WTI-Preis scheitert an wichtiger Widerstandsmarke
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 11. September 2009, 20:00 Uhr
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Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
Die zweite Septemberwoche hat - zumindest was die Aktienmärkte angeht - nicht gehalten, was der Monat an sich verspricht. Eine neu aufkeimende Risikofreude und wachsende Erholungserwartungen haben den Märkten in dieser Woche wieder deutliche Unterstützung geboten.
Der DAX schloss im Wochenvergleich mit rund 4,5 % im Plus. Der Nikkei legte im Vergelich zur Vorwoche rund 2,5 % zu und der Shanghai Composite verbesserte sich um 4,5 %. Der Dow Jones notiert aktuell mit 1,8 % im Plus.
Wieder unterstützen Indikatoren die Erwartungen auf eine graduelle Erholung der Weltwirtschaft. In den USA wurde ein Anstieg der Hypothekenanträge, sowie ein Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ausgewiesen. Ebenfalls übertrafen die Ergebnisse zum US-Verbrauchervertrauen die Erwartungen mit einem Anstieg auf 70,2 Punkte. Die FED erklärte im Beige Book, das in 11 der 12 beobachteten Regionen Anzeichen der Stabilisierung zu beobachten seien. Auch in Europa mehren sich die Anzeichen dafür, dass sich die Rezession verringert. Wie das Statistische Bundesamt bekannt gab, sind Deutschlands Exporte im Juli um 2,3% gestiegen gegenüber dem Vormonat. Dennoch musste das Verarbeitende Gewerbe im Juli, dem Statistischen Bundesamt zufolge, im Juli einen deutlichen Umsatzrückgang verbuchen.
China übertrifft die Erwartungen
Deutliche Unterstützung boten zum Ende der Woche hin die aktuellen Wirtschaftsdaten aus China. Wie das statistische Amt in Peking heute bekannt gab, ist Chinas Industrieproduktion im August um 12,3 % gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Die Prognosen waren zuvor nur von einem Anstieg von 11,8% ausgegangen. Auch die Einzelhandelsumsätze und die Höhe der Anlageinvestitionen konnten die Erwartungen übertreffen. Die Einzelhandelsumsätze sind gegenüber dem Vorjahr um 15,4 % gestiegen. Die Vergabe neuer Kredite legte im August überraschend zu. Der Peoples Bank of China zufolge haben chinesische Banken im August Kredite in Höhe von 410,4 Milliarden CNY vergeben, gegenüber 355,9 Milliarden CNY im Juli.
USD steht deutlich unter Druck
Der Druck auf die US-Währung, welcher sich schon seit einiger Zeit langsam herauskristallisiert hatte, hat in den letzten Tagen deutlich zugenommen. Dazu beigetragen haben dürfte auch das G-20-Treffen vom letzten Wochenende, wo die Offiziellen deutlich gemacht haben, dass man nach wie vor einer Straffung der bisherigen fiskalpolitischen Maßnahmen, sowie einer Zinsanhebung, zurückhaltend gegenüber steht. Dies gilt insbesondere für die USA. Die US-Notenbank FED, deren Ankaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen eigentlich im Oktober ausläuft, behält sich aber vor, derartige Maßnahmen weiter zu führen. Schlussendlich üben damit weiterhin Inflationsgefahren und sinkende Realzinsen Druck auf die US-Währung aus. Zudem hat die FED wenig Möglichkeiten gegen die Inflationserwartungen anzugehen, so lange die hohe Arbeitslosenrate in den USA besteht. In der Vergangenheit hatte die FED eine Zinsanhebung immer erst dann beschlossen, wenn der Arbeitsmarkt erste Zeichen von Erholung gezeigt hatte. Die Frage ist vor allem, ob der massive Liquiditätsüberschuss tatsächlich rechtzeitig wieder abgezogen werden kann?! Sollte eine massive Inflation drohen, müsste die FED rasch mit einer drastischen Zinsanhebung gegensteuern. Dies allerdings birgt das Risiko einer zweiten Rezession, die auf eine zwischenzeitliche kurze Erholung folgen könnte. Damit wäre aber das so genannte Double-Dip-Rezessions-Szenario, dasjenige, welches am ehesten USD-positiv gewertet werden könnte. Weiteren Druck auf die US-Währung üben wachsende Erwartungen auf eine graduelle Erholung der weltweiten Wirtschaftsaktivitäten aus.
Die US-Währung gibt schließlich in dieser Woche auf breiter Front ab. Der US-Dollar-Index, der die Entwicklung des USD gegenüber einem Währungskorb der 6 wichtigsten Major-Currencies wiedergibt, erreichte bei 76,511 Punkten den tiefsten Stand seit September 2008.
Obwohl ich aufgrund einiger Faktoren, wie der Reinflationierungspolitik der FED, oder des angeschlagenen Vertrauens in die US-Währung (vor allem in China), bereits seit einiger Zeit davon ausgehe, dass der USD unter Druck geraten müsste, wirken die nun raschen Verluste auf breiter Front überraschend. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass ein Großteil dieser Entwicklung darauf zurückzuführen ist, dass Investoren (aus der Sommerpause zurückgekehrt) nun auf breiter Front begonnen haben, sich für den langfristigen USD-negativen Trend neu zu positionieren.
EUR/USD konnte am Dienstag aus seiner bisherigen breiten Range nach oben ausbrechen und sein bisheriges Jahreshoch bei 1,4444 überschreiten. Am Freitag markierte das Währungspaar ein 9-Monats-Hoch bei 1,4627. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,4576.
Energie
Die Ölpreise konnten in dieser Woche zunächst wieder zulegen. Unterstützung fanden die Preise insbesondere aufgrund der sich verbessernden Risikofreude, wachsender Erholungserwartungen und allgemein einer sich wieder verbessernden Stimmung - in Korrelation zu den Aktienmärkten und natürlich in Negativ-Korrelation zum US-Dollar.
WTI bewegte sich zunächst konstant über der 70 USD-Marke. Am Freitag konnte allerdings der äußerst wichtige Widerstand bei 72,90 US-Dollar pro Barrel nicht durchbrochen werden, was hernach zu massivem Verkaufsdruck geführt hatte. So fiel WTI kurzfristig am Freitag von über 72 US-Dollar auf unter 70 US-Dollar pro Barrel.
Aktuell notiert WTI zur Lieferung im Oktober bei 69,69 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im Oktober notiert aktuell bei 67,73 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Auch die fundamentalen Faktoren vermögen nach wie vor nicht nachhaltig zu überzeugen. So hat die IEA zwar ihre Prognosen für die weltweite Rohölnachfrage in 2009 und 2010 um 0,5 Millionen Barrel pro Tag nach oben revidiert und auch die chinesischen Ölimporte sind weiterhin gestiegen (um 18% im August gegenüber dem Vorjahr), doch in China steigen zugleich auch die Lagerbestände, ebenso wie die Ölprodukt-Exporte.
Das US-Energieministerium vermeldet zwar einen überraschend deutlichen Rückgang der Lagerbestände um 4,9 Millionen Barrel pro Tag, doch im gleichen Zeitraum sind zum ersten Mal seit Juli auch die Benzinbestände gestiegen. Die Destillatsbestände kletterten sogar auf ein 26-Jahres-Hoch.
Die IEA teilt darüber hinaus mit, dass die weltweiten Rohölbestände weiter ansteigen. Aktuell befinden sich die Bestände um 4,6 % über dem Vorjahresniveau.
Metalle
Edelmetalle
Der Goldpreis schaffte zu Beginn der Woche den erneuten Ausbruch über die 1.000 USD-Marke.
US-Dollar-Schwäche gekoppelt mit wachsendem Misstrauen insbesondere gegenüber der Stabilität der US-Währung und leicht wachsenden Inflationserwartungen unterstützen die Preisentwicklung des Edelmetalls.
Auch die aktuelle Saisonalität spricht für eine stärkere Preisentwicklung. Im historischen Vergleich bietet der September durchschnittlich die höchste Gold-Rendite, denn ab September steigt traditionell die Nachfrage aufgrund der weltweit anstehenden Festlichkeiten bis zum Anfang des Neuen Jahres (Hochzeitssaison Indien, China Neujahrsfest, Westen Weihnachten, Muslimische Welt Ende des Ramadan).
Die Nachfrage von Seiten der Investoren kann ebenfalls zulegen. ETF Securities verbuchte einen Anstieg der verwaltetet Goldbestände um 100.000 Unzen auf einen Rekordwert von 8,2 Millionen Unzen.
Das Wochenhoch am Freitag lag bislang bei 1.013 US-Dollar pro Feinunze - das entspricht dem höchsten Preis seit 2008.
Aktuell notiert Gold bei 1.004,70 US-Dollar pro Feinunze an der COMEX. Der London Gold Fix PM wurde heute bei 1.008,25 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.
Basismetalle
Kupfer notiert aktuell im Wochenvergleich fast unverändert! Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf 2,92 US-Dollar am Dienstag musste der Metallpreis wieder abgeben.
Mittlerweile scheinen die Industriemetallmärkte etwas vorsichtiger zu reagieren. Obgleich zwischenzeitlich Faktoren wie die USD-Schwäche und Konjunkturerholungserwartungen die Preise unterstützen können, vermag dieser Effekt offenbar nicht mehr nachhaltig zu wirken.
Stattdessen scheinen fundamentale Faktoren wieder stärker wahr genommen zu werden. Insbesondere dann, wenn es um das Land geht, welches die Metallpreise in diesem Jahr so massiv unterstützt hatte: China. So belastete den Kupferpreis unter anderem der Rückgang der chinesischen Kupferimporte den zweiten Monat in Folge. Wie die Behörden bekannt gaben sind die Kupferimporte im August um 20% gegenüber dem Vormonat auf 325.089 Tonnen gesunken. Zudem steigen die Lagerbestände: Shanghai verzeichnet seit Ende 2008 einen Anstieg der Kupferbestände um 400%.
Kupfer notiert aktuell bei 2,83 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
Auch Blei enttäuschte in dieser Woche bitter, nachdem bekannt wurde, dass trotz Schließungen und verstärkter Kontrollen bei Schmelzereien die chinesische Bleiproduktion die Nachfrage in diesem Jahr um 270.000 Tonnen übersteigen wird.
Blei notiert aktuell bei 0,93 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von eleonore Wehner (12.09. 2009 09:08 Uhr):
Hallo, ich möchte den Beitrag der oben steht nicht kommentieren, sondern wollte einfach mal nachfragen, warum Silber nie in Ihren Beiträge erwähnt und gewertet wird. Wäre schön da auch mal was über Silber zu erfahren. Viele Grüße E. Wehner
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