Zentrales Mantra der Dollar-Pessimisten
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 16. März 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Zentrales Mantra aller Dollar-Pessimisten ist das "Doppelte Defizit" der USA ... im Haushalt und in der Handelsbilanz. Die USA, so weiter, importieren weit mehr als sie exportieren.
So what else is new, sagt hier der Amerikaner. Dieser Zustand ist doch für die USA seit Jahrzehnten eine bekannte Größe: Die Staatsverschuldung der USA begann mit dem Ausbruch des Revolutionskriegs anno 1776. Haushaltsdefizite gab's unter Nixon, Ford, Carter, Reagan, Bush I – und auch unter dem "Tu-nichts"-Präsidenten William Jefferson Clinton – welcher seine kurzlebigen Überschüsse hauptsächlich einem republikanischen Congress und der Internet-Blase verdankte. Und kann mich nicht an einen Zeitpunkt entsinnen, an dem nicht Importe – von Konsumgütern und ausländischem Geld – höher als der Export waren.
Makro-Ökonomische Langzeittrends ... wie das Ansteigen und Fallen von Devisenkursen ... werden gerne mit aktuellen, mittelfristigen Wirtschaftsphänomenen in Verbindung gebracht und damit rationalisiert.
(Manchmal muss man sich allerdings ganz schön anstrengen, dass der Schuh auch passt: Als ich 1984-85 im schottischen Aberdeen studierte, lebten meine amerikanischen Kommilitonen ... wir 15 Deutschen hingen meist mit den 40 Amis zusammen ... auf großem Fuß: Das Pfund Sterling war auf Parität mit dem Dollar gefallen ... und für einen Dollar musste man gut 3 DM blechen. Und das zur Amtszeit Reagans, der bis heute noch in Sachen Staatsverschuldung Legendenstatus innehat!)
Sie werden sich erinnern, dass noch 2001 die amerikanischen Hersteller und Exporteure dem gerade eingeschworenen George Bush damit in den Ohren lagen, dass der Dollar zu hoch wäre und die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten damit eingeengt wäre.
Die Antwort der US-Regierung auf diese Klagen – sowie auf die sich bereits während der Amtszeit Clintons anbahnende Wirtschaftskrise – war die gezielte Schwächung der Währung, insbesondere durch radikale Zinssenkungen, was den Wechselkurs des Dollars von unterhalb der Parität mit dem Euro bis zum jüngsten Niedrigstand von ca. US$1.30 pro Euro führte.
Die Währungsmärkte bewegen sich nun aber Makrozyklen von ca. 8 Jahren. (Um etwas Perspektive zu gewinnen, sollte man hier vielleicht den Wechselkurs in DM zurückübersetzen: Wenn wir 1 Euro = 2 DM ansetzen, sehen wir, dass dieser Abschnitt des Zyklus bisher den Dollar in die Nähe seines 1994er Tiefs gegen gebracht hat.)
Mir scheint, der Euro-Trumpf des "Nicht-Dollar-Seins" mag ausgespielt sein ... und das Zinsdifferential spricht unverändert für den Dollar.
Die makroökonomischen Argumente zur Rationalisierung eines fallenden Euros stehen meiner Ansicht nun ebenfalls parat: Satte 50 % der 12 Eurozonen-Länder werden nach Schätzung der Europäischen Kommission dieses Jahr gegen Maastricht verstoßen ... allen voran natürlich wieder Deutschland und Frankreich.
Deutschland – sonst der wirtschaftliche Motor europäischen Wachstums und Träger von ca. 60 % der im Laufe der letzten vier Jahrzehnten angefallenen Kosten der Gemeinschaft – hat derzeit hauptsächlich zwei Wachstumsindustrien aufzuweisen: Arbeitslosigkeit und Firmenpleiten.
Rechnen Sie Pensions-Obligationen, Verschuldung der Kommunen, schwaches Wirtschaftswachstum und langfristigen Bevölkerungsschwund dazu, und Amerikas Verschuldung sieht plötzlich aus wie eine Kneipenrechnung.
Ich übertreibe natürlich ... bleibe allerdings bei meiner Prognose von US$1.10 pro Euro.