Wirtschaftskrise? Locker bleiben!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 1. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Heute möchte ich die „moderne Depression" mal in Relation setzen - denn die Panikmache der meisten Medien gefällt mir gar nicht, genauso wenig wie Anmerkungen, dass ich nicht „besorgt genug" wäre wegen der aktuellen Wirtschaftskrise.
In Relation setzen möchte ich die aktuelle Situation zu der Wirtschaftskrise, welche im Jahr 1929 begann. Im Englischen als „Great Depression" bekannt, ist sie im deutschsprachigen Raum als „Weltwirtschaftskrise" bekannt (und keineswegs als „große Depression", wie es manche Finanzjournalisten einfach aus dem Englischen übersetzen.)
Also: Haben wir es mit einer neuen Weltwirtschaftskrise zu tun?
Dazu Fakten:
Die Weltwirtschaftskrise begann im Oktober 1929, in Europa ein wenig später. 24 Monate nach Beginn war das Bruttoinlandsprodukt in den USA und Europa um 15 bis 20% gesunken. Der Tiefpunkt war ca. 36 Monate nach Beginn erreicht, mit einem Minus von 25 bis 30%.
Wie sieht es heute aus? Knapp 24 Monate nach Beginn der aktuellen Krise ist das Bruttoinlandsprodukt in den USA und Europa um....5% gefallen. In diesem Jahr könnte es nochmal ein Minus geben, von 3 bis 5%. Dann wären die 36 Monate rum.
Und die Arbeitslosigkeit: Die ist aktuell in den USA und Europa und auch Japan gestiegen. In Japan steht sie nun bei 4,4% (das wird doch als „hoch" bezeichnet!), in den USA haben wir 8,1%.
In der Weltwirtschaftskrise waren in den USA 25% der Beschäftigten arbeitslos, in Deutschland war der Wert ähnlich hoch.
Dabei sollten Sie noch bedenken: Wer heutzutage arbeitslos ist, braucht nicht solche Zustände wie „Hunger" erleben. Das war in der Weltwirtschaftskrise noch ganz anders, da gab es kein vergleichbares Sozialsystem. Es gab da nicht die automatischen Dinge, die die Leute erhielten, wenn sie arbeitslos wurden.
*** Sie merken schon, ich mag diese Krisenstimmung nicht und werde mich auch nicht an Panikmache beteiligen. Was wir gerade sehen, ist die Korrektur von vorigen unverantwortlichen Exzessen, welche am US-Hypothekenmarkt begannen und sich wegen der Globalisierung und der Dummheit zahlreicher Beteiligter weltweit eben auch weltweit ausbreiteten.
Ein Vergleich mit der „Weltwirtschaftskrise" ist nicht angebracht.
*** Und, unter uns, noch ein ganz anderer Punkt, warum ich wegen der derzeitigen „Krise" gelassen bleibe:
Vorgestern stieg ich in einen Flieger, um zu einem Interview mit "Uramin" zu schweben. Kurz nach dem Start stoben Funken, ein Triebwerk fiel aus, der Pilot ließ Kerosin ab, um das Flugzeug leichter zu machen, damit es gut gehen konnte. Wie schnell hätte es da mit dem „Sein" vorbei sein können!
Und ich sage Ihnen, irgendwelche „Sorgen" wegen dem Kurs von Stücken Papier oder wegen einem möglichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 3,5% waren im Bruchteil einer Sekunde weg.
Und sind es bis heute, wenn ich an dieses Ereignis vorgestern zurückdenke. Wie schön es doch sein kann, unbeschwert zu atmen, festen Boden unter den Füßen zu haben - und derzeit sogar blauen Himmel zu sehen, beim Blick nach oben...
Locker bleiben! „Su lang mer noch am läve sinn" (So lang wir noch am leben sind, wie es in meiner Region weltmännisch heißt.)
Ihr
Michael Vaupel
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