Wo wollen Gold und Silber hin?
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Silber als Geldanlage
vom 9. April 2010, 17:00 Uhr
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Herr E.T. hatte mich kürzlich um meine Einschätzung zu den Edelmetallen gebeten: "Frau Knauer, wie sehen Sie dieses Jahr die Situation beim Gold? Viele Analysten sprechen von Jahresendpreisen um die 1500 Dollar die Unze. Klar, niemand kann voraussehen, was wirtschaftlich und politisch noch passieren wird, aber die Finanzkrise ist noch bei Weitem nicht ausgestanden. Wie stehen Sie zu den Edelmetallen Gold und Silber?"
Ich hatte diese Frage damals etwas zurückgestellt, denn in der Seitwärtsbewegung der beiden Edelmetalle, die uns seit einiger Zeit gefangen hielt, hatte ich die (begrenzte) Zeit erst einmal für die Fragen nach den "Seltenen Erden" und Arafura genutzt. Doch jetzt ergibt sich mit dem Ausbruch der Rohstoffe aus der Konsolidierung der vergangenen Monate natürlich kurzfristig eine neue Situation, wie bereits am Dienstag erwähnt.
Der Zeitrahmen entscheidet über die konkrete Einschätzung
Bei der Frage, wie ich zu Gold und Silber stehe, kommt es selbstverständlich immer auf den Zeitrahmen an. Meine Einschätzung kann kurzfristig ganz anders ausfallen als auf längere Sicht. Und es ist zu differenzieren: Silber gilt zwar als der kleine Bruder des Goldes, doch ob es dieses unter- oder überperformt, kommt immer auf die wirtschaftliche Umgebung an. Daher werde ich es hier getrennt betrachten.
Zinsen und Inflationsentwicklung spielen eine wichtige Rolle
Prinzipiell bin ich so lange bullish für Gold, wie die Zinsen langfristiger Anleihen nicht merklich schneller steigen als die Inflationsrate. Dieser Indikator hat sich in der Vergangenheit als "Trendbestätiger" bewährt. Negativ für die Entwicklung des Goldpreises kann sich in diesem Sinne auch eine deflationäre Entwicklung auswirken, wenn die Zinsen nur langsamer nachlaufen, wie wir es 2008 erlebt haben. Immer dann lohnt es sich für Anleger prinzipiell, Zinsanlagen gegenüber Gold zu bevorzugen.
Der Markt ist noch lange nicht gesättigt
Dazu kommt die psychologische Komponente: Gold hat sich als ein Wertbewahrungsmittel stabiler erwiesen als jedes bisher existierende Geld. Solange wir täglich mit den Nachrichten über drohende Staatsbankrotte, Abwertungswettläufe der Hauptwährungen und ähnlichen Problemen konfrontiert werden, wird Gold weiter in der Gunst der Anleger steigen, nennenswerte Summen hier in Sicherheit gebracht werden.
Das konnten wir auf kurzfristiger Ebene vor Ostern gut beobachten, als Spekulanten angesichts des langen Wochenendes Positionen auflösten und die Gelder im Gold parkten! Als während der Tage nichts dramatisches passierte, schichteten diese am Montag und Dienstag wieder in riskantere Anlagen um.
Eine Sättigung hat sich in dieser Hinsicht in der Vergangenheit meist erst dann gezeigt, wenn die Probleme gelöst wurden (womit leider noch längere Zeit nicht gerechnet werden kann) oder 5-10% der Anlegergelder im Goldmarkt geparkt waren. Zwar steigt inzwischen das Interesse der Öffentlichkeit am Goldmarkt, doch von diesen Dimensionen sind wir noch sehr weit entfernt. Schätzungen rechnen derzeit erst mit 1-2% der Anlegergelder, die im Gold investiert sind.
Zielmarken mag ich nicht besonders
Herr T., Sie fragen auch nach einer möglichen Zielmarke, die Gold in absehbarer Zeit erreichen kann. Diese Frage mag ich gar nicht so gern. Denn die Antwort hängt von sehr, sehr vielen Parametern ab, die sich im Verlauf eines Jahres verändern. Selten landen daher Analysten mit solchen Prognosen Punktlandungen. Und wenn, ist immer ein Stückchen Glück dabei.
Viel wichtiger ist es, die generelle Richtung zu erkennen. Und das ist schwierig genug, wie immer wieder zu beobachten ist! Dann können Sie mitschwimmen, so lange ein Trend läuft. Wenn er sich nicht mehr in Ihre Richtung bewegt, ist es für Ihre Gesamtperformance viel entscheidender, diesen Trendwechsel zu erkennen und richtig zu reagieren, als dass vorher ein bestimmtes Kursziel erreicht worden wäre.
Investieren Sie für verschiedene Zeitebenen optimiert
Natürlich sind das nicht alle Faktoren, die den Goldpreis beeinflussen. Ich werde Ihnen in der kommenden Woche noch einige interessante Indikatoren zeigen, die Sie sehr einfach nutzen können, um das kurzfristigere Timing zu optimieren. Denn generell würde ich bei den Edelmetallen immer verschiedene Positionen eingehen, die auf Zweck und Haltedauer optimiert sind: Einige Münzen und Barren für den Notfall, sichere ETFs als Basis, währungsgeschützte Zertifikate als Ergänzung, möglicherweise Bonuskonstruktionen für Seitwärtsphasen und für eine kurzfristige Rallye natürlich Hebelprodukte (die Sie im Falle von Korrekturen auch per Put als Absicherung von Basispositionen nutzen können).
Ein guter Börsenbrief hilft Ihnen bei der Optimierung dieser Strategie. So hält z.B. Kollege Michael Vaupel in seinen "Rohstoff Signalen" praktisch nie nur eine einzige Gold-Position im Depot, sondern fährt hier fast immer erfolgreich mehrgleisig.
Mit diesen einleitenden Betrachtungen zum edlen Metall wünsche ich Ihnen ein goldiges Frühlingswochenende. In der nächsten Ausgabe werden wir zu diesem Thema noch weiter ins Detail gehen. Genießen Sie jedoch jetzt noch einmal die Ruhe der freien Tage, bevor in der kommenden Woche schon wieder die neue Berichtssaison für die Quartalsergebnisse in den USA beginnt. Herzliche Grüße
Ihre Daniela Knauer
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