Wo kommt das Wirtschaftswachstum her?
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom 11. Dezember 2002 18:00 Uhr
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Was ist zu Wochenbeginn mit dem neuen Bullenmarkt passiert? Wiederholen Sie: "Es ist nur eine gesunde Korrektur."
Je höher die Aktien im Oktober und November stiegen, desto mehr Leute drängte die Börse die Leute, wieder Aktien zu kaufen. "Sicher ist der Markt tief genug gefallen", sagten sie sich. "Und außerdem erholt sich die Wirtschaft wieder." Wenn das nicht genug Gründe für eine Kauforder waren, dann würden sich die Leute sagen: "Schau! Die Unternehmensgewinne ziehen wieder an!"
Märkte machen Meinungen – und die Bärenmarktrallye, die Anfang Oktober begann, machte viele Stimmungen bullish. Leider hat sich in der realen Welt seit dem 9. Oktober nicht so viel geändert.
Die Aktienkurse sind höher als vor zwei Monaten, aber ebenso die Arbeitslosigkeit. Die Unternehmen haben Probleme, Geld zu verdienen; das bedeutet, dass sie nicht gerade in Eile sind, wenn es ums Investieren in neue Ausrüstungen oder neue Angestellte geht. Wir scheinen in der Mitte einer "Durchwurschtel-Wirtschaft" zu sein.
"Weniger schlechte volkswirtschaftliche Daten sind nicht das gleiche wie starke volkswirtschaftliche Daten", beobachtet Andrew Kashdan von Apogee Research. "Und ein Aktienmarkt, der mit einem durchschnittlichen KGV von 49 bewertet ist (der S&P 500, Berücksichtigung der Kernergebnisse) , diskontiert sehr starke volkswirtschaftliche Daten." Kashdan betont, dass sich das "starke" 4 %ige Wachstum beim US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal verdächtig wenig bei den Unternehmensgewinnen ausgewirkt hat. Tatsächlich hat sich die gesamte sogenannte Erholung nur schwach bei den Gewinnen ausgewirkt. Und wie die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen von letzter Woche zeigen, hat sich die Erholung auch am Arbeitsmarkt kaum positiv ausgewirkt.
"Steigende Unternehmensgewinne sind die Basis einer nachhaltigeren Aktienmarktrallye", so Kashdan, "und die BIP-Daten sind sehr aufschlussreich in Bezug auf diesen Punkt – sie stützen die Bärenseite. Das 4 %ige Wachstum (annualisiert) beim BIP im dritten Quartal hört sich ziemlich gut an – bis man genauer hinsieht. Die Gewinne aus laufender Produktion fielen um 14,1 Milliarden Dollar, nach einem Rückgang von 12,6 Milliarden Dollar im zweiten Quartal. Der Cash Flow aus der derzeitigen Produktion – also die Mittel, die für Investitionen bereitstehen – fiel um 12,2 Milliarden Doller ... Das bedeutet, dass es meiner Ansicht nach viel zu früh ist, um zu sagen, dass wir in einer gesunden Expansion sind."
Wenn die Gewinne angesichts eines starken Zuwachses beim BIP nicht gestiegen sind – was denn sonst? Die Antwort: Der Konsum ... der große amerikanische Zeitvertreib. Vom 4 %igen Wachstum kamen 2,9 Prozentpunkte durch die Expansion der persönlichen Konsumausgaben zustande.
"Wenn der Konsum ein Selbstläufer wäre, dann wäre alles nicht so schlecht. Aber leider muss man irgendwann einmal Geld verdienen, um es ausgeben zu können ... Stärke ohne Gewinne ist deshalb keine gute Basis für einen nachhaltigeren Bullenmarkt", so Kashdan weiter. "Gier ist gut – das verkündete Gordon Gekko im Film 'Wall Street' von 1987. Jetzt kommt der 'The Economist' und verkündet, dass Krieg besser ist. Das britische Magazin reiht sich in den Chor derer ein, die den gefährlichsten Mythos von allen heraustrompeten. Das Magazin schreibt: 'Die meisten Kriege in Amerikas Geschichte haben dank der massiven Verteidigungsausgaben die Wirtschaft stimuliert'. Ich kann Ihnen nur raten, nicht alles zu glauben, was Sie in der (Finanz-)Presse lesen. Und ich rate Ihnen, sich vielleicht selbst zu fragen, warum man noch keinen Analysten gehört hat, der eine logische Schlussfolgerung dieser Aussage fordern würde: Dauernder Krieg für dauerndes Wachstum."
Letzte Woche schrieben wir viel über die Inflation/Deflation-Debatte ... mein Kollege Bill Bonner rechnet kurzfristig eher mit einer Deflation, ich eher mit einer Inflation. Aber an einem Punkt stimmen wir überein: Diese ganze Debatte ist eine Zeitverschwendung ... na ja, nicht ganz.
Strikt gesehen wäre dann auch Sex, bei dem kein Kind gezeugt wird, eine Zeitverschwendung. Die Deflation/Inflation-Debatte mag zwar nicht soviel Spaß machen, aber sie ist immerhin ein gutes Theater. Außerdem kommen durch diese Debatte manchmal ein oder zwei gute Aspekte auf, von Zeit zu Zeit.
Auch wenn die Schlussfolgerungen ungewiss sind, dann ist die Debatte an sich bereits wertvoll. Mehr zu sinnlosen Debatten über die Deflation weiter unten ...