Worte der Woche: Gerechtigkeitshüter Obama
Cindy Bach in Insider Daily
vom 23. Oktober 2009, 14:30 Uhr
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er hat mal wieder knallhart durchgegriffen, der Mister "Friedensnobelpreis" Barack Obama. Für einen Präsidenten des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten völlig ungewohnt, schaltet sich Obama mit seiner staatlichen Macht ins freie Wirtschaftsgeschehen ein und lehrt uns damit verstehen, dass die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise nicht so ohne weiteres zu den Akten gelegt werden darf. Man kann nicht einfach weitermachen, als sei das alles nicht geschehen.
Deshalb macht die US-Regierung Nägel mit Köpfen: US-Präsident Barack Obama will die Gehälter und Boni von Topmanagern kürzen, deren Unternehmen Staatshilfen in Anspruch haben. Es geht dabei vor allem um die Großen wie die Bank of America, den Versicherungsgiganten AIG, die Citigroup, General Motors (GM) und Chrysler sowie deren beiden Finanztöchter. Das ist eine völlig neue Situation für das Land, wo den Unternehmen über Jahrzehnte hinweg bei allen Entscheidungen freie Hand gelassen wurde.
Der Grundsatz von einst, ist ins Wanken geraten: "Der Staat ist das Problem, nicht die Lösung". Mit diesem Satz, dieser Geisteshaltung gewann der Republikaner Ronald Reagan 1980 die Präsidentschaftswahlen. Damals waren die USA und der Kapitalismus noch scheinbar unerschütterliche Synonyme. Die reine Lehre der Marktwirtschaft war für die Regierung der Vereinigten Staaten Gesetz.
Gut 30 Jahre später ist alles anders: Diese reine Marktwirtschaft hat so manches Unternehmen an den Rand des Abgrunds getrieben und schlimmstenfalls sogar das Genick gebrochen. Oder vielmehr war es der Missbrauch dieser Freiheit. Denn wo Freiheit im wirtschaftlichen Handeln, da auch Autarkie für die Entwicklung von Geldgier.
Ein Riegel vor die Tür der Raffgier
Nun wird der Raffgier der Firmenlenker ein Riegel vorgeschoben. Einem Sprecher des US-Finanzministeriums zufolge kommen auf die Spitzenmanager Kürzungen ihrer Gesamtbezüge aus Boni und Gehältern um durchschnittlich mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Die auf Bankkonten überwiesenen Gehälter würden um mehr als 90 Prozent verringert und für mehr als 90 Prozent der betroffenen 175 Manager auf 500.000 Dollar pro Jahr begrenzt. Alle Gehalts- und Bonuszahlungen darüber hinaus gibt es nur als Firmenaktien, die frühestens ab 2011 und zum Teil nur über drei Jahre verteilt verkauft werden können - und das auch nur dann, wenn bis dahin die Regierungskredite zurückgezahlt worden sind.
Auch wenn in den Chefetagen der sieben "nominierten" US-Konzerne ob dieser massiven Regelungen so manches laute Wutschnauben zu hören sein wird, sie haben mit Kusshand die Milliarden aus Staatskassen genommen, damit ihr Stuhl nicht wackelt. Nun müssen sie damit leben, dass ihr Retter ihnen künftig horrende Managergehälter verwehrt. Es ist ganz sicher ein grundlegender und tiefer Einschnitt in die amerikanischer Wirtschaftsordnung, aber wohl auch eine notwendige.
Das sieht auch der Hamburger BWL-Professor Karl-Werner Hansmann so. Er liefert uns die Insider Daily "Worte der Woche" Im Hamburger Abendblatt wird er mit den Worten zitiert:
"Das Gezocke darf nicht wieder von vorne anfangen."
Und viele dürften ihm Recht geben. Bei einigen Banken und Versicherungen kassieren Topmanager inzwischen schon wieder mehr Geld als vor der Finanzkrise. Dabei waren noch vor wenigen Monaten hier Milliarden von Steuergeldern nötig, um das Unternehmen vor der Pleite zu bewahren. Deshalb werten viele Obamas Gesetzesinitiative auch als "richtigen Schritt zum richtigen Zeitpunkt". "Yes, you can, Mr. Obama."
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Ihre
Cindy Bach
P.S.: Noch ein wichtiger Mann der US-Wirtschaft hat sich in dieser Woche zu Wort gemeldet. Investmentlegende Warren Buffet ist der Auffassung, dass die US-Wirtschaft in der nahen Zukunft nicht zu ihrem alten Ruhm zurückkehren werde. Allerdings sei der Tiefpunkt bereits überwunden. Im letzen Jahr seien "enorme" Fortschritte erzielt worden. Das beherzte Einschreiten der US-Regierung sei der Schlüssel dafür gewesen, dass die US-Wirtschaft vor dem Absturz bewahrt wurde. In Bezug auf das Verbrauchervertrauen und die Ausgabebereitschaft der US-Konsumenten sei bereits eine deutliche Erholung zu verzeichnen.
Diese zuversichtliche Stimmung ist auch schon längst an den Aktienmärkten angekommen, vor allem in den USA. Die Märkte streben ohne merklichen Unterlass gen Norden. Die aktuelle Berichtssaison läuft glänzend und liefert den neuen Zündstoff. Lesen Sie zu diesem Thema nun einen spannenden Kommentar von meinem Kollegen Marcus Neugebauer vom TURNAROUND-BRIEF. Er verrät Ihnen, warum es sich jetzt lohnt, im Aktienmarkt investiert zu bleiben.