Wo war doch gleich das Wachstum? Europäische Konjunkturdaten

Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Weitere Börsenthemen
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von Ronald Gehrt

Mit dem Argument, solange die US-Daten nicht schlecht sind, sind die europäischen Konjunkturdaten egal, übersieht man momentan die immer schwächer werdenden Konjunkturdaten aus Deutschland und der Eurozone. Man übersieht gleich mit, dass die US-Daten ja auch grausam sind ... aber da greift dann einfach Begründung „B“: Wenn die US-Daten schlecht sind, ist das ja gut, denn das bedeutet Zinssenkungen, und dann sind die Daten schnell wieder besser. Da ich – siehe oben – ohnehin nervlich instabil durch diesen Tag gehe werde ich mich einer Kommentierung ob der tief dringenden Cleverness dieser Argumentation enthalten.


Aber es sei angemerkt, dass man noch vor ein paar Wochen umherzog und deklamierte, dass die US-Daten kein Argument seien, da das Wachstum in Europa schon lange nicht mehr so sehr von den USA abhängen würde. Ich sage: Ein wenig weniger langt auch für Probleme. Und selbst wenn es gar keine Abhängigkeit geben würde ... macht das die schlechten Daten aus Europa, die wir auf einmal auf den Tisch kriegen, damit besser?

Und dann stellen Sie sich mal dieses – für Bullen natürlich absurde – Szenario vor: Eine größere Anzahl an Marktteilnehmern wie jetzt (also ich, Sie und dann ab sofort noch welche) nehmen diese Daten wahr und schlagen die mentale Brücke, dass schlechte Konjunktur hier und in den USA ganz vielleicht eventuell irgendwie eine Auswirkung auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung der deutschen Unternehmen haben könnte ... und somit gesenkte Gewinnerwartungen, wie am Freitag bei Merck, auch bei weiteren Aktien auftreten könnten ... inklusive der Reaktion der Kurse? Nicht zuletzt, weil man die Aktien ja nur deswegen dauernd als „billig“ feilbietet, weil man die Gewinnsteigerungen der letzten Jahre einfach auf die Zukunft fortgeschrieben hatte? Hu, grauslicher Gedanke ... und ein Szenario, das ich seit Monaten kommen sehe.

Aber zunächst mal zu den „übersehenen“ Daten:

Die Daten aus Europa: lausig

Zunächst ignorierten die Marktteilnehmer frohgemut die Daten zum deutschen Einzelhandelsumsatz im August. Der fiel um –1,2% und damit mehr als erwartet. Im Juli war es bereits um –0,9% nach unten gegangen.

Weiterhin wurde genauestens nicht zur Kenntnis genommen:

Das Verbrauchervertrauen in der Eurozone fiel auf –5 im August (Prognose war –4 nach –4 im Juli).

Der Eurozone-Geschäftsklimaindex für September rutschte auf 1,09 nach 1,37 im August ab.

Die Schätzung des EU-Verbraucherpreisanstiegs für September beträgt als Jahresrate +2,1% nach noch +1,7% im August.

Ist das ermutigend? Na ja, wenn man nicht hinsieht, ist es ja egal ... haha. Ich werde hier für Sie in Zukunft regelmäßig hinschauen!

Die US-Daten: Weniger übel als üblich ...

Aus den USA hingegen kamen am Freitag allen Ernstes Konjunkturdaten, die teilweise sogar über den Erwartungen lagen. Ein seltenes Geschenk ... und es wird wohl auch nicht allzu oft auftauchen.

Die persönlichen Einnahmen der US-Bürger im August lagen bei +0,3% (Prognose +0,4%, Vormonat +0,5%). Die persönlichen Ausgaben hingegen lagen bei +0,6% (Prognose +0,4%, Vormonat +0,4%).

Das bedeutet mal wieder eine negative Bilanz zwischen bekommen und ausgeben und ist so eigentlich nicht zu begrüßen. Aber hier ist den Amerikanern das Hemd näher als die Hose: Wer mehr ausgibt als er hat, hält den für die USA lebenswichtigen Konsum brav am Leben. Und wer die Schulden irgendwann mal zurückzahlen soll, ist das Problem folgender Generationen ... nach uns die Sintflut.

Der so genannte PCE-Kerndeflator, der die Kerninflation sehr genau darstellt (Kern heißt hier: alles was teurer wird, wird rausgerechnet, haha) ist wie erwartet und wie in den letzten Monaten immer brav um nur +0,1% im August gestiegen. Was anderes hätte man erwarten wollen? Eben.

Der Chicagoer Einkaufsmanager-Index für September lag bei 54,2 nach 53,8 im August. Das bewirkte kaum Reaktionen, die Erwartungen lagen im Bereich zwischen 53 und 55.

Die Bauausgaben im August sind wider Erwarten um +0,2% gestiegen (Erwartung war –0,1 bis –0,2%). Der Juli wurde dafür von zuvor –0,4% auf –0,5% nach unten korrigiert. Erstaunlich bei den ansonsten durchweg schwachen Daten aus dem Baubereich ... aber wie im Vorfeld schon unterstrichen, taugen diese Daten nicht viel.

Interessanter da die Daten zum Verbrauchervertrauen, erhoben von der Uni Michigan. Trotz wieder anziehender Börsenkurse scheint sich die Laune der US-Bürger nicht zu verbessern. Der endgültige Wert für September lag bei 83,4, ein leichtes Minus gegenüber dem vorherigen Wert von 83,8.

Wie bereits oft betont darf man aus diesen Daten nie herauslesen, dass die US-Bürger sich so verhalten werden wie diese Daten suggerieren – weder bei anziehenden noch bei fallenden Werten. Doch angesichts der steigenden Börsen, die eigentlich für die US-Daten im Bereich Verbrauchervertrauen eine relativ große Rolle spielen, ist es doch erstaunlich, dass sie Laune sich nicht hebt!

PS: Die Übersicht über die Daten dieser Woche folgt morgen. Heute steht um 16:00 Uhr der landesweite US-Einkaufsmanager-Index (ISM) für das verarbeitende Gewerbe an. Die Erwartung hierfür liegt bei 52,5 bis 53,5 nach 52,9 im August.


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