Wissenswertes zu Volatilität VII
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 25. April 2008 08:30 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
und weiter geht es heute mit der Impliziten Volatilität. Nachdem wir uns am Mittwoch einmal grundsätzlich darüber unterhalten haben, was die implizite Volatilität darstellt, oder besser gesagt, was sie uns grob gesprochen eigentlich sagen soll, möchte ich heute zunächst noch einmal auf eine Thematik eingehen, auf die ich am Mittwoch hingewiesen habe.
Sie mögen sich erinnern. Am Mittwoch schrieb ich zum Abschluss:
„Sie sehen also, damit das Geschäft zustande kommt müssen beide Parteien eine übereinstimmende subjektive Einschätzung, oder Risikoerwartung für den Basiswert haben.
Zumindest in der Theorie….;-) Am Freitag mehr dazu…“
Worauf ich hinaus will:
Wenn Sie in der Vergangenheit schon einmal mit Optionsscheinen gehandelt haben – was bedeutet, dass Sie vermutlich ein Profi sind und sich bislang hoffentlich nicht gelangweilt haben ;-) – dann wissen Sie vermutlich auch schon worauf ich hinaus will. Denn dann wissen Sie um eine interessante Besonderheit, die in der Vergangenheit des öfteren, inzwischen aber immer noch auftritt.
Ich habe am Mittwoch die Behauptung aufgestellt, dass eine implizite Volatilität, auch wenn sie eigentlich einer subjektiven Einschätzung, oder sagen wir eben Erwartungshaltung gleich kommt, gerade zur „Objektivität“ tendiert wenn sie zustande kommt, da sie ein Faktor ist der sich aus der Veränderung des Optionspreises ergibt und damit impliziert, dass beide am Geschäft beteiligten Parteien sich auf die gleiche Erwartungshaltung geeinigt haben.
Uff…was will ich Ihnen damit sagen?! Nun, grundsätzlich darf man davon ausgehen, dass ein Optionspreis „fair“ ist, da sich sowohl Stillhalter als auch Käufer auf diesen Preis geeinigt haben.
Aber…
…in der Praxis kann das manchmal etwas anders aussehen.
Nicht selten wird berichtet, so mancher Emittent verändere seine implizite Volatilität schlichtweg nach Gutdünken. Kann er ja auch, wenn sich seine Markteinschätzung geändert hat.
Ärgerlich wenn dies an einem Tag geschieht, an welchem man als Optionsinhaber seine Rechte gerade an die Bank „zurückverkaufen“ will, während die aber, weil sie gerade eine geringere implizite Volatilität annimmt, leider auch einen niedrigeren Preis stellt.
Sie verstehen, die implizite Volatilität ist ein wichtiger Bestandteil in der Formel zur Berechnung der Optionsprämie, und der einzige- da er ja im Grunde einer Annahme oder Wahrscheinlichkeit oder Erwartung entspricht – der also tatsächlich „variabel“ ist. Alle weiteren Bestandteile der Formel sind mit Sicherheit beiden Seiten bekannt.
Dennoch…
…muss man sehen, dass die Entwicklung durchaus positiv ist. Vor allem dank des Internets, verstärkt sich die Transparenz, deshalb werden die Unterschiede zwischen den Emittenten geringer. Ja, Konkurrenz belebt das Geschäft und verhindert zunehmend, dass ein Emittent eine zu niedrige oder zu hohe Volatilität annimmt.
Stärkere Unterschiede findet man eher noch bei marktengen Werten, wo die Konkurrenz der Anbieter nicht sehr stark ist. Der Fairness halber muss man den Emittenten allerdings auch zugute halten, dass das Risiko bei solchen Werten für den Emittenten eben höher liegt und somit natürlich auch schon wieder eine höhere implizite Volatilität bedingt.
Nun gut, diese Aussagen gelten vornehmlich für Optionsscheine auf Aktien.
Der Devisenmarkt, der größte und liquideste Markt der Welt, mit seinem Interbankenmarkt ist da ein ganz anderes Kaliber. Hier bestimmt sich die implizite Volatilität tatsächlich aus der Optionspreisfindung und kann damit als wichtiger Indikator gewertet werden.
Wenn hier zwei Devisenhändler unterschiedlicher Banken miteinander ins Geschäft kommen, dann haben sie sich wohl sicher auf eine gemeinsame subjektive Erwartungshaltung einigen können. Oder anders herum, mit einer Bank die einem einmal einen schlechten Preis gestellt hat, macht man sicher kein zweites Geschäft.
So viel für heute einmal zu einer nach wie vor bestehenden und oft diskutierten Thematik, die mit der Besonderheit der impliziten Volatilität zusammenhängt.
Nächste Woche wollen wir uns dann weiter in das Verständnis und die Bedeutung der impliziten Volatilität eingraben. Ich freue mich wenn Sie wieder dabei sind.
So weit, also bis Mittwoch!
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus