Wohin gehen die Schulden?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 13. Februar 2006 18:00 Uhr
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Wohin geht das Geld? Werden Schulden, die nicht gezahlt werden können, einfach von den Bilanzbögen gestrichen, genauso einfach, wie sie einst darauf geschrieben wurden? Geht das Geld einfach in den Geldhimmel, wird es wieder zu der 'dünnen Luft', aus der die Fed es einst schuf?
Ich habe mich zuletzt gefragt, was es mit der Schuldenblase auf sich hat. Kann das Schuldenniveau ewig steigen? Und was passiert, wenn ein Schuldner nicht zahlen kann? Das tut doch niemandem weh, oder?
Mir tut der Kopf weh und mir schlottern die Knie, wenn ich nur daran denke. Selbst ohne zu denken, weiß ich, dass das nicht sein kann. Die Natur hat ihre Grenzen, ihre Strafen und ihre schmutzigen Tricks. Bei den Schulden weichen, wie beim Dollar, Qualität und Quantität stark voneinander ab. Je mehr Schulden ein Mensch hat, desto mehr muss er sich abmühen am Ball zu bleiben. Die Qualität der Schuldscheine sinkt. "Wird er wirklich in der Lage sein, für seine Verpflichtungen aufzukommen", fragen sich die Kreditgeber.
Logischerweise, wenn auch nicht immer, verlangen die Kreditgeber höhere Zinsen. Höhere Zinsen erhöhen das Gewicht der Schulden in der gesamten Wirtschaft. Ein Mann, der Geld leihen muss, um seinen Lebensstandard zu halten, muss die Schulden mit höheren Zinsen aufnehmen – wodurch er noch weniger in der Lage ist zu zahlen. An den Rändern beginnen die Schuldennehmer schon in die Knie zu gehen. Kredite werden nicht gezahlt. Konkursrichter und Konkursverwalter stellen neue Leute ein. Das erleben wir heute in Großbritannien und Amerika.
Doch abgesehen von den überlasteten Kreditnehmern, geht es irgendwem deswegen schlechter? Der Kredit wurde aus dünner Luft gezaubert ... kann er nicht auch genauso schmerzlos wieder verschwinden? Ach, nein!
Wenn ein Kreditgeber Millionen Dollar an einen Kreditnehmer austeilt, dann fühlen sich beide so, als hätten sie Geld zu verbrennen. Stellen sie sich vor, der Kreditnehmer macht eine exklusive Weltreise. Das Geld verschwindet nicht in dünner Luft. Es geht in die Kosten der Reise: Ins Flugbenzin, die die schicken Hotelzimmer, in das teuere Bier an der Bar. Es geht nicht in den Geldhimmel, sondern in die Erde, wo es verbraucht wird, und für immer verschwindet, wie der Kuss einer Liebhaberin oder eine gerauchte Zigarette. Doch es verschwindet nicht, ohne eine Spur zu hinterlassen. Man behält den bitteren Nachgeschmack und die Zigarettenkippen.
Zuerst macht der Kreditnehmer Pleite. Dann kommt der Kreditgeber und will sein Geld einsammeln und muss feststellen, dass auch er pleite ist. Und dann steht da noch irgendwo in Sri Lanka oder in San Martin ein Hotelbesitzer vor einem neuen Gebäudeflügel. Er fragt sich, was mit seinen Kunden los ist, die so freigiebig mit ihrem Geld um sich warfen und er fängt an sich zu fragen, wie er seine Hypothek bezahlen soll.
Während der Kreditzirkel seinem Ende entgegen geht, gibt es immer weniger Leute mit Geld in den Taschen und immer mehr Kapitalinvestitionen, die keinen Sinn mehr machen. Das Geld geht also, um es kurz zu machen, nicht in den Geldhimmel. Stattdessen wird es zu einer Stahlkugel an den Fesseln der Anleger, der Geschäftsleute und der Verbraucher ... eine Kugel, die sie jahrelang hinter sich herziehen werden. Es ist nicht nur so, dass die Kreditnehmer kein Geld mehr haben, dass sie ausgeben können, sondern auch der Hotelbesitzer hat sein Geld zum Fenster hinausgeworfen, weil keiner die schicken Zimmer haben will. Er wird also entweder sein eigenes Einkommen angreifen müssen oder er wird Pleite machen.
Betrügereien führen zu weiteren Betrügereien. Fehler zu weiteren Fehlern und der gesamte Zyklus beginnt zu jammern. Heute füttert das Scheingeld der Fed – aus dünner Luft geschaffen – die Scheinpreise der Immobilien, die zur Scheinnachfrage der Verbraucher führen und die Geschäftsleute in China dazu bringen, schlechte Kapitalinvestitionen zu machen. Wenn der Zyklus sein Ende erreicht hat, dann wird fast jeder den Schaden zu spüren bekommen, weil das seltsame Geld die wahren Ressourcen ersetzt hat – Öl, Arbeit, Stahl – die man vielleicht hätte besser verwenden können. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich liebe die Fed genauso wie jeder andere auch. In der Sowjetunion wurden die Ressourcen gewaltsam umverteilt. Im Imperium der Fed werden sie durch Betrug falsch umverteilt. Das ist ohne Zweifel ein großer Fortschritt, und außerdem ist es viel unterhaltsamer.