Zahlen, Zahlen und noch mehr Zahlen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 04. September 2003 18:00 Uhr
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Zwei Nachrichten, zunächst unabhängig voneinander: "Dieses Jahr sind deutlich weniger Amerikaner in den Urlaub gefahren." "Der Konsum hat im Vorjahresvergleich zugelegt." Na, kein Wunder, wenn die Amis zu Hause sind, konsumieren sie mehr. Warum das so interessant ist? Es geht um das dritte Quartal. Werden die US-Unternehmen die relativ hoch gesteckten Erwartungen erfüllen?
Genau das ist die entscheidende Frage. Erstere Nachricht wurde als Argumentation für die weiter anziehende Wirtschaft hergezogen. Die zweite Nachricht relativiert die erste wieder ein wenig. Es wird maßgeblich auf diesen September ankommen. Nach dem relativ gut ausgefallenen Beige Book, sah man gestern im späteren US-Handel Verkäufe in den startenden Anstieg, so dass dieser "abgewürgt" wurde. Positionieren sich die ersten Investoren auf ein schlechteres drittes Quartal? Es spricht einiges dafür.
Von einer US-Branche wissen wir nun, dass ihre Schwierigkeiten zunehmen. Die US-Hersteller General Motors, Ford und auch Chrysler, haben trotz massiver Kaufanreize weniger Autos verkauft. General Motors bekommt nun von zwei Seiten Druck, vom Bereich Autoverkauf und vom Bankenbereich (siehe Ausführungen gestern). Da bin ich auf die nächsten Zahlen gespannt.
Die rückläufigen Verkaufszahlen haben Auswirkungen: Chrysler steigt nun doch wieder in den Preiskampf ein. So sollen Kaufanreize und Preisnachlässe auf die Fahrzeuge des Modelljahres 2004 ausgeweitet werden. Kein Wunder, um 4,7 % war der Chrylserabsatz im Juli zurückgegangen. Sicherlich auch eine Folge davon, dass Chrysler versucht hatte, sich aus dem Preiskampf zurückzuziehen. Keine gute Nachrichten für die DaimlerChrysler Aktie. Chrysler wird den Gesamtkonzern weiter belasten. Ich frage mich, wo Mercedes stände, wenn er nicht Chrysler übernommen – Verzeihung – nicht mit Chrysler fusioniert hätte. Andere deutsche Autohersteller, insbesondere Porsche, konnten hingegen auf dem US-Markt zulegen.
Auch aus Deutschland kamen weitere Konjunkturnachrichten: Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist im Juli wieder rückläufig. Allerdings nur um 0,1 %. Damit bleibt die Nachfrage weiter auf niedrigem Niveau. Konjunkturerholung wir kommen! Heute zitiert sogar die FTD einen Analysten, der sagt, dass die harten Konjunkturdaten noch nicht die Umfrageergebnisse, z.B. ZWE-Index, Ifo-Index, untermauern. Aber Hoffnung ist schließlich genug da. Gut, etwas erfreulicher hat sich die Inlandsnachfrage mit einem Anstieg von 1,1 % entwickelt. Das ist sicherlich positiv zu bewerten.
Wesentlich weniger erfreulich entwickelt sich die Auslandsnachfrage, diese sank um 1,5 %. Dazu passt, dass der teure Euro den deutschen Exporteuren besonders im Handel mit Amerika zu schaffen macht. Im ersten Halbjahr gingen die Exporte in die USA um 4,9 % zurück. Auch die Exporte nach Japan gingen zurück, um 4,7 %. Die Exporte in die mittel- und osteuropäischen Länder stiegen hingegen um 6 %. Auf das Halbjahr gesehen haben die Exporte insgesamt um 2 % zulegen können.
Nach diesen vielen Zahlen kommen wir zu einer Null. Denn genau um den Wert wurden die Zinsen in Europa gesenkt. Etwas anderes war allerdings nicht erwartet worden, da die ersten Anzeichen einer Konjunkturerholung ein weitere Zinssenkung zurzeit unsinnig erscheinen lassen.