Wunder von Chile: Jährlich sterben Tausende Kumpel
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 15. Oktober 2010, 17:00 Uhr
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die Bilder gingen um die Welt: Freude über die Rettung der verschütteten Arbeiter aus einer Kupfer-Gold-Mine in Chile beherrschten die Schlagzeilen der Medien. Natürlich, auch ich freue mich, dass diese Kumpels gerettet werden konnten. Aber ich werde auch nicht müde, die schlechten Zustände in unzähligen Bergwerken auf der Welt anzuprangern.
Moderne Technik wird noch zu selten eingesetzt
Die Rettung der Bergleute ist angesichts des Einsatzes moderner Technik mit viel Geld in meinen Augen kein Wunder. Als Wunder erscheint es mir eher, dass hier nicht schon früher Schlimmes passiert ist. Denn das Bergwerk San Jose war wie so viele in Chile und anderen Ländern in einem erbärmlich schlechten Zustand. Häufig werden die Rohstoffe gerade in den kleineren Minen noch mit nahezu mittelalterlichen Methoden in mangelhaft gesicherten Stollen abgebaut.
Moderne, sehr sichere Technik ist verfügbar, aber sie kostet Geld, häufig viel Geld, das die Betreiber nicht ausgeben wollen. Gesetzliche Vorschriften zur Sicherung der Bergwerke existieren ebenfalls in den meisten Ländern. Doch sie werden nicht energisch genug durchgesetzt. Häufig (so wie auch bisher in Chile) sitzen die Vertreter der Bergbaubehörde nur in der Hauptstadt. Sie sehen selten oder gar nie ein Bergwerk von innen. In ihren Büros gehen Vertreter der Minen ein und aus, um die Schmiergelder zum Erhalt der nötigen Genehmigungen einzureichen.
Verantwortliche lassen sich korrumpieren
Lokale Politiker lassen sich gerne korrumpieren, wenn es um die Bergwerke geht. Stellen diese doch in vielen Gegenden die einzigen größeren Arbeitgeber dar. Statt Hunderte von arbeitslosen Bergleuten ohne soziale Sicherung als sozialen Sprengstoff zu erzeugen, werden da lieber beide Augen zugedrückt, wenn unsichere Minen weiter betrieben werden.
Die Probleme sind seit langem bekannt, ebenso die betroffenen Länder. China (mit über 2600 offiziellen Toten im Bergbau 2009) finden Sie ganz oben auf der Liste, ebenso wie viele Gegenden Afrikas. Russland und die Ukraine sind regelmäßig weit oben auf den Unfallberichten zu finden. Überall, wo sehr kleine, häufig illegale, Minen betrieben werden, gibt es diese Probleme. Ebenfalls in alten Bergwerken, die seit Jahrzehnten kaum eine Modernisierung erfahren haben. Das kann auch in großen Staatsbetrieben der Fallsein, wo zu wenig investiert wird!
Vorhandene Gesetze werden nicht durchgesetzt
China greift endlich durch, nachdem angesichts der modernen Medien die Zahl der Toten nicht mehr effektiv geheim gehalten werden kann. Allein in diesem Jahr sollen hier über 1.600 illegale Bergwerke geschlossen werden. So sinkt in dem rohstofffressenden Riesenreich die offizielle Zahl der Toten im Bergbau seit Jahren deutlich. Aber wie uns das Unglück mit dem Bauxitschlamm in Ungarn wieder deutlich vor Augen geführt hat, macht Schlamperei im Bergbau auch vor Europa nicht Halt. Die Gesetze waren da, doch sie wurden nicht ausreichend umgesetzt bzw. kontrolliert.
Kaufen Sie nur Rohstoffaktien, die mit sicherer Technik abbauen
Nach dem "Wunder von Chile" werden Sie jetzt vielleicht einige Berichte zu dieser Problematik finden. Aber danach verschwindet das Thema wieder aus den Medien, man will ja die Leser nicht verschrecken. Doch dieses Thema geht uns alle an! Unser aller Umwelt wird zerstört, wenn Bestimmungen nicht eingehalten werden. Wir Anleger investieren in Firmen, die den Bergbau betreiben oder an den Rohstoffen verdienen. Gerade jetzt, wenn die Gewinne sprudeln, muss der Druck auf die Produzenten erhöht werden, verfügbare Sicherheitstechnik auch wirklich einzusetzen. Es werden auch wieder schlechtere Zeiten kommen. Dann ist es schwierig für die Firmen zu investieren, ohne Arbeitsplätze zu vernichten. Interessieren Sie sich also bei Ihren Investments dafür, ob Sie den Kumpeln mit sicherer Technik moderne Arbeitsplätze schaffen!
Die Börsenbriefe des Investor Verlags unterstützen Sie dabei, z.B. der gerade erst aus der Taufe gehobene LOHAS-Investor von Michael Vaupel, der sich zum Ziel gesetzt hat, nachhaltige Investments zu fördern.