Worte der Woche: Hat die Medaille nur schlechte Seiten?
Cindy Bach in Insider Daily
vom 4. März 2010, 14:30 Uhr
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Meine "Worte der Woche" kommen heute von Friedhelm Busch. In seinem Kommentar "Zwischen Pest und Cholera" auf NTV.de bringt er es auf den Punkt: Egal was Griechenland tut, um zu sparen, und egal was die EU tu,t um das Land in Europas Süden finanziell zu retten: Es werden Entscheidungen zwischen Pest und Cholera sein und bleiben. Denn ein Loch mit Treibsand stopft sich bekanntlich schwer. Hier ein Auszug aus dieser spannenden Kolumne:
"Der griechische Ministerpräsident Papandreou zeigt sich bußfertig und verspricht der EU-Kommission, das Haushaltsdefizit seiner Regierung bis 2012 von derzeit 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf unter 3,0 Prozent zurückzufahren. Wie es der Maastricht-Vertrag befiehlt. (...)
Aber kann auch nur ein intelligenter Mensch ernsthaft an die Verwirklichung dieser griechischen Absichtserklärungen glauben? Das griechische Haushaltsdefizit, in einem Jahrzehnt durch Lug und Trug entstanden, allein in diesem Rest-Jahr 2010 schon um 4,0 Prozentpunkte verringern! Und das in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise, gegen den massiven Widerstand der griechischen Bürger!
Nein, natürlich nicht, aber darum geht es auch gar nicht. Die eigentliche Botschaft in Richtung Finanzmärkte lautet: Die EU lässt Griechenland nicht hängen. Einen griechischen Staatsbankrott wird es nicht geben. Basta! Und damit sind die derzeitigen Risikoaufschläge von rund 4,0 Prozent für griechische Staatsanleihen verglichen mit soliden Staaten völlig überhöht.
(...) Man muss auch nicht, wie in diesen Tagen manche griechische Politiker, Adolf Hitler und den 2. Weltkrieg in Erinnerung bringen, um von bußbereiten Deutschen Geld einzufordern.
(...) Nein, wir müssen den Griechen helfen, weil wir uns selbst, genauer, die staatlich kontrollierten deutschen Kreditinstitute retten wollen.
(...) Um diese Verluste in den Bilanzen der Finanzinstitute zu verhindern, ist die Bundesregierung offenbar bereit, den Griechen zu helfen. Und macht sich damit zum Helden der griechischen Tragödie: Das, was verhindert werden soll, wird durch die Tat verursacht. Denn welches Land wird sich jetzt noch bemühen, die Kriterien von Maastricht einzuhalten, wenn die Griechen für jahrelangen Betrug und hemmungslose Schuldenpolitik im Nachhinein auch noch belohnt werden?
Mit 522 Mrd. Euro sind deutsche Banken und Versicherungen in Anleihen Spaniens, Portugals, Italiens und Irlands engagiert. Vermutlich werden wir in Kürze auch diesen Ländern beistehen müssen, um unsere eigenen Banken und Versicherungen zu retten. Am Ende werden wohl auch deutsche Staatspapiere ins Fadenkreuz der Spekulanten geraten und Hilfe von außen brauchen. Woher soll die dann kommen? Wohl kaum aus dem Euroland. Das ist dann abgebrannt. (...)
Die Eurogruppe steckt in einer verzweifelten Situation: Hilft sie den Griechen nicht, gerät der Euro innerhalb kürzester Zeit ins Rutschen. Hilft sie, lässt der Verfall etwas länger auf sich warten, wird dann aber umso schneller vonstattengehen. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera."
Zur Person:
Friedhelm Busch ist ein deutscher Wirtschaftsjournalist. Er war der erste Moderator der Telebörse, die zunächst bei Sat.1 ausgestrahlt wurde. In dieser Funktion war er somit auch der erste Fernsehjournalist überhaupt, der (live von der Frankfurter Börse) einer breiteren deutschen Öffentlichkeit werktäglich das Thema Börse, meist in launig-unterhaltsamer Weise, näherbrachte. Heute hat er bei NTV seine eigene KOlumne "Busch-Trommel". Hier schreibt er zweimal monatlich zu Börsenthemen. Zudem ist Busch auch Autor einiger Bücher zum Thema Börse und hält Vorträge zu Finanzthemen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Lotario (04.03. 2010 15:26 Uhr):
Als Friedhelm Busch damals bei MTV aufhörte, war mir sofort klar, daß die nie mehr einen so guten Wirtschafts-Moderator bekommen würden. Busch trommelt zwar heute noch, zweimal die Woche - , doch wer hört das schon in diesem Lande des überschalligen Mehrheitsgeschreis? Unser Hauptproblem scheint doch zu sein, daß die Stimmen der Vernunft, ohnehin zu leise und oft uch unterdrückt, immer unhörbarer werden!
Antworten - Kommentar von Detlef Dechant (04.03. 2010 16:28 Uhr):
Es ist doch gar nicht notwendig, dass die EU Griechenland hilft. Für die Rettung klammer Staaten ist der IWF viel besser geeignet. Und dass der es kann, hat er in der Vergangenheit auch schon bewiesen.
Antworten - Kommentar von Manfred Rummel (04.03. 2010 17:59 Uhr):
Deutsche Banken die in Griechenland Anleihen u.ä. laufen haben, sind selbst voll verantwortlich und nicht wieder der Deutsche Staat und damit wiederum der deutsche Steuerzahler.
Antworten - Kommentar von Rudi Gerth (05.03. 2010 01:04 Uhr):
Wenn Herr Busch dies alles so gut weiß, warum warnt er nicht früher vor solchen Ereignissen. Der Euro ist zwar derzeit schwach aber ist der Dollar wirklich stärker, bei diesem riesigen Schuldenberg der USA. Stehen wir nicht vor einem weltweiten Kollaps des gesamten Währungssystems? Wer soll diese Schulden jemals zurück zahlen?
Antworten - Kommentar von Rolf Welsch (05.03. 2010 12:46 Uhr):
Sehr geehrte Frau Bach, ich frage mich, aus welchen Gründen Sie einen derart läppischen Artikel verbreiten. Die oberflächliche beschreibung der jetzigen Situation wird in allen Medien bis zum Überdruß geschildert. Es wäre interessanter, sich ernsthaft mit der Frage zu befassen, obe es für den gesunden Fortbestand der Eurowährung nicht nur wünschens-wert sonder überlebensnotwendig wäre, dass alle wirtschaftlich schwachen Länder aus dem Verbund wieder ausscheiden. Noch nie hat irgendwo in der Welt eine Vereinigung derart unterschiedlicher Staaten funktioniert. Nicht einmal eine feste Kursverknüpfung einer Währung mit z. B. dem Dollart hat funktioniert. Jedes Land muß entsprechen seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sich über seinen Wechselkurs an die Gegebenheiten anpassen können. Das krampfhafte Festhalten an dem jetzigen Euroverbund wird unweigerlich ins Chaos führen. Eine Währung kann nur so stark seind, wie es sich aus dem Durchschnitt der Leistungsfähigkeit der Beteiligten ergibt. Mit dem Inkrafttreten des Maastrich-Vertrages 1993 begann der unaufhaltsame Abstieg Deutschlands. Daran ändern auch die regierungsfreundlichen oder besser gesagt die vom Tropf der Regierung abhängigen sogenannten Sachverständigen nichts. Ich möchte es damit bewenden lassen, obwohl gerade zu dem genannten Artikel noch viel Kritisches zu sagen wäre.. Herzliche Grüße Rolf Welsch
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