ZEW-Indikator: Mehr als nur eine Gegenbewegung?
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 16. Februar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
in den nächsten beiden Wochen werden mit den ZEW-Konjunkturerwartungen und dem ifo-Geschäftsklimaindex zwei der wichtigsten Konjunkturindikatoren für Deutschland veröffentlicht. Beide verzeichneten im Januar ein Ende des ihrer Abwärtstrends, wobei der ZEW-Indikator, der Morgen veröffentlicht wird, bereits seit Oktober seinen Tiefpunkt hinter sich lassen und dabei eine Formation in Form eines Doppelbodens abschließen konnte. Das Barometer, das die Stimmung unter den Finanzmarktanalysten zum Ausdruck bringt, verbesserte sich von -65 Punkten im Oktober auf -31 Punkte im Januar. Das es als Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung gilt, könnte eine weitere Verbesserung auch auf eine nachhaltigere Erholung beim ifo-Geschäftsklimaindex am 24. Februar schließen lassen. Das kleine Problem dieser Schlussfolgerung: Der Trendgleichlauf beider Indikatoren kann zwar temporär festgestellt werden, größere Abweichungen sind aber auch nicht selten. Der Grund liegt in den unterschiedlichen Zeithorizonten der Befragten. Während die Finanzanalysten in ihrem Stimmungsbild sehr intensiv von den kurzfristigen Schwankungen der Aktienmärkte beeinflusst werden, sind abrupte Wechsel in den Ergebnissen nicht ungewöhnlich. Der ifo-Geschäftsklimaindex zeichnet hingegen viel stärker die mittelfristigen Einschätzungen der Unternehmensmanager zum Geschäftsverlauf nach. Trendwenden sind daher weniger in kurzfristigen Zeiträumen zu beobachten.
Andere Indikatoren müssen auch mitziehen
Neben dem ZEW-Indikator und dem Ifo-Geschäftsklima-Index sollten allerdings noch weitere Indikatoren zur Bestätigung einer Trendwende in der Konjunkturentwicklung beachtet werden. Hierzu gehören die Zinspolitik der EZB, die Erhebungen unter den EU-Einkaufsmanagern und die Auftragseingänge in der Industrie. Darüber hinaus sollte wegen der starken Exportabhängigkeit der deutschen Industrie die Entwicklung der größten Außenhandelspartner, Frankreich, Großbritannien und USA, aufmerksam beobachtet werden. Weniger wichtig sind in Europa, im Gegensatz zu den USA, die Stimmungsbarometer zum Verbrauchervertrauen. Die Einkaufsmacht der europäischen Verbraucher ist zwar nicht zu unterschätzen, erreicht aber mit Abstand jene der USA. Auch wenn das Verhalten der US-Verbraucher wegen ihrer hohen Verschuldungsquote vermutlich vor einer fundamentalen Wende steht, so beeinflussen die US-Bürger den Weltkonsum immer noch stärker als dies die Europäer in absehbarer Zeit als einheitlicher Wirtschaftsraum tun werden.
Verhaltene Aktienmarktentwicklung wirkt dämpfend
Die Nachhaltigkeit einer Wende in der Konjunkturentwicklung hängt auch von der Intensität der Umkehrsignale der einzelnen Indikatoren ab. Die längste Vorlaufzeit benötigt dabei die Zinspolitik, die im Mittel mindestens neun Monate benötigt, bis ihre Wirkungen in der Realwirtschaft wirksam werden. Der ZEW-Index sollte mindestens vier, besser aber sechs Monate ansteigen, damit von einem durchgreifenden positiven Signal gesprochen werden kann. Gerade aber die schwache Entwicklung der Aktienmärkte im Januar dürfte vermuten lassen, dass die Zahlen vom Dienstag wieder etwas schwächer ausfallen. Ifo-Geschäftsklima-Index und Auftragseingänge senden hingegen schon bei drei aufeinander folgenden positiven Monaten ein Wendesignal, im Falle der Einkaufsmanager reichen sogar zwei Monate. Da diese Indikatoren ein deutlich geringeres Schwankungspotential aufweisen als der ZEW-Index, wird ein Trendwechsel schon in einem verhältnismäßig kurzen Zeitrahmen unterstellt.
Größter Unsicherheitsfaktor bleibt unter dem Strich allerdings die Unvergleichbarkeit der aktuellen Wirtschaftskrise mit jenen der jüngeren Vergangenheit. Bisher geltende Regeln könnten deshalb auch an Geltung verlieren, wenn bestimmte Marktmechanismen durch besondere Umstände außer Kraft gesetzt sind. Unzweifelhaft folgt einem besonders starken Abwärtsimpuls immer ein deutlicherer Erholungsimpuls. Insofern sollte sich dies in den nächsten Monaten auch in Aktienindizes und Konjunkturindikatoren wiederspiegeln.