Wochenrückblick: Devisen und aktueller Brennpunkt Europa
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 9. September 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Lesen Sie hierzu folgende Auszüge aus meinen Beiträgen im Devisen-Monitor vom 07.09 und 09.09.2011:
07.09.2011
"EUR/CHF: nach SNB-Entscheid
Die Schweizer Nationalbank hat es getan: mit der Festlegung einer Untergrenze bei 1,20 im EUR/CHF lässt sie die Muskeln spielen, wie keine andere Notenbank. Beleuchten wir das Vorgehen und die Auswirkungen.
Warum das Vorgehen der SNB als Zeichen der Stärke zu werten ist
Zunächst einmal kommt die Festlegung der Untergrenze der Schweizer Wirtschaft zugute. Diese leidet unter dem starken Franken. Der springende Punkt ist jedoch, dass für eine in hohem Maße wettbewerbsfähige Wirtschaft, wie die der Schweiz in erster Linie mittel-bis langfristig nicht das absolute Kurslevel ausschlaggebend ist, sondern die Schwankungsdynamik. Mit einer Untergrenze bietet sich der Schweizer Wirtschaft nun die Möglichkeit sich an das neue Level anzupassen und ein Gutteil der Unsicherheiten auszumerzen. Mittel-bis langfristig dürfte es dabei nur eine geringe Rolle spielen, dass der Franken momentan bei 1,20 EUR/CHF nach wie vor überbewertet ist, gegenüber dem Euro.
Besonders wichtig aber ist, dass das Vorgehen der SNB vom Markt derzeit als Zeichen der Stärke gewertet wird, die Nationalbank somit (wieder) großes Vertrauen genießt. Dies lässt sich daran ablesen, dass die extreme Dynamik sich erst einmal aus dem Franken verabschiedet hat. Die Volatilitäten haben sich gestern auf einen Schlag fast halbiert. Etwas besseres hätte der SNB gar nicht passieren können, denn es lässt darauf schließen, dass sie bislang noch nicht einmal besonders viel Geld in die Hand nehmen muss, um die Untergrenze zu garantieren. Und schließlich wird eine Notenbank, die großes Vertrauen genießt, weniger stark vom Markt herausgefordert werden, als eine als schwach empfundene Notenbank. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die SNB ihr Vorhaben über die kommenden Wochen, noch ohne großen Aufwand verwirklichen kann.
Die Auswirkungen
Natürlich bestehen für die SNB auch Risiken. Während der letzten Aktion ähnlicher Art 1978 stieg die Teuerungsrate in der Schweiz innerhalb eines Jahres um 4 Prozentpunkte an. Doch aktuell hat es die Schweiz noch mit deflationären Tendenzen zu tun, so dass eine geringe Inflation durchaus wünschenswert ist. Der tatsächliche Anstieg der Teuerungsraten wird aber vornehmlich darauf ankommen, wie stark sich die SNB künftig engagieren wird müssen, um die Untergrenze zu verteidigen und ob eine Ausweitung der Bilanz vonnöten sein wird. Dies wird insbesondere auch von der weiteren Entwicklung in der Eurozone abhängig bleiben, bzw. davon, ob sich die Gefahren eines möglichen Zusammenbruchs der Eurozone noch deutlich verschärfen oder nicht."
Überdies sind noch weitere Auswirkungen zu beobachten: unter anderem, dass nun andere Sichere Hafen-Währungen, wie die Schwedische Krone, anstelle des Schweizer Frankens, profitieren. Eine Entwicklung die sicher noch Bestand haben wird, auch in Bezug auf andere alternative Sichere Häfen.
09.09.2011
"EUR/USD: die griechische Tragödie
EUR/USD hat sein breites Seitwärtsband nach unten verlassen. Die Risiken in der Eurozone scheinen von Tag zu Tag zu zu nehmen und die Wetten auf einen griechischen Zahlungsverzug steigen.
Warnungen und Mahnungen
Die Griechen werden ihr Defizitziel nicht so schnell erreichen, das dürfte allen klar sein. Aber der Ton von Seiten der Geberländer wird zunehmend schärfer. Deutsche und niederländische Offizielle liebäugeln mittlerweile sogar öffentlich mit dem Austritt des Landes aus der Eurozone.
Zumindest schließt der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager einen solchen nicht mehr aus, wenn das Land weiterhin die Bedingungen der Geber nicht erfüllen sollte. Auch von deutscher Seite prescht man verbal in diese Richtung vor. FDP-Fraktionschef Brüderle, will "die Griechen vom Platz stellen, wenn die sich nicht an die Spielregeln halten". Auch SPD-Chef Gabriel ist sich sicher, dass "Griechenland nur Hilfe erhalten kann, wenn es seine Zusagen einhält". Und der Bundesfinanzminister hält es überhaupt für verfrüht, jetzt über ein weiteres Hilfsprogramm zu diskutieren.
Oh, oh, es kokelt nicht mehr nur, es hat schon längst angefangen zu brennen, in der Eurozone.
Dennoch oder gerade deshalb ist es äußerst fraglich, ob ein Austritt Griechenlands tatsächlich schon zur Debatte steht. Aus den politischen Handlungen der Vergangenheit ließe sich viel eher darauf schließen, dass die nächste Hilfstranche dennoch nach Griechenland fließen wird - und sei es auch nur um den europäischen Brand erneut ein wenig zurück zu drängen. (bzw. die möglichen Gefahren eines durch den Ausschluss verursachten Flächenbrands [schließlich bestünde beim Ausschluss eines Landes, auch die Möglichkeit weitere Länder auszuschließen, zumal wenn diese in der Folge über Verhältnis von den Märkten heraus gefordert werden], mit der dann folgenden Erschütterung durch eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise, einzudämmen.)
Dennoch ist Vorsicht geboten, denn einerseits werden die europäischen Geberländer auch mit noch so schweren Drohungen die grundlegende Problematik in Griechenland nicht verbessern können (selbst wenn sie den Griechen, wie schon beim letzten Mal, jetzt eine Reihe weiterer Zugeständnisse aus den Rippen pressen) und andererseits verkommt die Politik, bei immer nur wiederkehrenden Drohungen (und zwar jedes Mal wenn wieder eine Griechen-Tranche ansteht) zu einem noch erbärmlicheren Possenspiel, als wir es derzeit schon erleben.
Unter dem politischen Possenspiel, leidet insbesondere der Euro...
...der mittlerweile seine breite Seitwärtsrange im EUR/USD derb nach unten durchbrochen hat. Die gestrigen Kommentare seitens der deutschen und niederländischen Politiker, schoben das Währungspaar gestern erstmals wieder auf unter 1,3900. Und auch heute geht es weiter nach unten. Das Tief heute Vormittag lag bei 1,3787. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3815." Dies war heute Vormittag, doch...
Aktuell...im Brennpunkt Europa...
...geht es weiter runter mit EUR/USD, der zwischenzeitlich heute schon den Widerstandsbereich bei 1,3628 testete und aktuell bei 1,3667 notiert.
Dafür sorgt, dass die gegenwärtige Phase der Eurozonen-Probleme immer heißer zu werden droht. Gerüchte um eine mögliche Umschuldung Griechenlands werden immer lauter. Kanzlerin Merkel macht bereits Pläne um die Banken vor einem Default abzusichern. Ebenfalls dürfte auch der heutige Rücktritt von EZB-Mitglied Jürgen Stark für Unruhe an den Finanzmärkten sorgen.
Da hilft wohl auch der 447 Milliarden USD schwere Konjunkturplan von US-Präsident Obama, zur Anschiebung des Arbeitsmarktes nichts, die Märkte haben Angst vor einer Wiederholung des Lehman-Fehlers - nur diesmal in Form der griechischen Tragödie.
So long liebe Leser....damit verabschiede ich mich für heute...bleiben Sie wachsam am Wochenende...wer weiß was da noch kommen mag...na ja, vielleicht auch gar nichts...ich wünsche Ihnen aber in jedem Fall ein stressfreies Wochenende und wir lesen uns am Montag wieder, entweder mit dem Rohstoffe Wochenrückblick oder (falls es akut brennen sollte in Euroland) mit Neuigkeiten vom Brandherd...liebe Grüße und bis Montag...
Ihre Miriam Kraus
P.S.: Und dann möchte ich Sie zum Abschluss noch einmal auf die Themenliste aufmerksam machen. Falls Sie noch nicht dazu gekommen sind, mir Ihre Themenwünsche mitzuteilen, dies aber gerne tun würden, dann haben Sie noch bis Ende dieser Woche Zeit dazu. Ab dann wird die Themenliste dann leider geschlossen. Ich hänge deshalb noch einmal den entsprechenden Beitrag vom letzten Freitag als 3.Teil hinten an.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von wyss (10.09. 2011 17:01 Uhr):
ich bin mir da nicht so sicher ob es überhaupt noch sichere hafen währungen gibt. die nationalbanken arbeiten weltweit an der demontierung des finanzsystems zusammen. mit inflationierung schulden eliminieren. das ist nicht neu. alles schon gehabt aber nicht in diesem globalen ausmass. das wahre geld ist heute gold und nichts anderes. gruss h. wyss
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