Wirtschaftskrise wegen Aktiencrash?
Sven Weisenhaus in Wave Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 16. Januar 2012, 13:00 Uhr
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Im Gegensatz dazu gibt es, ganz allgemein betrachtet, allerdings auch Stimmen die behaupten, dass die Bewegungen am Finanzmarkt sich auf die Wirtschaft auswirken können. Überspitzt formuliert wäre damit die charttechnische Bewegung ursächlich für fundamentale Entwicklungen.
Man könnte sich zum Beispiel die Frage stellen, ob es nicht erst wegen dem Crash Mitte letzten Jahres zu der aktuellen wirtschaftlichen Krise gekommen ist. Meine Antwort darauf: Es gibt Wechselwirkungen. Daher liegen beide Seiten richtig.
Es gibt Wechselwirkungen
Natürlich wirkt sich ein schwacher Aktienmarkt auch auf die Wirtschaft aus. Denn Aktienkursveränderungen führen zu Vermögensänderungen. Und ein hoher Bund Future, der gleichbedeutend ist mit niedrigen Zinsen, wirkt sich ebenfalls entsprechend auf den gesamten Finanzmarkt und die Wirtschaft aus. Wer will auch behaupten, dass sich Zinsen nicht auf die Wirtschaft auswirken. Wenn dem so wäre, bräuchten wir keine EZB, die am Leitzins schraubt.
Finanzmarkt folgt langfristig der wirtschaftlichen Entwicklung
Langfristig wird sich der Finanzmarkt aber immer nach der fundamentalen (politischen und wirtschaftlichen) Entwicklung richten. Allerdings tut er es meist nicht im Nachhinein, sondern, wie am Freitag dargestellt, antizipiert der Aktien- bzw. der gesamte Finanzmarkt häufig zukünftige Entwicklungen.
Was man wo herauslesen kann
Und damit sind wir wieder bei der mühsamen kontinuierlichen Beobachtung der Konjunkturdaten. Wenn der Aktienmarkt zukünftige Entwicklungen antizipiert, dann kann man demnach auf der einen Seite am langfristigen Chart zukünftige konjunkturelle Entwicklungen ablesen. Auf der anderen Seite kann man aber auch, anhand der kontinuierlichen Beobachtung der Konjunkturdaten, eine Positionsbestimmung im Konjunkturzyklus vornehmen. Wenn ich weiß, dass wir uns in einer rezessiven Phase befinden, dann weiß ich auch, dass ein Aufschwung folgt, der in einer Boomphase mündet, bevor es dann wieder zu einem Abschwung kommt, usw. Und wenn ich weiß, dass wir vor einem Aufschwung stehen, dann weiß ich auch, dass der Aktienmarkt langfristig wieder steigen wird.
Die langfristige und kurzfristige Sicht
Wir haben nun bislang erfahren, dass fundamentale Ereignisse kurzfristig charttechnische Reaktionen auslösen können. Und wir haben erfahren, dass langfristig die Summe fundamentaler Ereignisse, also gesamtwirtschaftliche Entwicklungen, das Auf und Ab an den Finanzmärkten bestimmen. Dabei gibt es Wechselwirkungen. Steigende und fallende Kurse wirken sich auch auf die Wirtschaft aus.
Bleibt noch eine Frage offen. Was ist dann mit der Charttechnik? Dazu morgen mehr.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche
Sven Weisenhaus
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