Worte der Woche: Warum nur haben plötzlich alle was zu sagen?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 9. September 2011, 14:30 Uhr
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Meine persönlichen "Worte der Woche" kommen heute von Kollege Alfred Maydorn vom Börsenbrief "maydornreport". Er meint, dass wenn doch schon jeder seinen schlauen" Senf zur aktuellen Krise absondern kann, könne man doch auch den schlauen der Schlümpfe "Schlauwi Schlumpf" nach seiner Meinung fragen. Aber Herr Maydorn hat zum Glück auch selbst was zu sagen. Was, lesen Sie im nachfolgenden Marktkommentar:
"George Soros sagt, die aktuelle Krise ist vielleicht schlimmer als die Lehman-Krise. Deutsche-Bank-Chef Ackermann sagt, zahlreiche Banken seien im Prinzip pleite, wenn sie Staatsanleihen zu Marktpreisen bewerten müssten. Angela Merkel sagt: Scheitert der Euro, scheitert Europa.' Und Weltbank-Chef Robert Zoellick sagt, die globale Wirtschaft drohe in eine neue Gefahrenzone zu rutschen. Und was sagt Schlauwi-Schlumpf?
Irgendwie darf gerade jeder schlau daher reden und wildeste Vermutungen anstellen. Eine Begründung ist dabei gar nicht vonnöten. Solange die Aussage knackig - und am besten noch ein wenig schockierend - ist, wird sie von den Medien mit Kusshand aufgenommen und in Windeseile verbreitet. Und mit außerordentlich hoher Wahrscheinlichkeit wird es vielleicht schon in wenigen Monaten Experten' geben, die sagen, im September hätte man Aktien kaufen sollen. Das waren ganz klar Kaufkurse. Eine Bayer-Aktie für 36 Euro - da musste man doch zugreifen, immerhin wurden nur sechs Wochen zuvor noch 60% mehr bezahlt. Aber abgesehen von Vermutungen, Phrasen und wilden Prognosen, wie geht es denn nun wirklich weiter? Und woran soll man sich orientieren? Es gibt für Börsianer letztendlich nur einen verlässlichen Indikator - und das sind die Aktienkurse selbst. Und die scheinen sich so langsam zu stabilisieren, zumindest in den USA. Und jetzt sage ich auch einfach mal was: Je mehr Experten Horrorszenarien an die Wand malen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese nicht eintreten.'"
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (11.09. 2011 15:39 Uhr):
Sehr geehrte Frau Bach, Herr Maydorn muss nicht annehmen, "in wenigen Monaten treten Experten auf den Plan, die sagen im September hätte man Aktien kaufen sollen", weil dies heute schon sein geschätzter Kollege Jürgen Schmitt aus seinem momentanen Urlaubsdomizil der werten Leserschaft vorschlägt. Und der Hinweis von Herrn Maydorn hinsichtlich der "schlauen Schlümpfe" und dem "schlauen Senf zur aktuellen Krise", gibt es einen Spruch, den ich kürzlich gelesen habe: "Die spinnen, die Römer" aus den Asterix-Komikheften. Mit diesem Spruch lässt sich auch die Kakaphonie von Politikern, Journalisten, Bankern und Analysten am besten beschreiben. Jeder, aber auch wirklich Jeder meint, seinen "Senf" zu den Themen Schuldenkrise, Euro-Rettung und Griechenlandhilfe aufzeigen zu müssen. Den unwiderstehlichsten Drang haben ausgerechnet Diejenigen, die sich an den Finanzmärkten am wenigsten auskennen. Es wurde z.B. kritisiert, dass ausgerechnet Bundespräsident Wulff, von dem die Investoren- Berater ein Jahr lang dachten, er existiere nicht einmal mehr als "Grüßgott-Onkel", sich in die Schuldendebatte einmischen müsste, obwohl er vom Thema völlig unbeleckt ist. Gleiches gilt für Altkanzler Helmut Kohl und Bundestagspräsident Norbert Lammert. Den inkompetenten Äußerungen setzte dann wohl Familienministerin Ursula von der Leyen noch die Krone auf, indem sie im Bundestag verlangte, die Griechen sollen für zukünftige Kredite als Sicherheit ihr Notenbank-Gold und Staatsbeteiligungen hinterlegen. Dies ist Anmaßung pur und hat nichts mehr mit dem europäischen Gedanken zu tun. Wie an anderer Stelle schon gesagt: Die Dinge die zu regeln sind, sind "hinter den Kulissen" zu erledigen. Es kann doch nicht sein, dass hochbrisante finanzpolitische Themen auf unterstem Stammtisch-Niveau öffentlich diskutiert werden. Das Schlimmste ist ja, dass das ganze Politiker-Gesülze unter der Rubrik "Thema verfehlt" einzuordnen ist. Frau Bach, verbringen Sie noch einen angenehmen Rest-Sonntag und schon heute ein gute und erfolgreiche neue Arbeitswoche für Sie. Grüße aus München Ihr Leser Albert Karl.
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