Woran Sie Qualitäts-Aktien erkennen – Teil 4
Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 08. Februar 2007 17:00 Uhr
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NWD: Sie liegen mit ihrem Portfolio seit 1992 mit Plus 20,6 Prozent im Jahr ähnlich wie Buffet. Was sind die wichtigsten Tugenden eines Value Investors?
Georg Geiger: Geduld und Disziplin. Value-Investoren entdecken unterbewertete Aktien meist lange vor den anderen Börsianern. Es kann manchmal Jahre dauern, bis diese Unterbewertung vom breiten Markt erkannt wird und die Aktie steigt. Wegen des teilweise langen Anlagehorizonts verlieren viele Anleger die Geduld und wechseln die Strategie, beispielsweise hin zu Wachstumsaktien. Um die gute Performance von Value Investoren zu schaffen, muss man aber mittel- oder noch besser langfristig am Ball bleiben.
NWD: Wo finden Value Investoren die größten Schätze?
Georg Geiger: Wir werden oft bei Nebenwerten fündig. Der Grund dafür ist einfach. Institutionelle Investoren oder Analysten sehen sich Nebenwerte, vor allem die aus der dritten oder vierten Reihe, nicht regelmäßig oder nur sehr selten an. Nehmen Sie Hans Einhell. Obwohl das Management des Unternehmens bereits im Mai 2003 einen hohen Gewinn prognostiziert hatte, blieb der Kurs der Aktie völlig unberührt davon noch monatelang am Boden kleben. Eben genau deswegen, weil sich damals kaum ein Investor das Unternehmen vorgenommen hat.
Dabei bieten die kleineren Nebenwerte den Anlegern wegen ihrer teilweise phantastischen Umsatz- und Gewinnzuwächse große Chancen. Die großen Standardwerte können hier wegen ihrer hohen Ausgangsbasis kaum mithalten. Es ist doch viel einfacher, den Umsatz von 100 auf 200 Millionen Euro zu steigern als von 10 auf 20 Milliarden Euro.
NWD: Wie geht es in den nächsten Jahren an der Börse weiter?
Georg Geiger: Wir können sagen, ob eine Aktie billig oder teuer ist, dagegen nicht wie sich der Index konkret entwickeln wird. Ich gehe davon aus, dass die deutschen Nebenwerte von der Unternehmens-Steuerreform 2008 überproportional profitieren werden. Denn während viele Großkonzerne ganze Abteilungen mit Steuerfragen beschäftigen und aufgrund ausgetüftelter Strukturen ihre Gewinne im Ausland mit geringen Sätzen versteuern, zahlen kleine Unternehmen hierzulande den vollen Steuersatz. Fallen die Unternehmenssteuern wie angekündigt von knapp 40 auf unter 30 Prozent, dann wird der Gewinn dieser Firmen aus dem Stand um bis zu 15 Prozent nach oben springen. Wenn die Bewertungsrelationen, beispielsweise über das KGV, gleich bleiben, müssen die Kurse entsprechend zulegen.
NWD: Vielen Dank für das Gespräch.
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