Worauf Sie beim Indexpoker achten müssen
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 14. Februar 2006 16:00 Uhr
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Viele Anleger haben sich im Terminkalender 4 Monate ganz dick angestrichen: März, Juni, September und Dezember. In diesen Monaten tagt der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse und entscheidet dabei über die Zusammensetzung der deutschen Aktienindizes. Gibt es Änderungen, können Sie als Anleger oft richtig gut verdienen.
25 % Plus in 2 Monaten durch Indexaufstieg
Beispielsweise 25 % mit der Hypo Real Estate in weniger als 2 Monaten. Wie Sie wissen, notiert der Münchner Immobilienfinanzierer seit Mitte Dezember anstelle der Hypovereinsbank im DAX. Die Hypovereinsbank musste den Index wegen der Übernahme durch die italienische Unicredito Italiano verlassen.
Nächstes Beispiel: Schlott. Ende 2004 stieg der Mediendienstleister in den SDAX auf. Nach Bekanntgabe des Indexaufstiegs legte die Aktie aus dem Stand 10 % zu und kletterte in den folgenden Wochen und Monaten weitere 30 % nach oben.
Und jetzt ist es am 3. März wieder soweit. Der Arbeitskreis Aktienindizes tagt und sorgt für Spannung und heiße Spekulation bei den Anlegern. Entschieden wird diesmal über die Zusammensetzung von MDAX, SDAX, TecDAX.
Im DAX erfolgt die Überprüfung erst wieder im September. Trotzdem ist es auch hier spannend. Denn neben der regulären Überprüfung auf Indexzugehörigkeit gibt es noch den sogenannten Fast Entry bzw. Fast Exit. Dazu aber später mehr.
Welche Firmen gute Chancen auf einen Indexaufstieg haben
Was entscheidet nun aber konkrete über die Zugehörigkeit zu einem Index? Warum klettern die Kurse nach dem Indexaufstieg?
Wichtig für die Zugehörigkeit in einem Index sind zwei Punkte: Der Börsenwert eines Unternehmens und das Handelsvolumen der Aktie.
1) Beim Börsenwert gilt seit Juni 2002 die Freefloat Gewichtung. Entscheidend für einen Auf- oder Abstieg in einen Index ist danach der Börsenwert eines Unternehmens und zwar nur bezogen auf die Aktien, die im Streubesitz sind. Aktienpakte von mehr als 5 % in der Hand eines Großaktionärs zählen nicht zum Freefloat. Bei Fonds und Vermögensverwaltern gilt eine Grenze von 25 %.
Um so weiter der Streubesitz steigt, um so größer wird damit auch die Gewichtung nach Freefloat. Und damit die Chance auf einen Indexplatz.
2) Das Handelsvolumen. Über die Aufnahme in einen Index entscheidet auch der Orderbuchumsatz der Aktie auf Xetra und dem Parketthandel in Frankurt.
Um so mehr Aktien an einem Tag gehandelt werden, um so besser.
Daneben gibt es noch weitere Voraussetzungen für einen Indexplatz: Das Unternehmen muß im Prime Standard gelistet sein, fortlaufend auf Xetra gehandelt werden und einen Mindestfreefloat von 5 % besitzen. In den DAX kommen übrigens nur Unternehmen mit Sitz in Deutschland.
Gibt es zum Beispiel Vorzugsaktien und Stammaktien von einem Unternehmen, dann kann jeweils nur die größere und liquidere Aktiengattung in einen Index aufgenommen werden. Viele Anleger spekulieren dabei oft erfolgreich auf die Zusammenlegung beider Gattungen und ein deutlich höheres Gewicht der neuen "einheitlichen" Aktie.
Worauf es beim Fast Exit ankommt
Wie oben erwähnt, gibt es 2 Arten von Indexänderung: Die reguläre und den Fast Exit bzw. Fast Entry. Bei diesen beiden fliegt ein Unternehmen aus einem Index bzw. steigt auf, wenn es einen bestimmten Rang beim Handelsvolumen und Börsenwert unter bzw. überschreitet.
Konkret gelten folgende Grenzen:
DAX: Fast Exit: 45/45. Ein Unternehmen fliegt aus dem DAX, wenn es bei Börsenumsatz oder Börsenwert schlechter als auf Platz 45 liegt. Fast Entry: 25/25: Aufstieg, wenn ein Unternehmen bei beiden besser als Rang 25 ist.
MDAX: Fast Exit: Börsenumsatz oder Börsenwert schlechter als Platz 75. Fast Entry: Börsenumsatz und Börsenwert besser als Rang 40.
TecDAX: Fast Exit: 45/45 Fast Entry: 25/25
Beim SDAX gibt es übrigens keinen Fast Exit/Entry.
Warum die Kurse nach dem Indexaufstieg zulegen
1) Fonds, die einen Index nachbilden, sogenannte "Indextracker", müssen alle Aktien im Index entsprechend dem jeweiligen Gewicht kaufen. Dadurch steigt bei einem neuen Mitglied sofort die Nachfrage nach der Aktie.
2) Mitglieder im Index werden von Analysten, Medien und Anlegern viel intensiver beobachtet, als Unternehmen, die in keinem Index sind. Dadurch bekommen die Firmen mehr Aufmerksamkeit, viel mehr Anleger kaufen die Aktie.
Fällt ein Unternehmen aus einem Index, muss deswegen der Aktienkurs aber nicht unbedingt darunter leiden. Kurzfristig kann es zwar nach unten gehen, wenn Fonds, die den Index nachbilden, aussteigen. Langfristig entscheidet aber doch der Geschäftserfolg.
Porsche ist so ein Fall. Vor 4 Jahren fiel das Unternehmen aus dem MDAX. Trotzdem hat sich der Kurs der Aktie seither verdoppelt.
Tipp:
1) Im Internet können Sie auf der Seite der Deutschen Börse die aktuellen Ranglisten ansehen: www.deutsche-boerse.de.
2) 2 Unternehmen könnten schon in Kürze in den MDAX aufsteigen: Praktiker und Vivacon. Praktiker belegt beim Börsenwert und Handelsvolumen die Plätze 43 bzw. 40. Vivacon liegt auf Rang 47 bzw. 31.
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