Wohltätigkeitsveranstaltungen
Christopher Corbett in Baltimore in Traders Daily
vom 18. Oktober 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Ehe die ersten Einladungen zur ersten Wohltätigkeitsveranstaltung dieser Saison ankommen, wende ich mich dem Neuen Testament zu, in dem selbst die oberflächlichste Untersuchung zeigen wird, dass das gute Buch Anonymität und Bescheidenheit betont, wenn es um das Geben geht.
Als ich noch zur Schule ging, wurde uns erklärt, Paulus habe gesagt, dass sich hinter der Wohltätigkeit eine Vielzahl von Sünden verstecken würde. (Ein offensichtlicher Hinweis auf eine Wohltätigkeitsversteigerung.) Der Bibelgelehrte, den ich immer in meiner Nähe halte, erzählte mir, dass es in Wirklichkeit Petrus war, der das sagte. Soll mir auch Recht sein.
Ich habe die Bibel hinreichend gründlich geprüft, um zu wissen, dass es keine weiteren Referenzen auf Wohltätigkeitsversteigerungen in der King-James Ausgabe gibt. Aber eine biblische Wohltätigkeitsveranstaltung kann man sich ziemlich leicht ausmalen. „Die Frühjahrsferien am Toten Meer“, „Handsignierte Ausgabe der Zehn Gebote im Geschenkschuber“, „Ein Abendessen mit Jesus für Dich und drei Freunde“, „Familienmitglieder werden von den Toten erweckt.“ (Zu einem einvernehmlichen Termin)
Die Schirmherren gehen zu diesen Veranstaltungen, weil sie an einem bestimmte Form von Kausalität glauben – oder weil sie denken, dass es eine gute Sache ist, wenn sie hingehen. Sie klemmen sich an ihre neuen besten Freunde, um sie zu Partnern zu machen, wenn es um die Verhinderung des Baus einer Suppenküche in der eigenen Gegend geht.
Wie Gallien sind auch die Wohltätigkeitsveranstaltungen in drei Teile geteilt. Zuerst die Cocktails und die stille Versteigerung. Man kämpft sich seinen Weg durch eine Masse, die man eigentlich nur von britischen Fußballspielen kennt, um einen Plastikbecher Zinfandel oder ein Hors d’oeuvre zu ergattern: Geschmacklose Shrimps, kalte Hühnerleber eingewickelt in zu rohem Schinken, eine Nachbildung des Taj Mahal aus Schmierkäse. Na, macht es schon Spaß?
Danach kommt das gefürchtete Abendessen. Vulkanisierte Hühnerbrüste. Erbsen, die Wasser treten, Reispilaw. Ein typisches Buffet von einem Cateringservice. Massen von kostenlosem Tafelwein. Macht sie schön betrunken, dann werden sie schon etwas springen lassen. Und dann, magenkrank und verzweifelt, wird man mit der Versteigerung konfrontiert, immer geleitet von einer eiskalten Lady, die man sich bei Sotheby’s ausgeliehen hat (und die die Kusine von irgendwem ist). Ihre Verachtung für das, was hier vor sich geht, ist greifbar.
Und dann die Dinge, die man ersteigern kann. Tickets für zweifelhafte Theaterinszenierungen. Will irgendjemand zum Tennis? Eine einstündige Privatstunde bei den Tennisprofis Mel & Morty (Sind die überhaupt schon aus der Reha zurück?) Sitzplätze für das Symphonieorchester (Allerdings ohne Blick auf die Bühne oder an einem Super Bowl Sonntag). Zeug, das sich verdächtig so anhört, als hätte jemand mal wieder gründlich den Schrank mit den alten Geschenken ausgemistet. Nachgebildete Lebensmittel, eine Plastik-Gänselampe in Lebensgröße (Sollte beim Hochzeitsempfang wohl lustig aussehen), dreifüßige Beistelltischchen (hat irgendwer schon mal so einen Dreifuß gebraucht?) und man fragt sich: Wer kauft so was?
Die wichtigsten Worte, die auf der Spielanleitung des Programms zur Wohltätigkeitsveranstaltung stehen sind wohl: BITTE LESEN SIE DIESE ANLEITUNG SORGFÄLTIG. Oder wie sie bei der Beratungsstelle des Verbraucherschutzes sagen: „Wenn es zu gut scheint, um wahr zu sein, dann, ist es Quatsch.“ Äußerste Vorsicht sollte man walten lassen, wenn man Produkte ersteigert, von deren Wert es heißt, sie seien „unschätzbar!!!“ oder sie können „nicht für Geld gekauft!!!“ werden. Tatsächlich ist es sinnvoll, bei jedem Produkt, das mehr als drei Ausrufezeichen in der Liste aufweist, einfach weiter zu lesen. Ich will Ihnen einen Rat geben: „Wenn es für Geld nicht gekauft werden kann, dann wollen Sie es auch nicht.“
Seien Sie vorsichtig bei den Worten „einvernehmlich passender Termin“ – das soll heißen, „seien Sie auf der Hut.“ Tickets für Talk Shows. Hallo, die sind kostenlos. Sie schleppen die Obdachlosen rein und Leute, die Autos anbellen, nur um ein Publikum zu haben.
Saisonale Einschränkungen. Diese Hütte in Adirondack sieht doch auf den ersten Blick sehr hübsch aus. Dann blicke noch einmal hin, Kumpel. Im Mai – schwarze Fliegen in der Größe von Spatzen, September – Frostwarnungen, Oktober oder November – Jagdsaison, bleiben Sie dem Wald fern.
Alles was mit Ferienunterkünften zu tun hat, sollte sehr genau unter die Lupe genommen werden. Z.B. Eine Bergvilla in Peru. (Ich kenne tatsächlich jemanden, der darauf geboten hat.) Es klang exotisch, bis man die Preise für den Flug mit eingerechnet hatte. Ungefähr 4.000 Dollar pro Person. Und dann eine Cholera Epidemie. Und marxistische Banden die durch die Hügel streifen. Das ist ein bisschen zu exotisch, oder?
Skiurlaub im Frühjahr. Klingt gut, doch Moment... die Woche fällt nicht mit dem Frühjahrsferien der Kinder zusammen. Ferienwohnung frei. Mittwoch bis Mittwoch. 12 Betten. (Haben Sie je außerhalb der Filme von den 3 Stooges ein Schrankbett gesehen?)
Ein Mittagessen mit einer lokalen Berühmtheit. Lokale Berühmtheiten, das klingt nach einem Meteorologen vom Fach, nach einem stark alkoholkranken Kinderfernsehshow-Moderator im Ruhestand oder nach einem liederlichen Sternchen aus dem Lokalradio.
Magische Abende haben etwas mit eleganten Buffets zu tun, die von Amateurköchen zubereitet werden (Normalerweise sind es verschiedene unglückliche Paare, die bei der Versteigerung im Vorjahr den Kochkurs abbekommen haben.)
Die wahre Gefahr bei diesen Galas – oder besser gesagt, Feten, die schlimmer sind als der Tod – ist, dass es schwerer ist, da wieder raus zu kommen, als aus den Verträgen der Buchclubs. Wohnt man einer Wohltätigkeitsveranstaltung bei, steht man sofort auf der Liste. Für immer. Man erhält unerwünschte Post von engagierten Leuten aus der Gegend – von Frauen, die man sonst nicht kennt, die einen dazu verlocken sollen, auch andere Galas zu besuchen, die ihre Notizen mit „Muffin“, „Winky“ oder „Snooky“ unterzeichnen und grinsende Gesichter auf die Umschläge zeichnen. Es gibt einen Grund dafür, dass es heißt, Wohltätigkeit beginne zu Hause. Mein Rat: Bleiben Sie zu Hause. Oder Sie werden den Tag bereuen, an dem sie sich zum ersten Mal wünschten, sich für etwas zu engagieren.