Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom
Sie haben's wieder geschafft. Angie und die übrigen Häuptlinge haben auch das durch die EZB seit letztem Dezember mühsam und teuer erarbeitete Vertrauen wieder komplett verspielt. Zugleich sind die Amis sauer, weil sie glauben, das wir ihre ebenfalls mühsam und teuer erarbeitete Konjunkturerholung abwürgen. Im ewigen Chaos der großartigen Dienstleistungsgesellschaften des "westlichen Modells" fragen sich eben jene Bewohner der westlichen Hemisphäre nicht zu Unrecht, worin sie überhaupt noch Vertrauen haben sollen.
Vertrauen in die Politik? Keine Chance?
Also, wenn der Spiegel Recht hat, dann wollen Angie und ihr Finanzhäuptling den ESM ja am liebsten gleich mit den Spaniern einweihen. Ich hoffe ja immer noch, dass sich der Spiegel irrt. Oder können die echt so blauäugig sein? Spanien als nächster Bailout-Kandidat? Oh super, dann können sie Italien bis Ende des Jahres den nächsten Platz einräumen. (Wie man hört soll es zwischendurch ja dann auch noch Zypern treffen.) Und dann? Können wir nur noch Wetten auf das Ende der Zone abschließen.
Ist Ihnen egal? Sollte es nicht, denn ganz ehrlich, das Ganze wird inklusive der fruchtlosen "Mit Geld lässt sich alles retten"-Versuche so teuer, dass Sie lieber schon mal über die Auswanderung nachdenken sollten. Abgesehen davon, dass eine hastige Rückkehr zur D-Mark (die dann massiv aufwertet... den Exportmarkt anknackst [aber sicher nicht killt, schließlich produzieren wir noch ziemlich hochqualitative Güter]...die Handelsbilanz, dank steigender Importe, aus dem Gleichgewicht bringt... worauf auf alles die Bundesbank mit Zinssenkungen reagiert...worauf die Sachwertpreise noch weiter steigen und wenn wir Pech haben landen wir dann in der nächsten Sachwert (vielleicht Immobilien?)-Blase...worauf die Bundesbank dann die Zinsen anhebt... und dann plötzlich jedem klar wird, wie überdimensional doch der deutsche Staat verschuldet ist..und am Ende könnten wir in 5-7 Jahren genauso aussehen wie die Spanier heute und würden uns freuen, wenn uns dann noch jemand rettet...OK, ziemliches Worst-Case-Szenario, aber nur weil wir es in der Vergangenheit mal besser als andere gemacht haben, heißt das nicht, dass das auch heute oder gar morgen der Fall ist), auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist.
Aber sei es drum, das Vertrauen in Europas politische Führung ist also mal wieder auf dem Tiefpunkt angelangt.
So sehr, dass der Ami-Häuptling uns schon die Schuld an seinem maroden Arbeitsmarkt gibt. (na ja zugegeben, ganz Unrecht hat er nicht, denn wir, also Europa, ist zurzeit der faule Apfel in der globalen Kiste...wir sind es, die das globale Wachstum beeinträchtigen...andererseits sollten die Amis auch vor der eigenen Tür kehren, denn dass sie so anfällig sind, liegt daran, dass es in deren Innerem auch schon lange fault).
So sehr ist das Vertrauen auf dem Tiefpunkt angelangt, dass die Emerging Markets schon ihre Euros verkaufen.
Vertrauen in Comics
So bleibt den Bewohnern von Abendland und Euroland und Amiland und was auch immer für ein "Wir sind die 1.Welt"-Land also nichts anderes mehr übrig, als ihr Heil in Sachwerten zu suchen.
Lustig finde ich nur, welche Sachwerte sich die Mitbürger dabei so aussuchen.
Zum Beispiel das hier:
Ein Unbekannter hat für eine Umschlagseite des Tim&Struppi-Comics (übrigens tolle Comics) „Tim in Amerika" rund 1,3 Millionen Euro bezahlt.
Oder das hier:
Der Pink Martian, ein rosa Diamant brachte in Hongkong rund 14 Millionen Euro ein - das Doppelte seines Schätzwertes.
Und auch hier:
In Amiland wurde eine 1-Cent-Kupfermünze aus dem Jahre 1792 für 1 Million US-Dollar versteigert. Allerdings existieren von der Probemünze noch weitere 13 Exemplare - zur Erklärung: in normalen Zeiten hätte das Bisschen Kupfer wohl nicht so viel eingebracht.
So viel zum Vertrauen der Menschen in Sachwerte und meinem Vertrauen in die Menschheit...
- Kommentar von Rudy
Ich bin schon vor 20 Jahren nach Asien ausgewandert weil ich die Ausbeutung der Arbeiter- u Mittelschicht satt hatte. Ich habe es nie bereut. Hier habe ich unbegrenzte unternehmerische Freiheiten, der Fiskus laesst einen mehr oder weniger in Ruhe, Die Lebenskosten sind niedrig und wie es sich heute zeigt, ist das Entwicklungspontential in Asien noch sehr hoch, also keine langen Gesichter und Frustration. Fuehle mich rundum wohl. Hier werden die Leute auch nicht vom Staat erhalten sondern muessen sich halt eine Arbeit suchen (auch meine Wenigkeit) wenn sie ein Einkommen haben wollen. Ich sehe nichts Falsches daran.
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