Woran können Sie erkennen, dass die Stimmung zu bullish wird?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 11. Juli 2005 18:00 Uhr
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Das war übrigens die klassische "V- Erholung" im Dax, von der ich letztens (am 21.06.2005) geschrieben hatte. Das nur nebenbei.
Nun, der Dax steigt und steigt ... so langsam löst er sich von der 4600er Marke. Wie Sie wissen, hat diese Marke eine psychologische Schlüsselrolle. Wird sie nachhaltig überwunden, kann man davon ausgehen, dass die 5000er Marke erreicht wird. Das hat weniger fundamentale, als vielmehr psychologische Gründe (siehe Ausgabe von 15.06.2005). Natürlich hätte ich mir ein Ablösen von dieser Marke etwas dynamischer vorgestellt, aber man kann ja nicht alles haben (Teil 1).
Permabären werden bullish
Der Dax brutzelt lieber weiter und langsam vor sich hin, trotzdem werden mehr und mehr Menschen nervös. Tag für Tag erreichen mich Informationen, dass der und dieser Permabär nun ins Bullenlager gewechselt ist. Das führt dazu, dass erste Stimmen die um sich greifende Bullenstimmung als Alarmzeichen interpretieren. Aus antizyklischer Sicht sei das ein Anzeichen dafür, dass bald Schluss mit lustig ist.
Natürlich ist es ein Alarmzeichen, wenn auf einmal selbst die härtesten Bären im Bullenlager ankommen. Aber heißt das nun, dass dies das Ende der Rally ist?
Es gibt eine Frage, die Sie sich stellen müssen: Sind diese mutierten Bären auch schon alle völlig investiert? Natürlich nicht. Das kann man deutlich an den Rentenmärkten erkennen. Sicherheit ist immer noch Thema Nr. 1 in Deutschland. Solange die Bonds nicht dramatisch einbrechen, kann man relativ gelassen bullish bleiben. Denn dann spielen die Märkte Sicherheit.
Bondmärkte werden den Weg weisen
Wenn die Bondmärkte jedoch einbrechen und die Aktienmärkte gleichzeitig steigen, dann sollten Sie anfangen, vorsichtiger zu werden. Denn dann kommt es zu massiven Umschichtungen aus Sicherheit hin zu Aktien.
Aber selbst dann ist noch nicht unbedingt der Bullenmarkt zu Ende. Dann fehlt noch die Übertreibung, der blow off. Diese erkennen Sie daran, dass der Dax steil ansteigt, nahezu senkrecht. Wenn Sie sich das Gedaddel zurzeit anschauen, nein, das ist nicht wirklich eine "Übertreibung".
Also, dass nun immer mehr unserer geliebten Bärchen nach zwei Jahren Hausse an den Börsen ins Bullenlager kippen ist vielmehr erstes Anzeichen dafür, dass die Rally nun erst starten kann. Immer mehr Anleger werden anfangen, ihre Sicherheitsinvestitionen aufzulösen und das Geld nach und nach in Aktien investieren, um mit von der Partie zu sein.
Ohne die USA geht es nicht
So, das ist die Stimmungsindikation aus deutscher Sicht. Doch wie sieht es in den USA aus? Hier kam es seit Anfang des Jahres zu einer anständigen Konsolidierung, die nun durch den Anschlag bereinigt sein könnte. Sie merken, ich schreibe im Konjunktiv, denn aus börsentechnischer Sicht gefällt es mir nicht, das es zu keinem bereinigten Sell off (Ausverkauf) in den USA gekommen ist. "Man kann nicht alles haben! (TEIL 2)", so kann man sich die Welt zwar schön reden, aber dieser Umstand lässt mich vorsichtig werden.
Insgesamt sollte aber auch die Konsolidierung in den USA bald ihr Ende finden, indem neue Mehrjahreshochs ausgebildet werden. Wenn es dazu kommt und hier in Deutschland das Sicherheitsbedürfnis sinkt (auch durch den Anschlag bedingt, siehe Text vom Freitag), dann kann das eine hochbrisante Mischung werden.
Wenn nicht, ja wenn nicht irgendetwas Überraschendes passiert. Schon wird diskutiert, ob es am Weltjugendtag in Köln nicht zu einem Anschlag kommen könnte. Ich denke, wenn Terroristen einen Anschlag gezielt auf Jugendliche richten, dann werden sie auch in den eigenen Reihen, besonders unter den gemäßigteren Anhängern, viel Zustimmung verlieren. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass es dazu kommt.
Euro charttechnisch unssauber
Kommen wir zum Euro. Nun, dieser [ ...] (Schimpfwörter zensiert) Euro will aber auch so gar nicht das machen, was ich von ihm erwarte. Nach dem Bruch der 1,20 Dollar sollte eigentlich die 1,16/1,17 Dollar anstehen. Für mich ist das ein klares Zeichen. Wenn sich eine Aktie oder ein Index aus meiner Sicht charttechnisch unsauber verhält, dann lasse ich die Finger davon, und zwar so lange, bis ich wieder in den Charts eine "innere Logik" erkenne. Also wundern Sie sich nicht, wenn ich nun etwas weniger über den Euro schreibe.
Langfristig halte ich aber nach wie vor an meiner langen Seitwärtsbewegung des Euro/Dollar Verhältnisses fest. Anfang des Jahres bekam ich E-Mails, warum ich denn nicht einsehen wolle, dass der Dollar noch lange fallen werde, nun erhalte ich E-Mails, die mich auf die Probleme des Euros hinweisen. Zusammengefasst bestätigt mich das: Seitwärts! Nur die Range wird gerade festgelegt.
Der Euro hat sich nach der Wahl in Luxemburg wieder etwas stabilisiert. In Luxemburg hatten 56 % der Wähler für die EU-Verfassung gestimmt. Die positiven Vorzeichen im Euro sind jedoch weniger ein Zeichen der Freude, sondern vielmehr der Erleichterung. Wenn selbst in Luxemburg, einem Land, dessen Bürger sicherlich am deutlichsten von der EU profitieren, diese Verfassung nicht ratifiziert hätten, dann sähe es wirklich düster aus ...