Woran Emittenten verdienen

in Traders Daily
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*** Womit verdient ein Emittent von Zertifikaten und Optionsscheinen eigentlich sein Geld?

Da gibt es so einige Möglichkeiten!

Erstmal: Die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, die der Emittent stellt. Wird bekanntlich "Spread" genannt und ist eine Einnahmequelle.

Dann: "Finanzierungskosten", denn der Emittent hat Kapital gebunden. Diese führen z.B. bei Turbos dazu, dass der Emittent von Zeit zu Zeit Basispreis und Knock-Out-Barriere erhöht. Da sollten Sie drauf achten, diese beiden Werte sind also keineswegs statisch.

Dann: Managementgebühren. Die spielen insbesondere bei Aktienkörben, auf neudeutsch "Baskets" genannt, eine Rolle. Können von 0,5% bis 2,0% pro Jahr liegen.

Und: Einbehaltung von Dividenden. Das ist insbesondere bei Bonus-Zertifikaten auf Einzelaktien ein wichtiger Faktor. Auch bei Indizes ist es eine wichtige Einnahmequelle...und übrigens ein Grund dafür, warum Emittenten auf einen Index wie den Eurostoxx generell bessere Bonus-Zertifikate als auf den DAX anbieten. Denn: Beim Eurostoxx werden Dividenden nicht im Kursverlauf berücksichtigt, die kann der Emittent also für sich behalten.

Der DAX hingegen ist ein Performanceindex, da gehen Dividenden in den Kursverlauf ein. Wenn nun ein Emittent den DAX nachbildet, kann er nicht einfach die Dividenden behalten, da er dann eine schlechtere Performance als der DAX hinlegen würde.

Sonstige, eher kreativ geschaffene Möglichkeiten: So hatte z.B. die Landesbank Berlin (LBB) ein Vietnam-Zertifikat so konstruiert, dass die Cash-Quote zinslos bei dieser Bank gehalten werden muss. So kam diese Bank sehr günstig (nämlich zu 0,0%) an Kapital. Für mich wenig überraschend, dass dies - völlig legal - auch entsprechend genutzt wurde.

Fazit: Wir brauchen uns keine Sorgen machen, dass die Emittenten kein Geld mit Zertifikaten verdienen. Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass die Emittenten nicht "gegen die Käufer" setzen, sich also aus eigenem Interesse freuen würden, wenn die Käufer Verluste machen.

*** Es gibt eine Ausnahme: Turbos mit Knock-Out-Barriere, bei deren Erreichen der Schein wertlos verfällt. Da freut sich ein Emittent durchaus, wenn er mal eben den Kurs des Basiswertes auf die Knock-Out-Barriere drücken kann. Ich hatte dies unter "die magische Anziehungskraft der Knock-Out-Barriere" bereits einige Male geschildert und deshalb vor Scheinen mit sehr naher Knock-Out-Barriere generell abgeraten. Diese Warnung an Sie wiederhole ich hiermit.

Mit herzlichem Gruß!



Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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