Wo sind die noch größeren Idioten?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 30. Mai 2003 18:00 Uhr
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Die konservativen Anleger sagen, dass man früher mit Aktien Geld verdienen konnte, wenn man solide Gesellschaften kaufte, die gute Dividenden zahlten. Man konnte Geld verdienen, wenn man die Dividenden reinvestierte. Mit der Zeit vermehrte sich dann der Einsatz sehr ordentlich.
Die Idee, Aktien nur wegen der Aussicht auf Kursgewinne zu kaufen, schien diesen Anlegern früher waghalsig und absurd. Aktien waren riskant; sie konnten genausogut steigen wie fallen. Und die Unternehmen konnten Pleite gehen. Deshalb wollten die Aktieninvestoren eine "Risikoprämie" – ein bisschen Extra-Dividende von Aktien, verglichen mit Anleihen, um das Risiko des Geldverlustes auszugleichen.
Aber der große Boom der letzten 25 Jahre des 20. Jahrhunderts änderte die Einstellung der Anleger. Die Leute begannen zu denken, dass diese alten konservativen Anleger falsch lagen; der neue Weg, Geld zu machen, war schneller und leichter. Alles was man tun musste, sagten sie, war, Aktien zu kaufen ... und sie dann später zu verkaufen (wenn man das Geld für seinen Ruhestand brauchte), an einen Idioten, der genau im richtigen Moment kaufen würde.
Der Dow Jones-Index erreichte 2001 sein Top bei 11.722 Punkten. Er fiel dann auf 7.286 Zähler ... und scheint sich derzeit in einem moderaten Rebound zu befinden. Drei Jahre Bärenmarkt, und die Leute glauben immer noch an die Versprechen des Booms. Sie kaufen Aktien mit so hohen KGVs, dass die Investoren der alten Schule die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Die Investoren glauben immer noch, dass später jemand kommen wird, der ihnen diese Aktien zu noch höheren Kursen abkaufen wird. Aber woher sollen diese noch größeren Idioten kommen?
Die Ausländer haben mit ihren Dollar-Vermögensanlagen große Verluste gemacht. Die Europäer haben z.B. seit Jahresbeginn 25 % verloren – alleine aus dem Grund, wel der Dollar so gefallen ist. Und die amerikanischen Käufer werden durch zwei Dinge unter Druck gesetzt: Die Wirtschaftslage und die Demographie.
Der weltweite Boom hat sich in einen weltweiten Abschwung verwandelt. Die Einkommen steigen kaum noch. Und die Produzenten in Übersee unterbieten sich gegenseitig im Preiskampf.
Währenddessen werden die Leute in den Ländern der "Ersten Welt" immer älter. Je mehr Jahre vergehen, desto weniger bereitwillig werden sie, mit ihren Aktienverkäufen zu warten, bis ein noch größerer Idiot höhere Preise für ihre Aktien bezahlt. Sie brauchen das Geld – sie brauchen Einkommen.
Nicht nur das – die Leute, die in den Ruhestand gehen, krempeln das ganze auf Boom angelegte Finanzsystem um. Leute im Ruhestand verschulden sich nicht mehr, sie kaufen und investieren weniger – sie sparen dafür mehr. Glauben Sie es oder nicht, aber die Sparraten steigen wieder – sogar in den USA.
Bevor er arbeitslos wurde, hat der ehemalige US-Finanzminister Paul O'Neill eine Studie in Auftrag gegeben, wie viel es die US-Regierung kosten würde, wenn sie alle ihre Versprechen gegenüber den "Baby Boomers" (besonders geburtenstarker Jahrgang, der bald ins Ruhestandalter kommt) halten wüde. Jetzt ist diese Studie fertig, und die Financial Times hat sie kommentiert:
"Die Analyse der zukünftigen Defizite lässt laut dieser Studie frühere Schätzungen über die finanziellen Herausforderungen, mit denen Washington konfrontiert werden wird, sehr klein erscheinen. (Die Summe der gegebenen Versprechungen) beläuft sich auf das Äquivalent von 10 Mal den gesamten Staatsschulden, 4 Jahre Produktion oder mehr als 94 % des Besitzes aller privaten Haushalte. Alan Greenspan, Vorsitzender der Fed, beklagte sich letzte Woche über das Schweigen in Washington in Bezug auf die Finanzprobleme der Zukunft ..."
Das Fazit der Studie war, dass eine sofortige Steuererhöhung von 66 % notwendig wäre, wenn alle Versprechen eingehalten werden sollen.
Wie kann man erwarten, dass die Leute eine Steuererhöhung hinnehmen würden, wenn sie bereits bis zum Hals in Schulden stecken?
Die "Baby Boomer", die immer noch Aktien kaufen, in der Hoffnung, damit ihren Ruhestand finanzieren zu können, könnten damit kurz aufhören und nachdenken. Woher werden die großen Idioten kommen, die ihnen ihre Aktien zu höheren Kursen abkaufen werden? Wer wird diese Aktien zu noch höheren Kursen wollen? Eric?