Zertifikate Know How: So hoch kann der Spread sein
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 18. Mai 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Beginnen wir die neue Woche mit einer Leserfrage. So schrieb mir Trader´s Daily-Leser Stephan N.:
„Schon mehrmals habe ich beobachtet, wie die Emittenten Spread (beliebig?) ändern. Konkret: Am 07.05.2009 habe ich AA1NMB und AA1UWR gekauft. Beim Kauf betrug Spread 6 Cent, bzw. 8 Cent. Inzwischen sind beide Werte gefallen. Der Spread beträgt aber 23 Cent und 15 Cent. Wie ist das möglich? Darf man das so einfach ändern?"
Meine Antwort:
Nehmen wir direkt mal das konkret genannte Beispiel, den Schein mit der WKN AA1NMB. Das ist ein Mini Long-Zertifikat auf Gold, herausgegeben von RBS (Royal Bank of Scotland - ehemals Zertifikateabteilung von ABN Amro).
Der Schein ging am Freitag mit 6,08 zu 6,13 Euro aus dem Handel. (Der niedrigere Kurs ist der, den Sie bei einem Verkauf erhalten - den höheren Kurs zahlen Sie bei einem Kauf.)
Der Spread ist bekanntlich der Abstand zwischen beiden Kursen, mithin genau 5 Cent.
Kann der Emittent den Spread nun beliebig ändern?
Hier antworte ich mit einem klaren: Jein.
Beliebig im Sinne von „völlige Freiheit bei der Wahl des Spread" nicht. Denn es sind dem Emittenten Grenzen gesetzt. Welche?
Das lässt sich sehr konkret sagen. Bleiben wir beim Beispiel-Schein.
Wenn Sie auf die Seite der Zertifikatebörse Stuttgart gehen (diese ist nach wie vor die größte Zertifikatebörse Europas und mein Lieblings-Handelsplatz) - www.euwax.de - und dort die WKN des Scheins eingeben, dann erhalten Sie eine ganze Reihe von „Stammdaten".
Darunter diese beiden Informationen: Bezugsverhältnis 10:1. Max. homogenisierter Spread in Euro: 3,00. Das sieht dann in etwa so aus (die zitierten Angaben habe ich markiert):
Quelle: Börse Stuttgart
*** Und hier haben wir die „Grenze"! Der „max. homogenisierter Spread in Euro" besagt, wie hoch der Spread sein kann. Homogenisiert bedeutet: Bezogen auf ein Bezugsverhältnis von 1:1.
Hier ist es niedriger, nämlich 10:1. Das wiederum bedeutet: Wenn der maximale homogenisierte Spread bei 3,00 Euro liegt, dann liegt der maximale Spread beim Schein mit Bezugsverhältnis 10:1 bei 3,00 Euro geteilt durch 10. Also bei 0,30 Euro.
Und das ist der maximale Spread dieses Scheins mit der WKN AA1NMB: 30 Cent.
Innerhalb dieser Grenze kann der Emittent den Spread frei wählen.
Gerade bei einem Basiswert wie Gold ist die Konkurrenz allerdings groß, der Emittent wird deshalb wohl kaum die 30 Cent ausreizen. Fakt ist jedenfalls: Er könnte es.
Und Sie wissen nun, wie hoch der maximale Spread sein kann. Innerhalb dieser Grenzen brauchen Sie sich bei einer Spread-Ausweitung gar nicht erst beschweren, bringt eh nichts.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Michael Vaupel