Worauf Sie bei Beteiligungsmodellen achten sollten
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 14. Juni 2005 16:00 Uhr
ENL5454
Vielleicht haben Sie vergangenes Jahr noch schnell eine Lebensversicherung abgeschlossen um sich die Steuervorteile aus dem Vertrag zu sichern. Denn seit 1. Januar sind ja bekanntlich Lebensversicherungen nicht mehr so attraktiv. Wird die Versicherungssumme vor dem 60. Geburtstag ausgezahlt, greift Vater Staat munter zu.
Damit haben Finanzminister Hans Eichel und seine Beamten in der Berliner Behörde ein weiteres Steuersparmodell gekappt.
Trotzdem: Steuerersparnis hin oder her: Beteiligungsmodelle verkaufen sich glänzend. Vergangenes Jahr lag das Neu-Volumen bei Schiffsbeteiligungen, Immobilien-, Windkraft- und Medienfonds oder Venture Capital bei rund 12,9 Milliarden € – der höchste Stand überhaupt.
Besonders gefragt waren dabei geschlossene Immobilienfonds mit einem Anteil von knapp 50 % und Schiffsbeteiligungen mit einem Anteil von rund 25 % am gesamten Marktvolumen. 2005 soll ähnlich gut laufen.
Grund für den Run auf die Modelle sind inzwischen weniger mögliche Steuervorteile, als hohe Renditen. So bietet beispielsweise der größte Anbieter in Deutschland, MPC Münchmeyer Petersen Capital, seinen Anlegern Nach-Steuer-Renditen meist im Bereich zwischen 7 und 10 %. Das ist 3 bis 4 mal so viel, wie etwa Bundesanleihen nach Steuern bringen.
Dabei gibt es insgesamt Dutzende wenn nicht Hunderte von Anbietern in Deutschland und ein Vielfaches an Produkten. Schwarze Schafe sind bestimmt einige darunter. Sie fragen sich bestimmt bei jedem Prospekt, den Sie im Briefkasten finden: Wie kann ich die Qualität der einzelnen Beteiligungsmodelle und -fonds beurteilen? Wie die Spreu vom Weizen trennen?
Das sollten Sie sich vor der Investition in Beteiligungsmodelle grundsätzlich fragen:
1) Passt das Beteiligungsmodell nach Art, Beteiligungssumme, Laufzeit und Risikoprofil überhaupt zu mir und meinem bereits vorhandenen Depot?
2) Wie steht es um die Erfahrung und Erfolge des Anbieters: Wie lange ist der Anbieter im Geschäft? Hält er die Prognosen ein? Gab es Misserfolge? Wie steht es um die Bonität des Initiators und die Haftung?
3) Wie sieht der Prospekt aus: Gibt es ausführliche Risikohinweise? Ist der Prospekt verständlich und umfangreich? Werden verschiedene Alternativen für die Renditeentwicklung vorgerechnet? Sind die Annahmen hinsichtlich Inflation und Fremdfinanzierungskosten realistisch?
4) Während der Laufzeit: Wie werde ich als Anleger informiert? Wie steht es um eine vorzeitige Kündigung?
Zuletzt sollten Sie auch auf die Kosten achten. Schwarze Schafe nehmen nicht selten 40 % und mehr des Fondsvolumens. Die Beteiligungen müssen dann schon fast 100 % an Wert zulegen, damit Sie überhaupt wieder auf Null sind! Verdient haben Sie dann noch nichts. Vergessen Sie nicht: Sie tragen das Risiko!
Tipp:
1) US-amerikanische Lebensversicherungsfonds müssen Sie nicht unbedingt kaufen. Hier spekulieren Sie häufig auf den frühen Tod der Versicherten. Die Prognostizierbarkeit für solche Fonds ist obendrein schwierig.
2) Wenn Sie am boomenden Markt bei Beteiligungen mitverdienen wollen, sind die Aktien von MPC interessant. Der Finanzdienstleister entwickelt vor allem Schiffsbeteiligungen und geschlossene Immobilienfonds. Das Geschäft brummt. In den vergangenen drei Jahren verdreifachten sich jeweils Umsatz und Gewinn. Das geschätzte KGV für 2005 von 11 ist günstig. Dazu kommt eine phantastische Dividendenrendite von 8,0 % auf Basis 2004.