Zeit für die Wahrheit

in Kapitalschutz Akte zum Thema Weitere Börsenthemen
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Vor dem Hintergrund der täglichen Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche hat sich der Aktienmarkt in der vergangenen Woche tapfer" geschlagen. Der deutsche Leitindex verlor lediglich zwei Prozent.

Einmal mehr waren es die Nebenwerte, die deutlich heftiger unter die Räder kamen. In Deutschland brachen M-Dax bzw. S-Dax um mehr als sechs Prozent ein. Dagegen hielten sich die US-Indizes wahrlich wacker. Dow Jones, S&P 500 bzw. Nasdaq verloren nur zwischen zwei und vier Prozent.


Erstaunlicher Optimismus

Etwas verwunderlich ist indes, dass einer jüngsten Sentiment-Umfrage (150 institutionelle Investoren wurden befragt) der Optimismus für die weitere Entwicklung des deutschen Leitindexes immer noch relativ hoch ist. Mehr als die Hälfte ist bullish, nur etwas mehr als ein Viertel befindet sich im Bärenlager. Insofern könnte das Licht am Ende des Tunnels" tatsächlich der entgegenkommende Zug" sein.

Bank-Run bei Washington Mutual

Ja, bei der einst größten US-Sparkasse gab es keine Hoffnung mehr. Nach einem nahezu beispiellosen Bank-Run (über den im übrigen von den Main-Stream-Medien kaum berichtet wurde) wurde das Institut geschlossen und in einer Notoperation wurden große Teile an JP Morgan verkauft. Zuvor zogen Sparer allein seit dem 16.9. sage und schreibe 16,7 Milliarden Dollar ab. Ende August betrug das Spareinlagevolumen noch 143 Milliarden Dollar, mehr als das Dreifache des Volumens des US-Einlagensicherungsfonds. Als Randnotiz bleibt festzuhalten, dass für die Aktionäre im wahrsten Sinne nur noch ein Trümmerhaufen" übrig bleibt (allein in der vergangenen Woche ein Kursverlust von 90 Prozent).

Blick in die Zukunft

Nachdem nun selbst der US-Präsident, der US-Finanzminister und auch der Notenbank-Chef vor der sehr realen Bedrohung der systemischen Risiken gewarnt haben, und nichts unversucht lassen, den Zusammenbruch des US-Finanzsystems (siehe den aktuellen Bail-Out-Plan) zu verhindern, gilt es, von diesem Punkt aus einen Blick nach vorn zu richten. Ein sehr, sehr langer, schmerzhafter Anpassungsprozess steht bevor. Rezession und Schuldendeflation erscheinen unausweichlich.

Insofern ist es noch viel zu früh, wieder bullish zu werden. Dies war u.a. einer der größten Fehler, die man in der Zeit der großen Depression machen konnte.

Daher hat es nach wie vor oberste Priorität, extrem vorsichtig und vor allem auch geduldig zu bleiben. Zwar wird der Staat alles Erdenkliche dafür tun, einen totalen Kollaps zu vermeiden. Am Ende des Tages sollte man aber keinesfalls die die extrem deflationären Kräfte des Schuldenkollapses unterschätzen.

Volatiler Goldmarkt

Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass temporär auch Gold unter deflatorischen Druck geraten kann. Mittel- bis langfristig dürfte aber gerade wegen der extremen Unsicherheit die Nachfrage nach diesem äußerst konservativen Investment zunehmen. Völlig unabhängig davon, ob die Notenpresse zunächst eher gemächlich" oder am Ende des Tages dann auf Hochtouren laufen wird.

von
Dr. Martin Weiss
Dr. Martin Weiss

An der Wall Street ist Dr. Martin Weiss eine Institution. Ein unbequemer Analyst, der kritische Fragen stellt, Missstände aufdeckt und Skandale beim Namen nennt.


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