Zähneputzen mit Leitungswasser ist zu gefährlich
Profit Radar
vom 12. Januar 2012, 19:00 Uhr
ENL5454
Doch von Wen Li erhalte ich ein klares „Ja" als Antwort. Sie weist wiederholt auf die Pilotfunktion der Millionen-Stadt und die damit verbundene unglaubliche dynamische und innovative Entwicklung hin. Stolz zeigt sich mir eine Statistik, wonach Shenzhen das höchste Pro-Kopf-Einkommen Chinas aufweist.
Dann möchte ich aber doch wissen, ob diese dynamische Entwicklung nicht auch ihren Preis hat. In dem 5-Sterne-Luxus-Hotel, in dem ich in Shenzhen untergebracht war, ist mir zum Beispiel aufgefallen: Zum Zähneputzen wird einem jeden Tag extra Mineralwasser bereitgestellt. Das Leitungswasser ist dafür nicht geeignet.
Ich erkundige mich bei meiner chinesischen Dolmetscherin, die mich zu den Gesprächsterminen begleitet (englisch selbst bei Führungskräften ist eher die Ausnahme). Natürlich nehme sie für sich und ihre Familie das Leitungswasser der Millionen-Metropole Shenzhen auch zum Trinken und Zähneputzen, versichert mir die junge Chinesin selbstbewusst.
Aber warum dann die Vorsichtsmaßnahme im Hotel? Ich frage noch einmal nach, und siehe da: Auf einmal gibt sie zu, dass sie das Wasser für sich und ihre Familie doch abkocht, weil es eben zu gefährlich ist. Das ist eine bittere Erkenntnis: Eine der wohlhabendsten Provinzen Chinas, die noch immer stolz darauf ist, Vorzeigeprovinz mit Pilotfunktion zu sein, leistet sich offensichtlich eine miese Trinkwasser-Qualität.
Doch die Wasserversorgung ist nicht das einzige Problem der Vorzeigestadt mit Pilotfunktion. Zum ersten mal seit vielen Jahren ist es jetzt Demonstrationen gekommen. Mehr dazu im nächsten Profit Radar.
Gute Kurse wünscht
Volkmar Michler