Woher sollen die steigenden Kurse im DAX noch kommen?
Sven Weisenhaus in Wave Daily zum Thema Dax 30
vom 23. August 2010, 13:00 Uhr
ENL5462
"Es hätte so schön sein können: Nach schwachem Beginn legt der Dax im Handelsverlauf kontinuierlich zu, doch am Nachmittag der Schock: Aus den USA kommen schwache Konjunkturdaten. Um den Arbeitsmarkt dort ist es schlechter bestellt als angenommen. Bis zum Handelsende verliert der Dax 1,8 Prozent."
So beschrieb das Handelsblatt die Situation im DAX von Donnerstag.
Konjunkturdaten sprengen zum Wochenschluss wichtige Unterstützungen
Zum einen stellten insgesamt 500 000 Menschen erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe. Das sind 12 000 mehr als in der Woche zuvor und so viele wie seit neun Monaten nicht mehr. Eigentlich betrachte ich diese wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe nicht so sehr, doch diese Zahlen waren schon ein (Negativ-)Ereignis, auch weil beim Vier-Wochen-Durchschnitt damit das höchste Niveau seit Dezember 2009 hingenommen werden musste.
Zum anderen sank das Industriebarometer für die mittlere Ostküste, der Philly-Fed-Index, im August auf minus 7,7 Punkte. Werte unter Null signalisieren bei diesem Frühindikator für das verarbeitende Gewerbe ein Schrumpfen der Industrieaktivität.
Aber auch der Philly-Fed-Index ist lediglich ein umfragebasierter Index. Jeden Monat werden zur Erhebung 250 Briefe an Unternehmen verschickt.
Die Konjunkturdaten befeuern aber die Angst vor dem "Double Dip" bzw. einem erneuten Abgleiten in die Rezession.
Datenlage konnte in der ganzen Woche kaum begeistern
Zuvor waren Mitte der Woche weitere Daten zur US-Konjunktur bekannt geworden, die ebenfalls nicht zu Jubelstürmen führten.
Die Baubeginne enttäuschten im Juli mit annualisiert 546.000, was nur leicht über dem von ursprünglich 549.000 auf 537.000 nach unten revidierten Vormonatswert lag. Erwartet wurden aber 560.000.
Die mehr auf die Zukunft bezogenen Baugenehmigungen blieben mit 580.000 (annualisiert) auf nahezu unverändert niedrigem Niveau.
Aber es gab auch leicht Positives zu vermelden
Immerhin stieg die US-Industrieproduktion im Juli um 1,0 % gegenüber dem Vormonat und konnte die die Erwartungen von plus 0,6% übertreffen.
Die Kapazitätsauslastung erhöhte sich auf 74,8 % (Juni: 74,1 %).
Der Preisdruck bleibt niedrig. So stiegen die Produzentenpreise im Juli nur moderat um 0,2 % gegenüber dem Vormonat (Kernrate: 0,3 %).
"Nummer 114 macht dicht"
Und heute morgen lese ich gleich die nächste schlechte Nachricht aus Übersee, dass dort das Bankensterben weiter geht. So titelt das Handelsblatt "Nummer 114 macht dicht" und berichtet, dass die US-Finanzaufsicht eine große Genossenschaftsbank in Chicago geschlossen hat. "Die ShoreBank hatte 2,2 Mrd. Dollar an Assets in den Büchern. Das Institut war ins Schlingern geraten, weil seine einkommensschwachen Kunden besonders hart von der Rezession getroffen wurden."
Insider werden pessimistischer
Zur Vorsicht mahnt, dass die Top-Manager pessimistischer werden. Dies ist eigentlich meist ein recht verlässliches Zeichen für schwächere Kurse, denn wer kennt die eigenen Unternehmen besser als die Lenker?!
Das Verkaufsvolumen der Top-Manger hat sich in der vergangenen Woche verdoppelt, während das Kaufvolumen unterdurchschnittlich war. Als Folge sank das Insider Barometer, welches vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der RWTH Aachen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Wealth Management berechnet wird, deutlich.
Auch dies nur ein Indikator unter vielen.
Woher sollen die steigenden Kurse noch kommen?
Wenn Sie sich fragen, warum ich trotz der miesen Daten aus Übersee noch von steigenden Kursen ausgegangen bin, bedenken Sie, dass die Börse die zukünftige Entwicklung vorweg nimmt. So könnte die Seitwärtsbewegung im DAX und die schwachen Kurse an der Wall Street eine Stagnation der US-Wirtschaft bereits abgebildet haben. Zeichnen sich nun in Kürze wieder bessere Daten ab, so könnte der DAX schnell eine wirtschaftliche Erholung einpreisen und den Ausbruch doch noch nach oben vollziehen. So zeigen zum Beispiel die US-Frühindikatoren bereits zum zweiten Mal in Folge leicht nach oben und sind im Juli gegenüber dem Vormonat leicht um 0,1 Prozent gestiegen. Die Frühindikatoren spiegeln den Ausblick für die US-Wirtschaft in den kommenden drei bis sechs Monaten wider.
Wenn DIESE Gelder den Weg zurück an den Aktienmarkt finden...
Ein weiterer Aspekt spricht ebenfalls für den Aktienmarkt und bald steigende Kurse:
Die deutsche Umlaufrendite hat mit 1,97 % ein neues und damit auch historisches Rekordtief erreicht. 5-jährige deutsche Anleihen rentieren mit 1,30 %. 10-jährige deutsche Anleihen mit nur noch 2,27 %. Ich frage mich, warum weiterhin Geld in diese (vermeintlich sicheren) Anlagen fließt. Festverzinsliche Anleihen mit guter Bonität bringen kaum Rendite. Parallel liegen große Beträge auf ebenfalls gering verzinsten Tages- und Festgeldkonten.
Wenn DIESE Gelder den Weg zurück an den Aktienmarkt finden...
Bullisches Gefühl stark angekratzt
Nach den Kurs-Entwicklungen am Donnerstag und Freitag ist aber auch mein bullisches Gefühl umgeschlagen. Dies hatte sich in meinen letzten Beiträgen schon angedeutet und niedergeschlagen, in denen ich mehr und mehr warnende Worte einfließen ließ. Doch von den eigenen Gefühlen sollte man sich nicht lenken lassen. Und so müssen wir nun einen Blick auf die Charts werfen um zu sehen, wie viel Porzellan inzwischen zerbrochen wurde.
Wie gut, dass es die Charttechnik gibt
Bei all den schlechten Nachrichten und den zuletzt schwachen Kursen im DAX inkl. dem Bruch wichtiger Unterstützungen muss man schon sehr sachlich bleiben, um nicht unnötig alles in Panik aus dem Depot zu schmeißen. Wie gut, dass es noch die Charttechnik gibt, mit deren Hilfe wir vielleicht noch ein anderes Bild der aktuellen Situation gewinnen können.
Artikel weiterempfehlen