Wirtschaftswissenschaftliche Denkschulen im Vergleich
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 29. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
wussten Sie, das Inflation gut für die Demokratie ist? Nein? Dann haben Sie vermutlich nicht den Blog „Herdentrieb“ der Zeit Online gelesen. Darin schreibt der Autor Mark Schleritz folgendes:
„Zu wenig Inflation zerstört die Demokratie.
(...) Nicht die Hyperinflation Anfang der zwanziger Jahre hat Hitler an die Macht gebracht, sondern die deflationäre große Depression Ende der zwanziger Jahre. Damals gab es zu wenig Inflation, nicht zu viel – und wenn die Zentralbanken ordentlich Geld gedruckt hätten, wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen.
(...) Die Hyperinflation war schlimm, aber es gibt schlimmeres.
(...) In den fünfziger und sechziger Jahren jedenfalls lag die Inflationsrate in Deutschland jedenfalls fast immer über zwei Prozent. 1951 hatten wir 7,5 Prozent. Das war die Zeit des Wirtschaftswunders. Nie wieder ging es uns so gut wie damals. Richtig heruntergeprügelt wurde die Inflation Mitte der neunziger Jahre. Damals ging es mit Deutschland bergab.
(...) Inflation ist keine Gefahr, sondern eine Chance – gerade in Europa.
(...) Wenn die Notenbank mehr Spielraum zulassen würde, dann würde die Inflation die Senkung der realen Löhne ganz automatisch und ohne Kürzungen bewerkstelligen
(...) Wer in Krisenzeiten rigide Inflationsziele durchsetzen will, der gefährdet die Demokratie – und die Einheit Europas.“
Auch wenn ich hier die oberen Textausschnitte teilweise aus dem Gesamtzusammenhang herausgerissen habe, so zeigen diese m.E. doch deutlich, wie gefährlich die keynesianische Gehirnwäsche, welche Studenten der Wirtschaftswissenschaften an den meisten Universitäten täglich weltweit ausgesetzt werden, ist.
Die österreichische Schule der Nationalökonomie (sicher auch nicht die Lösung auf alle Fragen, doch m.E. weitaus sinnvoller als vieles heutzutage) und ihr bekanntester Vertreter Ludwig von Mises sehen die Inflation indes als undemokratisch an:
„Inflation is essentially antidemocratic.“ (Omnipotent, S.252)
„Money, like chocolate on a hot oven, was melting in the pockets of the people.“ (Economy Policy, S.65)
„Credit expansion and inflationary increase of the quantity of money frustrate the common mans attempts to save and to accumulate reserves for less propitious days.“ (Human Action, S.834, 838)
„Inflation is the true opium of the people and it is administered to them by anticapitalist governments and parties.“ (The Theory of Money and Credit, S.485)
„The most important thing to remember is that inflation is not an act of God, that inflation is not a catastrophe of the elements or a disease that comes like the plague. Inflation is a policy.“ (Economic Policy, S. 72)
auf deutsch:
„Inflation ist im Wesentlichen antidemokratisch.
(...) Geld schmolz in den Taschen der Menschen wie Schokolade auf einem heissen Ofen.
(...) Kreditexpansion und inflationäre Vermehrung der Geldmenge vereiteln die Anstrengungen des gewöhnlichen Menschen zu sparen und Reserven für weniger günstige Tage anzulegen.
(...) Inflation ist das wahre Opium der Leute, welches ihnen von den antikapitalistische Regierungen und Parteien verabreicht wird.
(...) Das Wichtigste, was man wissen muss über Inflation ist, dass Inflation nicht ein Akt Gottes ist, dass Inflation keine Katastrophe der Elemente ist oder eine Krankheit, die kommt wie die Pest. Inflation ist eine (bewusst gewählte) Politik.“
Um Ihnen weiter die Unterschiede zwischen den Denkschulen aufzuzeigen und mit welchen Fehlern m.E. manch eine sog. "moderne" Denkschule behaftet ist (halte ich für sehr wichtig), werde ich in den nächsten Wochen langsam damit beginnen, immer wieder das aktuelle Tagesgeschehen bzw. grundsätzliche wirtschaftliche Dinge einmal ein wenig "anders" zu kommentieren, als Sie es in den Medien finden werden.
Ich denke, auf diese Weise werden die Unterschiede mit der Zeit am schnellsten fassbar.
Beste Grüße