Wo stehen die Staatsschulden in fünf Jahren?

in Devisen-Monitor zum Thema Finanzkrise
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Die USA sind mit 103% ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet, Deutschland mit 81%, Japan mit 212%. Die Neuverschuldung beträgt teils fast 10% der jährlichen Wirtschaftsleistung. Blicken wir einmal in zwei Szenarien fünf Jahre in die Zukunft und schauen, wohin uns die aktuelle Entwicklung bringen kann.


Staatsschulden sind ein zweischneidiges Schwert

Länder wie die USA oder gar Japan, die mit 103 oder 212% ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet sind, stehen vor immensen Problemen. Die Schuldenquote ist zu hoch, ebenso die Neuverschuldung. In den USA müssen jährlich 8,7% der Wirtschaftsleistung als neue Staatsschulden aufgenommen werden. In Japan sogar 9,7%.

Diese Neuschulden erhöhen jedoch nicht nur die Gesamtschuld, was negativ ist. Sie treten auch als Nachfrage in der Volkswirtschaft auf, was positiv zu werten ist. Denn jeder Euro, Dollar oder Yen, den der Staat als Kredit aufnimmt, landet am Ende in Form irgendeiner Ausgabe wieder in der Wirtschaft.

Sparen heißt nicht automatisch weniger Schulden

Fangen die Staaten an, die enorme Neuverschuldung abzubauen, sinkt dadurch automatisch die Nachfrage in der Wirtschaft.  Da Unternehmen und Konsumenten sich auf staatliche Ausgabenkürzungen in der Regel ebenfalls mit vermehrten Sparanstrengungen vorbereiten, um die Einnahmeausfälle zu kompensieren, bewirkt ein Abbau der Neuverschuldung in der Regel einen größeren Wirtschaftseinbruch, als das Ausmaß der staatlichen Ausgabenkürzungen vermuten lassen würde. Vereinfacht gesagt führt 1% Ausgabenkürzung zum Beispiel zu 2% Wirtschaftseinbruch.

Große Neuverschuldungen lassen sich nicht einfach abbauen

Diese Schuldenmechanik ist bei Ländern wie Deutschland und China, die nur 1,1 bzw. 1% Neuverschuldung aufweisen, verkraftbar. Es wäre vergleichsweise schmerzfrei möglich, die Neuverschuldung auf 0 zu reduzieren, vielleicht sogar Schulden zu tilgen. Anders sieht es aus, wenn fast 10% der Wirtschaftsleistung eingespart werden müssten. Griechenland versuchte sich am radikalen Abbau von 9,8% Neuverschuldung (2009), woraufhin die Wirtschaftsleistung um bis jetzt  14% einbrach und die Quote der Neuverschuldung trotz drastischer reduzierter Kreditaufnahme nur auf 9,1% des BIP sank. Prozentual gesehen nimmt Griechenland jetzt fast genauso viele Kredite auf wie vor den Sparmaßnahmen - das Ganze aber auf bedeutend niedrigerem Wohlstandsniveau.

Selbst bei sehr optimistischen Annahmen werden die Schulden weiter steigen

Ich habe zwei Szenarien für die Schuldenprojektion aufgestellt. Im ersten Szenario bleibt alles, wie es ist. Die absolute Neuverschuldung bleibt für fünf Jahre gleich, ebenso das aktuelle Wirtschaftswachstum. Eine konstante absolute Neuverschuldung wäre für viele Länder schon ein Erfolg. Meistens neigen Politiker dazu, auch in Deutschland, bei wachsender Wirtschaft und Steuereinnahmen auch die Ausgaben zu erhöhen. Dadurch bleibt die prozentuale Neuverschuldung auch bei steigenden Einnahmen oftmals gleich. In meiner Projektion sinkt die prozentuale Neuverschuldung.

Staatliche Schuldenquoten in % vom BIP

Halbierte Neuverschuldung, 2 Prozentpunkte mehr Wachstum - trotzdem steigende Schulden

Im zweiten Szenario kann die Neuverschuldung halbiert und das Wirtschaftswachstum um 2 Prozentpunkte erhöht werden, was wie oben dargelegt für viele Länder ein praktisch unmögliches Unterfangen wäre. Aber selbst in diesem praktisch unmöglichen Szenario würde sich für viele Länder nichts am hohen Schuldenstand ändern. Trotz der sehr optimistischen Annahmen bliebe die prozentuale Verschuldung der USA konstant bei mehr als 100%, die des Vereinigten Königreichs stiege sogar.

Japan kann seine Schuldenquote im zweiten Szenario reduzieren. Allerdings nur deshalb, weil ein sehr optimistisches Wirtschaftswachstum von 4,7% pro Jahr angenommen wird. Ein solch hohes Wachstum sah Japan seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.

Schuldenfalle für USA , Japan und Großbritannien

Während die USA, Japan und Großbritannien in einer Schuldenfalle gefangen sind, der sie kaum noch entrinnen können, sieht die Situation für Deutschland und Europa besser aus. Europa hat derzeit kein Wachstum und „nur" 4,1% Neuverschuldung.  Gelänge es, wieder Wirtschaftswachstum zu induzieren, könnte die Schuldenquote auf Sicht von fünf Jahren selbst bei unverminderter Neuverschuldung unter 100% des BIP gehalten werden.

 

von
Thomas Kallwass
Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert und langfristig erfolgreicher als der Gesamtmarkt.


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