Wissenswertes zum Maispreis
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 30. Januar 2012, 12:00 Uhr
ENL5454
**** Ein Trader´s Daily-Leser schrieb mir:
"Angesichts der gestiegenen Nachfrage nach Mais könnte man sich fragen, wodurch sie bedingt wird. Die Frage würde lauten, dass man aus Mais Biosprit (E10) herzustellen vorhat. Der so hergestellte Sprit kann man auch hier in Europa an Tanksäulen zapfen. Im Grunde ist es Einführung des Biosprites, die zur Verknappung auf der Angebotsseite bzw. zu höheren Preisen führt. Ansonsten wundere ich mich, warum in den USA die Anbaufläche für Winterweizen zu Lasten anderer Rohwaren stark erhöht werden soll? Hat man dafür eine logische Erklärung?"
Meine Antwort:
Der Maispreis wird "global" gemacht. Da sollten wir Europa nicht überbewerten. Der Anteil der gesamten EU an der weltweiten Maisproduktion liegt bei gerade einmal im Bereich 7,5%. Wenn nun ein Teil davon in die Produktion von Biosprit geht, ist das weltwirtschaftlich keine sehr große Sache.
Anders im Fall der USA! Denn die produzieren gut zwei Fünftel der Maisernte der Welt. Alleine im US-Bundesstaat Iowa wird mehr Mais geerntet als in der gesamten Europäischen Union. Und Iowa ist keineswegs der einzige "Mais-Staat" der USA. Kaum weniger wird in Illinois produziert, und immer noch die Hälfte dieser Werte erreichen Nebraska, Minnesota und Indiana. Der Mittlere Westen der USA eben.
Und da wird ein deutlicher Anteil der Maisernte in der Tat seit Jahren für die Herstellung von Ethanol verwendet, welches dem Benzin beigemischt wird. Seit dem Erntejahr 1996/1997 ist der Anteil der US-Maisernte, der für Ethanolherstellung verwendet wird, drastisch gestiegen. Inzwischen sind es ca. ein Fünftel der Ernte, die in diesen Bereich wandern.
Ethanol, ist nichts anderes als Alkohol. Doch nur ein sehr geringer Teil wird für schöne Dinge des Lebens wie "Maisschnaps" verwendet. Der Löwenanteil der Ethanol-Produktion wird dem Benzin in den USA beigemischt.
Kann man kritisch sehen, und tun die meisten wohl auch. Andererseits möchte ich hier auch die positiven Seiten herausstellen: Vielleicht ist dies der "Biosprit" der ersten Generation, durch diese Entwicklung müssen wir einfach durch. Nur so kommt es dann hoffentlich zur zweiten Generation, bei der das Ethanol nicht aus den Früchten, sondern den Ernteresten hergestellt werden kann. (Oder aus Algen! Dazu hatte ich letztens ein interessantes Gespräch mit dem CEO eines Algen-Startups).
Und die Frage ist ja auch, was ist die Alternative. Wenn das Ethanol nicht beigemischt würde, dann müssten die USA zwischen 5 und 10% mehr Erdöl benötigen. Woher nehmen und nicht stehlen, wie es bei uns heißt?
*** Dann noch zum Thema Wechsel der Anbauflächen. Da beobachte ich in den USA ein interessantes Phänomen, welches wahrscheinlich dem Thema "Verhaltensökonomie" zugerechnet werden kann.
Jahr für Jahr entscheiden die Farmer bei vielen einjährigen Pflanzen, was sie in der nächsten Saison anbauen. Nicht immer spielen dabei Themen wie sinnvolle Fruchtfolge eine Rolle - da dem Boden die notwendigen Nährstoffe eben durch Kunstdünger hinzugefügt werden und wenig auf biologische Verfahren geachtet wird (so können z.B. auch Leguminosen wie Erbsen dem Boden Stickstoff hinzufügen, den binden sie selber aus der Luft.)
Und wenn ein Farmer nun festlegt, was er anbaut - dann schaut er in der Regel auf die Preise der Rohwaren in der vorigen Saison. Was da relativ teuer war, das baut er dann gerne und verstärkt an.
Hier kommt es zu einer Art "Schweinezyklus". Denn da dann auf einmal sehr viele Farmer so denken, wird gerade die in der Vorsaison relativ teure Rohware nun verstärkt produziert - und deren Preis sinkt tendenziell.
Die in der Vorsaison relativ günstige Rohware wird weniger produziert - und deren Preis steigt tendenziell. Etwas antizyklische Vorgehensweise wäre nicht verkehrt.
Doch interessanterweise liegt das den Menschen offensichtlich nicht "sooo" im Blut...weder bei Farmern noch bei Tradern....
Mit möglicherweise minimal Ethanol-haltigem Gruß! (Von gestern Abend, was sonst)
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily