Wirtschaftsnews aus Großbritannien und Australien
Martin Denholm in Baltimore in Traders Daily
vom 20. Juni 2005 12:00 Uhr
ENL5454
*** Offensichtlich sind die Briten nicht mehr so sparsam wie früher. Ein aktueller Bericht des "Office for National Statistics" zeigt, dass die Lücke zwischen Einkommen und Ausgaben wächst.
Die Briten haben nun durchschnittlich ein Wocheneinkommen von 570 Pfund je Haushalt, und sie geben pro Woche 592 Pfund aus. Diese Lücke von 22 Pfund ist außerordentlich, denn nach einer Weile summiert sie sich auf ganz schön große Summen. Nach einem Jahr sind es 1.100 Pfund. Hinzu kommt: In einer vorigen Untersuchung hatte die Lücke bei 14 Pfund gelegen.
Soviel zu der angeblich den Konsum belastenden Höhe der Zinsen. Die Royal Bank of Scotland sagt, dass sie nun ihre Rückstellungen für faule Kredite erhöht.
Wo wir gerade von Zinsen sprechen: Die englische Zentralbank hat vielleicht das Ende ihrer Zinserhöhungen erreicht. Im November 2003 startete sie ihren Zinserhöhungszyklus, aber jetzt sind die Leitzinsen seit neun Monaten nicht mehr geändert worden. Es gibt sogar Gerüchte, nach denen die britische Zentralbank die Leitzinsen später im Jahr senken könnte, um den Preisrückgängen am Immobilienmarkt entgegenzuwirken und um die Konsumnachfrage zu beflügeln.
Moment ... Habe ich nicht gerade gesagt, dass die britischen Konsumenten MEHR Geld ausgegeben haben? Nun, ja. Aber ein großer Teil dieser Ausgaben wird für Dinge wie Hypotheken und Mieten, Versicherungen, Steuern und Reparaturen ausgegeben, und nicht für Güter in Geschäften.
Die Analysten von Experian sagen, dass das Wachstum der britischen Konsumausgaben im nächsten Jahr auf ein 10-Jahres-Tief fallen wird.
*** In Australien läuft es gut: Laut offiziellen Zahlen sind dort den neunten Monat in Folge mehr Arbeitsplätze geschaffen worden, was die Arbeitslosenquote auf ein 28-Jahres-Tief von 5,1 % gedrückt hat.
Das gibt dem australischen Einzelhandel Hoffnung, denn dessen Umsätze sind im April so stark wie seit neun Monaten nicht mehr gefallen. Die Umsätze in den Kaufhäusern gingen um hässliche 11,3 % zurück. Nun, ein Grund war, dass Australien den heißesten April seit 146 Jahren hatte, und normalerweise ist der April ein sehr umsatzstarker Monat – da dort für den Winter (Südhalbkugel) eingekauft wird.
Im ersten Quartal lag das Wirtschaftswachstum bei 1,9 % (gegenüber Vorjahresquartal) bzw. 0,7 % gegenüber Vorquartal, verglichen mit 0,3 % Plus im vierten Quartal 2004.