wurden die Gewinnmitnahmen Mai bereits in April vorgezogen?

Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom


Lassen Sie mich noch einmal auf die Phase 1965 bis 1984 zurückkommen. Hier ist das Muster klar und deutlich erkennbar und ermöglicht uns, einige Gedanken über die möglichen Ursachen anzustellen. Zum einen haben Amerikaner einen sehr ausgeprägten Rhythmus, was die Abgabe ihrer Steuererklärung zum 31. März angeht. Die anstehenden Nachforderungen des IRS veranlassen amerikanische Steuerzahler einen Teil ihrer Aktien im Mai zu verkaufen, um Steuerschulden zu begleichen. Offensichtlich gibt es aber auch einen Vorzieheffekt. Wenn die ersten Börsenmonate von Januar bis März gut gelaufen sind, wird offensichtlich der Aktienverkauf von Mai auf April vorgezogen. Übrigens trifft das überdurchschnittlich oft auf Wahljahre zu. Starker Jahresauftakt mit starken Verlusten im April und 2012 ist solch ein Wahljahr, wie Sie wissen.


Die Analysten Yale & Hirsch führen diese Beobachtungen weiter aus und schreiben: Wenn Sie 1950 als Börsianer angefangen und 10.000 US-Dollar in den Dow Jones investiert hätten, wären daraus 619.071 US-Dollar geworden, vorausgesetzt Sie wären nur in den Monaten November bis April investiert gewesen. Wer allerdings in den Monaten April bis Oktober investiert war, hat in 62 Jahren 1.024 US-Dollar Verlust gemacht."

Börsenzyklen sind also ernst zu nehmen und sollten akzeptiert werden. Da muss also etwas dran sein", dachte sich auch die damalige ABN Amro Bank (heutige RBS, Royal Bank of Scotland) und entwickelte 2005 zusammen mit der Deutschen Börse den Index DAXplus Seasonal Strategy (TR) EUR, der als Grundlage für Zertifikate dient. TR steht für Total-Return-Index, auch Performance-Index genannt. Allerdings werden in diesem Index lediglich die schlechten Börsenmonate August und September ausgeschaltet. Auf der Webseite der Deutsche Börse Group können Sie sich einen Eindruck verschaffen, wie erfolgreich diese Strategie bisher war.

Fazit: Statistische Wahrscheinlichkeiten geben uns einen Hinweis auf mögliche Saisonalitäten, allerdings betrachtet über große Zeitfenster. Je mehr statistische Daten Sie haben, umso aussagefähiger werden die Resultate. Die Börse aber, und das kommt erschwerend hinzu, versucht Ereignisse vorwegzunehmen und mögliche Risiken so früh wie möglich in den Kurs einzupreisen. Deshalb würde es mich nicht wundern, wenn wir den Mai-Kurseinbruch bereits im April vorweggenommen haben.

Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen

Jürgen Nowacki,

Chefredakteur Target Trader


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