Zertifikate: So hoch darf der Spread maximal sein
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 29. August 2011, 12:00 Uhr
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Beginnen wir = Ihr Autor diese Woche mal mit "Trading Know How". Thema "Abstand zwischen An- und Verkaufskurs". Also die Handelsspanne, im Traderjargon "Spread" genannt. (Ziemlich viele Anführungsstriche für zwei Sätze.)
Zur Sache: Wenn Sie ein Zertifikat kaufen - und direkt danach wieder verkaufen möchten, dann haben Sie im Normalfall einen Verlust gemacht.
Denn für den gleichen Schein zahlt der Emittent weniger, als er verlangt. Der Ankaufskurs liegt unter dem Verkaufkurs.
Klar, kennt man ja: Macht ja jeder Händler so. Wenn Sie z.B. einen Wagen an einen Händler verkaufen, würden sie mehr zahlen müssen, wenn Sie direkt danach zurückkaufen möchten. (Theoretisch; denn kein Mitglied der Trader´s Daily-Gemeinde sollte sich so verhalten.)
Zu diesem Thema "Spread" die Email eines Trader´s Daily-Lesers:
"(Ich habe) einen Put-Optionsschein auf Hang Seng gekauft. Die Differenz zwischen den Brief- und Geldkursen lag damals bei 2 Cents (...), was ich als akzeptabel empfand. Bei der Beobachtung des Kurses in einiger Zeit stellte ich fest, dass die Geld/Brief drastisch erhöht wurde. Heute beträgt sie 0,10 Euro (...). Wie soll ich in dem Fall vorgehen? Ist das überhaupt zulässig, dass ein Emittent so drastisch den Spread erhöht? Vielen herzlichen Dank! Liebe Grüße an Sie und die ganze Trader`s Daily Gemeinde!"
Meine Antwort:
Da lässt sich nichts machen - solange die Spread-Erhöhung in gewissen Grenzen bleibt! Wenn das so ist, dann sind wir einer solchen Spread-Erhöhung des Emittenten sozusagen wehrlos ausgeliefert.
Wie hoch diese „gewissen Grenzen" sind, können Sie leicht selbst überprüfen: Gehen Sie auf die Seite www.boerse-stuttgart.de und geben Sie dort die WKN des betreffenden Scheins ein.
Dann erscheint rechts eine Liste mit diversen Kennzahlen. Wichtig für das heutige Thema sind die Punkte „Bezugsverhältnis" und „max. homog. Spread in Euro".
Das „max. homog. Spread in Euro" steht für: "Maximaler homogenisierter Spread in Euro."
Bedeutet verständlich: So groß darf der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs maximal sein. Bezogen auf ein Bezugsverhältnis von 1:1, das ist wichtig! (Das bedeutet in diesem Zusammenhang "homogenisiert": Umgerechnet auf ein Bezugsverhältnis 1:1.)
Und hier kommt das Bezugsverhältnis ins Spiel: Wenn es nicht bei 1:1 liegt, sondern bei 100:1, dann muss der angegebene „max. homog. Spread in Euro" durch 100 geteilt werden. Bei einem Bezugsverhältnis von 1000:1 durch 1000, bei 10:1 durch 10 usw.
So wird z.B. im Fall eines Silber Long-Zertifikats (WKN: GS6YEG) ein „max. homog. Spread in Euro" von 10,00 Euro genannt, und ein Bezugsverhältnis von 1:1.
Bedeutet in diesem Fall für den maximalen Spread: Dieser darf bei eben 10,00 Euro je Schein liegen, es gibt keine Anpassung wegen Bezugsverhältnis.
Also: Solange der aktuelle Spread unterhalb der erlaubten Grenze liegt, lässt sich überhaupt nichts machen.
Und Sie können sicher sein: Der Emittent wird bei der Größe „max. homog. Spread in Euro" einen möglichst hohen Wert angeben.
Ausweichmöglichkeiten? Auch hier gilt wieder: Betroffen sind in erster Linie Optionsscheine, die „aus dem Geld notieren", d.h. keinen inneren Wert haben. Besonders bei Basiswerten, zu denen vielleicht nur ein Emittent einen Schein herausgebracht hat. Denn auch hier gilt: Konkurrenz belebt das Geschäft, d.h. führt zu tendenziell niedrigeren Spreads. Auf jeden Fall sollten Sie vor dem Kauf eines Scheins mal schauen, was der Emittent als maximal möglichen Spread angegeben hat.
Anders hingegen bei "Turbos", Long- und Short-Zertifikaten oder wie sie auch immer heißen mögen. Sprich: Scheine, bei denen der Kurswert fast ausschließlich aus dem inneren Wert besteht. Da gibt es deutlich seltener Probleme mit erheblich gestiegenen Spreads (gibt es aber auch da!).
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily