Wo sind die guten Nachrichten?

Jochen Steffens in Investors Daily
vom


von Jochen Steffens

Folgende Thesen haben den Markt bewegt:

These 1: Conference Board (vergleichbar den "Wirtschaftsweisen") sagt: Es kommt zu einem US Wirtschaftswachstum nächstes Jahr von 5,7 % (bisher erwartet 4 %).


These 2: (ebenfalls dieses Board): Es werden im nächsten Jahr über eine Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen (hört sich zunächst beeindrucken an, sind aber lediglich pro Monat 84.000 neue Arbeitsplätze, eher wenig.)

These 3: (Fed): In den nächsten zwei Jahren wird die Inflation niedrig bleiben.

These 4: (Fed) Wir werden die Niedrigzinspolitik so weiter beibehalten.

These 5: (Fed) Wir sind zufrieden mit der Entwicklung der Wirtschaft

These 6: (wieder das Board) Die Firmeninvestitionen sollen um über 11 % zulegen.

Hört sich doch alles sehr gut an, oder?

Hm, wie war das noch? Wenn eine Konjunktur anzieht, wächst die Gefahr der Inflation. Bei einer Niedrigzinspolitik wächst die Inflationsgefahr ebenfalls. Ganz besonders wächst die Gefahr der Inflation jedoch, wenn eine Währung immer mehr an Wert verliert, so wie der Dollar (ich glaube sogar, das könnte man fast als Inflation bezeichnen). Warum will die Fed also die Zinsen niedrig halten, wenn es der Wirtschaft gut geht? Dazu muss ich etwas ausholen:

Der Dollar verliert gerade immer mehr an Wert. Deswegen hat die OPEC just mitgeteilt, der Ölpreis sei nicht zu hoch. Wenn man den Verfall des Dollars einrechnet, sei der Ölpreis angemessen. Folglich bleiben die Förderquoten niedrig. Eine kurz, knappe aber völlig richtige Einschätzung der Lage. Das bedeutet jedoch, Amerika muss nun langfristig mehr Geld für Öl bezahlen.

Die Folge davon: Die Energiekosten und die ölabhängigen Produktionskosten steigen in den USA. Kein unbedeutender Faktor für die Inflation. Aber auch die anderen Rohstoffe werden für die USA teurer. Damit wird die amerikanische Produktion grundsätzlich durch hohe Rohstoffkosten belastet. Zudem werden auch Produkte aus dem Ausland für Amerikaner "teurer". (Außer die Billigprodukte aus China, da die chinesische Währung an den Dollar gekoppelt ist.) Zusammengefasst: Die Energiekosten in Amerika steigen deutlich, Produktionskosten steigen, um das abzufangen müssten eigentlich die Preise deutlich zulegen (=Inflation). Die Fed sagt aber: Das wird nicht geschehen.

Steigen die Preise nicht, müssen die Unternehmen die höheren Kosten irgendwo einsparen. Deswegen belastet nicht nur der enorme Konkurrenzkampf (weswegen die Preise nicht steigen können), sondern auch noch steigende Produktionskosten die Firmen. Einzige Lösung: Wenn die Rohstoffkosten und damit die Produktionskosten steigen, der Konkurrenzkampf aber nicht abnimmt und damit die Preise nicht zulegen können, müssen die Firmen "wirtschaftlicher" arbeiten. Der größte Kostenfaktor ist der Mensch. Die Firmen müssen demnach noch mehr Arbeitsplätze abbauen.

Sollten die Firmen im nächsten Jahr tatsächlich 11 % mehr investieren, dann werden sie das Geld also wohl oder übel in Rationalisierungsmaßnahmen investieren müssen, um den teuren Faktor "Mensch" zu verringern. Oder besser ausgedrückt, sie müssen so viel (11 %) in Rationalisierungsmaßnahmen investieren, um überleben zu können. Auf jeden Fall werden Sie das Geld nicht in neue Arbeitsstellen investieren, wie es bei einer Erholung nach einer Rezession der Fall ist.

Nach einer Rezession ist der Konkurrenzkampf bereinigt. Im Moment gibt es noch zu viele Firmen, die sich um die weniger werdenden Konsumenten streiten (Preiskampf). Nach einer Rezession gibt es zu viele Konsumenten, die sich um wenige Produkte streiten. Und GENAU DAS ist der gravierende Unterschied. In dem letzten Fall kommt es auch zu einer Inflation (die Preise werden aufgrund der Nachfrage teurer, die Firmen können mehr Leute einstellen, es verdienen immer mehr Menschen, die mehr konsumieren können, das treibt wiederum die Preise etc.).

Die Aussagen der Fed sind also eigentlich ein Eingeständnis darin, dass es der Wirtschaft immer noch sehr schlecht geht. Sie besagen auch, dass der Markt noch nicht durch eine Rezession bereinigt wurde. Ebenfalls bedeuten sie, dass in den nächsten 2 Jahren mit großen Schwierigkeiten beim Arbeitsmarkt zu rechnen ist.

Ach noch eins: Bisher haben lediglich die Steuergeschenke den Konsumanstieg verursacht. Wie gesagt, eigentlich sind zu wenig Konsumenten vorhanden, da immer weniger Arbeit haben. Damit die weniger werdenden Konsumenten, mehr konsumieren können, musste sich der Staat verschulden. Die langlaufenden Staatsanleihen leiden aber nach neusten Zahlen unter Nachfrageschwäche. Das ist bedenklich. Was wir passieren? Die Zinsen werden steigen ... nicht die kurzfristigen ... die am langen Ende.

Ich frage mich also, wo sind die guten Nachrichten, die den Markt am Donnerstag bewegt haben? Eigentlich waren es doch eher schlechte Nachrichten, die sich nur gut anhörten ...


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