Worte der Woche: Ratingagenturen machen Politik

in Insider Daily zum Thema Ratingagenturen
vom


Es ist eines der Themen der Woche: die Abstufung von neun Euro-Ländern, darunter Frankreich, durch die US-Ratingagentur Standard & Poors. Und natürlich hat dazu jeder fast jeder Schreiberling der Finanz- und Wirtschaftspresse etwas zu sagen, mich eingeschlossen. Doch ein Kommentar von Volker Zastrow aus der "Frankfurter Allgemeine Sonntagzeitung" trifft die Thematik meiner Ansicht nach am besten auf den Punkt - meine "Worte der Woche":


Auch Agenturen machen Politik

"Machen Ratingagenturen Politik? Die Frage wird derzeit von manchen Politikern und Beobachtern so beantwortet, als hänge die Antwort am Willen der jeweiligen Agentur. Und mit Blick auf Standard & Poors wird sie nicht selten bejaht. So lange ist es noch nicht her, dass die Bonitätsprüfer ihrem eigenen Land, den Vereinigten Staaten, das Leben sauer machten - und ihr Ergebnis auch dann nicht korrigierten, als herauskam, dass sie sich um einen riesigen Betrag verrechnet hatten. Die Argumente, mit denen die Agentur ihr Festhalten an der Bewertung begründete, waren politisch, nicht mathematisch.

Aber die Eingangsfrage stellt sich für zurückhaltender aufgestellte Agenturen - allesamt übrigens amerikanische Firmen. Und die Antwort ist von deren Willen in Wahrheit nicht abhängig. Schon gar nicht, wenn es um die Bewertung der Bonität von Staaten (oder indirekt Staatenbünden wie der EU) geht. Das liegt daran, dass das Urteil der Agentur selbst unmittelbare Wirkung auf die Bonität entfalten kann und meistens auch entfaltet. Mit anderen Worten: Handeln in einer politikfreien Sphäre ist hier so wenig möglich wie irgendwo sonst im sozialen und wirtschaftlichen Leben. Weil es eine solche Sphäre nicht gibt.

Was bedeutet das für die aktuelle Lage? Durch die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung haben sich zwei geopolitische Wirtschaftsräume konstituiert, die sich was ihre Potenz, aber auch, was ihre Schwächen betrifft, so sehr nicht mehr unterscheiden: der kontinental-europäische und der amerikanische, wohl auch angelsächsische. Es gibt Zusammenarbeit, aber eben auch Konkurrenz. Europa ist weniger zersplittert als zuvor, ist stärker geworden. Es wird sich den Schneid nicht abkaufen oder abwerten lassen. Die Krise wirkt in Europa integrativ, und das sollte so weiter gehen."

von
Cindy Ullmann
Cindy Ullmann

Cindy Ullmann nimmt regelmäßig Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.

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Kommentar von wolf jacobi

krisen sind chancen. für fleißige europäer, aber bitte ohne england-u.s.a.!!!

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