Wirtschaftsdaten enttäuschen auf ganzer Linie
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 25. Juli 2011, 13:00 Uhr
ENL5454
Daten zur Wirtschaftsentwicklung der USA enttäuschend
Für den Monat Juni wurden in den USA eher schlechte Daten veröffentlicht.
So stieg die Industrieproduktion zwar um 0,2% gegenüber dem Vormonat, da der Vormonatswert jedoch nach unten revidiert wurde, blieb die Kapazitätsauslastung unverändert bei 76,7%.
Die US-Frühindikatoren sind im Juni um 0,3% gestiegen, was allein betrachtet nicht schlecht ist. Allerdings wurde der Vormonatswert von 0,8% deutlich auf 0,2% nach unten revidiert. Statt einem 2-Monats-Plus von 1,1% ergibt sich also nur ein Plus von 0,5%.
Ebenfalls enttäuschend kamen die Verkäufe bestehender Häuser mit einem Rückgang um 0,8% gegenüber dem Vormonat auf den niedrigsten Stand seit sieben Monaten daher.
Einziger positiver Lichtblick für den Monat Juni: Aufgrund der rückläufigen Ölpreise gaben die US-Konsumentenpreise um 0,2% gegenüber dem Vormonat nach (Jahresrate unverändert bei 3,6 %). Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel stieg hingegen im Monatsvergleich um 0,3 % (Jahresrate unverändert bei 1,6 %).
Und es ging mit den Daten für den Monat Juli genauso schlecht weiter. Denn das Konsumentenvertrauen der Universität Michigan gab um 7,7 auf 63,8 Punkte von zuvor 71,8 Punkte nach auf das niedrigste Niveau seit mehr als zwei Jahren.
Der Empire State-Index konnte zwar im selben Berichtsmonat auf -3,8 Indexpunkte zulegen, dies lag allerdings deutlich unter den Erwartungen von +5,0 nach -7,8 im Juni.
Zumindest der Philly Fed-Index konnte sogar in den positiven Bereich zurückkehren und notiert im Juli bei 3,2 Punkten nach -7,7 im Juni.
Insgesamt also überwiegend schlechte Zahlen aus den USA.
Auch in Deutschland ist die Entwicklung der Preise der einzige Lichtblick
Ähnlich wie bei den US-Daten ist auch in Deutschland die Entwicklung der Preise der einzige Lichtblick.
Zwar lag der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Juni 2011 um 5,6% höher als im Vorjahresmonat, gegenüber dem Vormonat Mai stieg der Index aber lediglich um 0,1%.
Und erneut war die Preissteigerung für Energie gegenüber dem Vormonat Mai rückläufig (- 0,1%).
Doch das der Boom der deutschen Wirtschaft seinen Hochpunkt inzwischen überschritten hat, lies sich dann an den konstant schlechten Stimmungsindikatoren ablesen.
Beim ZEW-Finanzmarkttest vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung legte die Einschätzung der aktuellen Lage zwar im Juli noch einmal von 87,6 auf 90,6 zu, das aus dem Mai datierende Rekordhoch von 91,5 wurde damit aber knapp verfehlt. Und die Erwartungen der rund 300 befragten Analysten und Anleger haben sich im Juli bereits den fünften Monat in Folge von -9,0 auf -15,1 zurückgebildet.

(Quelle: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW))
Hier setzt sich also die hier im Wave Daily bereits identifizierte Tendenz fort: Lage hui, Erwartung pfui.
Anders, und damit bereits einen Schritt schlechter, ist die Situation allerdings beim Ifo-Geschäftsklimaindex. Dieser ist von 114,5 Zählern im Juni auf 112,9 Punkte gefallen. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mit. Der Index für die Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate fiel wie erwartet weiter, von 106,2 auf 105,0 Zähler. Das Barometer für die Einschätzung der aktuellen Lage fiel jedoch nun ebenfalls - und zwar von 123,3 auf 121,4 Punkte.
Nun zieht also auch die Einschätzung der aktuellen Lage nach und folgt der zuvor schon schlechter werdenden Erwartungskomponente. Dieser neue Trend dürfte sich fortsetzen.
(Quelle: ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V.)
Und auch der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel im Juli von 53,3 auf 50,8 Punkte, womit sich das Barometer nur noch knapp über der Marke von 50 Zählern hielt, ab der ein Wachstum signalisiert wird. Das ist der niedrigste Stand seit fast zwei Jahren. Der Index ist ein wichtiger Frühindikator für die Konjunktur.
Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel von 54,6 auf 52,1 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Oktober 2009.
Dem deutschen Aufschwung geht so langsam definitiv die Puste aus. Wir befinden uns allerdings natürlich weiterhin auf einem extrem hohen und sehr positivem Niveau. Lassen Sie sich also von der allmählichen Verschlechterung der Daten nicht täuschen, denn auch wenn der Höhepunkt der aktuellen Entwicklung überschritten ist, so befinden wir uns immernoch in der Boomphase.

(Quelle: ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V.)
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche
Sven Weisenhaus