WTI-Ölpreis fällt auf unter 70 USD
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 11. Dezember 2009, 20:00 Uhr
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Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
In der vergangenen Woche habe sich die Aktienmärkte teilweise uneinheitlich entwickelt. Der DAX verlor im Wochenvergleich 0,7%, während der Nikkei um 0,9% zulegen konnte. Der Shanghai Composite Index gab im Vergleich zur Vorwoche rund 2,3% ab. Der Dow Jones notiert zur Zeit rund 0,5% im Plus im Vergleich zur Vorwoche.
Belastend erwiesen sich zunächst in dieser Woche erneut negative Meldungen aus Dubai. Berichten zufolge hat die Dubai World - Tochter Nakheel offenbar im 1. Geschäftshalbjahr einen massiven Verlust eingefahren. Die Rating-Agentur Moodys senkte daraufhin die Kreditwürdigkeit einer ganzen Reihe von staatlich kontrollierten Dubaier Unternehmen. Ausländische Assets werden wohl abgestoßen werden müssen und die Erwartungen steigen, dass noch mehr Unternehmen des Emirats in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnten. Erneut ging die Angst vor einer neuen Kreditkrise um.
Hinzu kam die Abstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands durch die Rating-Agentur Fitch und schließlich die Abstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens durch die Rating-Agentur Standard & Poor's. Weitere Ängste löste die Ankündigung von Seiten der Rating-Agentur Moodys zu Beginn der Woche aus, die USA und UK könnten ihr Aaa-Rating verlieren. Diese Ankündigung wurde allerdings zum Ende der Woche wieder revidiert.
Weitere Enttäuschung bot in diese Situation hinein zudem der überraschende Rückgang der Industrieproduktion in Deutschland. Wie das Bundeswirtschaftsministerium bekannt gab, sei die Industrieproduktion im Oktober um 1,6% gegenüber dem Vormonat gesunken.
Auch aus den USA sorgte bereits am Montag die Rede des US-Notenbankchefs Bernanke für negative Stimmung. Bernanke gab an, es seien zwar bereits Fortschritte gemacht worden, doch für eine signifikante Erholung sei eine deutliche Verbesserung der Arbeitsmarktsituation erforderlich. Bernanke stellte für 2010 nur ein moderates Wachstum in Aussicht. Wie am Donnerstag US-Finanzminister Geithner erklärte, werde das TARP-Programm bis Oktober 2010 fortgesetzt werden.
Zum Ende der Woche konnten erneut überragend starke Daten aus China den Märkten zu mehr Beruhigung verhelfen. Wie aus China bekannt gegeben wurde, stieg die Industrieproduktion im November um kräftige 19,2% an, im Vergleich zum Vorjahr. Das ist der stärkste Anstieg im Jahresvergleich gegenüber Juni 2007. Erneut erweist sich insbesondere China als stärkstes Zugpferd der weltwirtschaftlichen Erholung.
Auch aus den USA wurden am Freitag schließlich unterstützende Daten vermeldet. So stiegen sowohl die Einzelhandelsumsätze, als auch der Index zum Verbrauchervertrauen der Universität Michigan.
Der US-Dollar konnte in dieser Woche, im Umfeld hoher Nervosität, deutlich zulegen. EUR/USD der Ende letzter Woche noch über 1,51 notierte fiel zunächst bis in den Bereich um 1,47 und musste am Freitag erneut einen deutlichen Rückgang bis unter 1,46 hinnehmen. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,4619. Die heutige Abkopplung vom bestehenden Risiko-Szenario könnte möglicherweise auf den Beginn einer zwischenzeitlichen stärkeren USD-Rallye bis zum Jahresende hindeuten.
Die plötzlich einsetzende USD-Stärke belastet zusätzlich die Rohstoffpreise sehr deutlich!
Energie
Die Ölpreise sind in dieser Woche weiter deutlich gefallen - WTI hat mittlerweile die 70 USD-Marke nach unten gebrochen.
Zum einen erklärt sich diese Entwicklung aus der einsetzenden USD-Stärke, zum anderen aber auch aus den Fundamentaldaten (insbesondere aus den USA), welche nun, da der USD offenbar seinen Griff um die Rohölpreise gelockert hat, verstärkt Einfluss im Markt begründen können.
Wie das US-Energieministerium vermeldet, sind die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche zwar um 3,8 Millionen Barrel gefallen, dafür sind allerdings die Lagerbestände am Knotenpunkt Cushing (wo das an der NYMEX gehandelte WTI zwischengelagert wird) gestiegen - gegenüber der Vorwoche um 2,5 Millionen Barrel, womit sie mittlerweile nicht mehr allzuweit entfernt vom Februar-Rekordwert liegen. Ebenfalls verzeichneten die Bestände der Ölprodukte einen Anstieg gegenüber der Vorwoche. So sind die Benzin-Vorräte in den USA um 2,3 Millionen Barrel gestiegen. Die Bestände an Mitteldestillaten und Diesel stiegen insgesamt um 4 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Damit liegen die gesamten US-Bestände deutlich über dem 5-Jahres-Durchschnitt und machen vor allem eines deutlich: die US-Nachfrage ist nach wie vor äußerst schwach.
Am Freitag konnten sich die Ölpreise zunächst kurzfristig noch leicht erholen (WTI das zuvor knapp über 70 USD notiert hatte, stieg kurzfristig bis auf 71 USD an) aufgrund positiver Daten aus China. So wurde für November erneut ein Anstieg der Rohölimporte vermeldet - diese liegen aktuell rund 28% über dem Vorjahresniveau. Auch die Produktion von Ölprodukten ist um 21% gestiegen gegenüber dem Vorjahr. Auch hier beweisen die Emerging Markets und allen voran China erneut ihre Position als neues Zugpferd des Wachstums. Jedoch können die Industrieländer nach wie vor nicht mithalten.
Aktuell notiert WTI zur Lieferung im Januar bei 69,90 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im Januar notiert nach wie vor mit leichtem Aufschlag bei 71,66 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Metalle
Edelmetalle
Auch der Goldpreis geriet in dieser Woche aufgrund der starken Negativ-Korrelation zur US-Dollar-Entwicklung unter Druck.
Gold fiel von seinem noch in der vergangenen Woche begründeten Allzeithoch bei über 1.200 US-Dollar pro Unze bis auf 1.110 US-Dollar am Freitag.
Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.115,80 US-Dollar pro Feinunze an der COMEX. Der London Gold Fix PM wurde heute bei 1.124 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.
Basismetalle
Auch die Industriemetallpreise litten in dieser Woche zunächst unter USD-Stärke und Konjunkturnervorsität, zum Ende der Woche erhielten die Preise allerdings erneut Unterstützung von Seiten Chinas.
Hierbei wirkten nicht nur die positiven Wirtschaftsdaten aus China unterstützend. So wurde zudem ein Anstieg der Metallimporte vermeldet.
Die Kupferimporte stiegen im November um 6,4% gegenüber dem Vormonat, während die Aluminiumimporte sogar um 10,1% zulegten.
Trotz steigender Lagerbestände bleibt offenbar die chinesische Nachfrage bestehen, dies gilt insbesondere für Aluminium wo aktuell eine Verknappung im Markt zu beobachten ist.
Kupfer notiert aktuell bei 3,15 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
Aluminium notiert aktuell bei 1,00 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.