Worte der Woche: "Falsche Sonne“ über Siemens?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Dax 30
vom 31. Juli 2009, 14:30 Uhr
ENL5454
Auch meine "Worte der Woche" haben heute Siemens zum Thema. Im Kommentar "Wahlweise optimistisch" der Financial Times Deutschland wird Kritik geübt am Eitelsonnenschein-Gehabe deutscher Manager zu deren aktueller Geschäftlage, insbesondere von Siemens-Boss Peter Löscher. Der Schreiber stellt hierbei die grundsätzliche Frage: Wie kann es sich ein deutscher Vorzeigekonzern leisten, die Öffentlichkeit im Dunst der Verschleierung tappen zu lassen?
Wahlweise optimistisch"
"Es ist ein seltsamer Gegensatz: Obwohl die Wirtschaftskrise auch große Konzerne mit Gewalt trifft, scheint das Wort Stellenabbau in deren Sprachschatz gar nicht vorzukommen. Beispiel Siemens: Trotz dramatischer Auftragsrückgänge windet sich Vorstandschef Peter Löscher, um bloß kein neues Sparprogramm verkünden zu müssen. Siemens sei "voll auf Kurs" und werde sich "nach vorn gerichtet" aus einer "Position der Stärke" im Wettbewerb behaupten, frohlockt Löscher und demonstriert eine heile Siemens-Welt. Den Abbau von weltweit 1.600 Jobs, der am Donnerstag einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, hatte Siemens denn auch nur tröpfchenweise kommuniziert.
Der nahezu ungetrübte Optimismus, den Löscher und andere deutsche Topmanager dieser Tage zur Schau stellen, verträgt sich so gar nicht mit der Realität. Bei Siemens etwa sind die Aufträge im Industriegeschäft im abgelaufenen Quartal um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Vor allem die Bereiche, die als Zulieferer für die Autoindustrie fungieren, sind hart von der Krise getroffen und werden über kurz oder lang Überkapazitäten abbauen müssen. Schon jetzt ist jeder siebte Siemens-Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit.
Dieses Missverhältnis von tatsächlicher Lage und öffentlicher Kommunikation wird sich wahrscheinlich erst nach dem 27. September ändern. Wenn die Bundestagswahl gelaufen ist, können die Wahrheiten auf den Tisch. Das scheint die stille Übereinkunft von Regierung und Wirtschaft zu sein. Und das erwarten offenbar auch die meisten Ökonomen, die für den Herbst einen drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit voraussagen.
Da passt es ins Bild, dass Löscher ein gutes Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel pflegt. Zudem ist der Staat ein wichtiger Kunde für einen Infrastrukturanbieter wie Siemens.
Beschäftigten und Aktionären wird diese Hinhaltetaktik langfristig allerdings nichts bringen. Die Krise hat Siemens getroffen. Und ohne Schäden wird der Konzern sie nicht überstehen."