise dementiert. Es handele sich lediglich um normale Verteidigungs- und Geheimdienstplanungen, so ein Berater von US-Präsident Bush. Man strebe weiterhin eine diplomatische Lösung an.
Iran fähig zur Urananreicherung?
Der Präsident des Irans, Ahmadinedschad, kündigte derweil an, er werde seinem Land "gute Nachrichten" bringen. Es wird darüber spekuliert, ob er bekannt geben wird, dass dem Iran die Anreicherung von Uran gelungen sei, so dass der friedlichen Nutzung der Kernenergie nicht mehr im Wege stehe.
Ob das gute Nachrichten für den Iran sind, ist natürlich fraglich, denn es könnte sein, dass es die USA, respektive Israel in Zugzwang setzt. Wie die Märkte darauf reagieren werden? Ich kann es nicht beurteilen, aber der Ölpreis wird bestimmt nicht fallen.
Inflationssorgen erreichen die Medien
Mittlerweile wird auch schon in den breiten Medien diskutiert, dass die neuerlich steigenden Rohstoffpreise, insbesondere der Ölpreis, den Inflationsdruck in den USA massiv erhöhen wird. Wenn die Irankrise weiter eskaliert, werden wird wahrscheinlich auch weiter steigende Ölpreise erleben. Das ist das eine.
Bei Krisen die Zinsen senken
Es kann aber auch sein, dass die Fed im Falle einer militärischen Auseinandersetzung aufgrund Befürchtungen weltweiter Auswirkungen dieser Krise, anfängt das zu tun, was sie immer getan hat, wenn sich Krisen abzeichnen: Sie senkt die Zinsen, vielleicht dann auch unerwartet heftig. Aber das wird mit Sicherheit noch nicht vom Markt gespielt. Dazu muss diese Krise erst einmal weiter eskalieren.
Bis dahin gilt das bereits besprochene Szenario: Aus den steigenden Rohstoffpreisen resultiert eine höhere Inflationsgefahr. Die Fed wird darauf mit steigenden Zinsen reagieren, zumindest solange die US-Konjunkturdaten weiterhin gut bleiben.
ZEW Index fällt weiter – ein Kontraindikator
Der ZEW-Konjunkturindex für Deutschland ist im April 2006 um -0,7 Punkte gefallen. Der Indikator steht nun bei +62,7 Punkten nach +63,4 Punkten im März. Damit liegt er weit über seinem historischen Mittelwert von +35,24 Punkten.
Wir blicken noch einmal zurück:
Fast immer wenn der Index die 70 Punkte Marke erreichte, wurde es kritisch für den Dax:
Im Januar 2000 erreichte der ZEW Konjunkturindex den Höchstwert bei 89,6, danach fiel er drei Monate in Folge. Am 7.03.2000 erreichte der Dax sein vorläufiges Allzeithoch bei 8136 Punkten.
Ein nicht ganz so dynamisches Hoch erreichte der ZEW Konjunkturindex im März 2002 mit 71,2 Punkten. Hier erreicht der Dax nach dem Einbruch durch den 11. September 2001 ein Zwischenhoch am 18.03.2002 bei 5465 Punkten.
Im Dezember 2003 erreichte der ZEW Konjunkturindex wieder einen Wert über 70 Punkte, mit 73,4 Punkten. Danach fiel er. Im Januar 2004, am 27.01.2004 erreichte der Dax ein relatives Hoch bei 4175 Punkten und ging dann in eine Seitwärtsbewegung über.
Werte über 70 machen mich unruhig
Man kann festhalten, dass es bei Werten über 70 Punkten haarig für den Dax wird, zumindest wenn es danach zu fallenden ZEW-Werten kommt.
Es gab allerdings auch eine Zeit in der sich der ZEW Index die ganze Zeit über in solchen Bereichen aufgehalten hat und zwar von 1996-97. Erst als sich hier eine Art negative Divergenz ausbildete, kam es zu dem 1998er "crash". Offenbar muss der Index, um als Kontraindikator zu gelten, nach einem neuem Hoch deutlich fallen.
Im Februar diesen Jahres erreichte der ZEW einen Wert von 69,8 Punkten. Seitdem fällt der Index, während der Dax weiter steigt. Ich würde das als weiteres Warnzeichen interpretieren. Da jedoch noch nicht genug ZEW Spitzen vorliegen, um diese These als hinreichend bestätigt zu akzeptieren und es zudem auch schon eine Art Ausnahme gab, darf dieser Wert nicht überbewertet werden!
Mir fällt in letzter Zeit nicht nur durch den ZEW Index auf, dass viele Spezialisten skeptisch werden, während die Masse offensichtlich weiter bullish bleibt. Das wird zum Beispiel auch durch die extrem gute Neuemission der Wacker Chemie bestätigt. Ich bin gespannt zu welchen Gunsten sich dieses Paradox auflöst.
Bullish mit Skepsis
Sie wissen, ich war nun drei Jahre uneingeschränkt bullish. Wenn ich nun immer skeptischer werde, fassen Sie das nicht als Unsicherheit auf, sondern ebenfalls als Hinweis vorsichtiger zu werden. Es gab eindeutig besser Zeiten, um in die Börsen zu investieren, auch wenn damals mir kaum jemand glauben wollte. Aber nach wie vor bleibt mein Grundsatz bestehen: "Der Trend ist dein Freund." Und immer noch gibt es von der Trendseite keinen Grund zur Sorge. Lösen Sie sich von den kurzfristigen Charts und schauen sich einfach mal einen Dax-Langfristchart an. Dann sehen Sie, dass der Einbruch bisher nichts als "Rauschen" ist, kaum relevant. Was natürlich nicht heißt, dass nicht was Schlimmeres daraus werden kann.
Weiterhin heißt die Devise: Bullish aber mit weiter zunehmender Skepsis.
Zum Markt
Na, das war keine wirklich starke Gegenbewegung in den USA. Eher mickrig. Der Dax quittierte den gestrigen Verlauf der US-Indizes mit ebenfalls weiter fallenden Kursen. Die 5900 Punkte sind durchaus möglich. Ich sehe immer noch keine klare Topformation. Falls die Rally noch nicht zu Ende sein sollte kann es gut sein, dass sogar die 5850er Marke kurz nach unten gebrochen wird. Einfach, um alle aus den Märkten zu treiben (wir kennen das schon).
Bei dieser Marke liegt die aktuell wichtige Unterstützungslinie im Dax. Sollte der Bruch dieser Marke jedoch nachhaltiger werden, dann sehen wir die 5650er Marke auch wieder und dann wird es schon ein wenig gefährlicher für den Trend. Dazu aber mehr, wenn es soweit ist.
Bei den Amis ist es im Dow die 11100er Marke, die untere Begrenzung der Seitwärtsbewegung der letzten Wochen. Beim S&P500 ist es die 1292er Punkte Marke. Da es sowohl im Dow, als auch im S&P500 zu einem falschen Ausbruch der Seitwärtsbewegung nach oben gekommen ist, ist die Wahrscheinlichkeit nun relativ hoch, dass die untere Linie dieser Seitwärtsbewegung, also diese Marken auch nach unten verletzt werden. Vielleicht wird der Dow sogar noch einmal auf die 11.000 Punkte Marke fallen. Spätestens an dieser Marke sollte eine zumindest kurzfristige Erholung ansetzen. Darunter wird es auch hier langsam bearish.
Und zum Schluss:
Also was manche Schreiber so von sich geben ..., denen sollte man wirklich den Griffel wegnehmen! Da behauptet doch ein, Ihnen wahrscheinlich nicht ganz unbekannter, Börsenkolumnist einfach frechweg, das weiße Haus hätte mit der Planungen massiver Bombenangriffe gegen die USA (!) begonnen (siehe Investor's Daily von Montag, dem 10.04.05).
So sehr sich manche vielleicht eine derart "kritische Selbstbetrachtung" seitens der USA wünschen würden, der einzige, der hier zur kritischen Selbstbetrachtung aufgerufen ist, bin wohl ich.
Also, ich denke, das ist klar, ich meinte natürlich: "massiven Bombenangriff gegen den Iran".
Ich danke auf jeden Fall für die netten Mails, die mir zum Beispiel einen freudschen Fehler unterstellten oder aber sich in Überlegungen verloren, ob man so den muslimischen Terroristen die Arbeit nicht doch ein wenig zu einfach mache ...
Aber sind es nicht gerade diese Pannen, die das Leben auch wieder lebenswert machen? Und ich musste trotz des eigentlich sehr ernsten Themas doch sehr lachen, als ich Ihre vielen Kommentare zu diesem Fehler gelesen habe. So ist wohl auch der Satz von einem Leser zu verstehen. "Man wünscht sich mehr solcher Versprechen bzw. Verschreiben." (Originaltext).