Wirtschaftsdaten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 18. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
ich weiß nicht, welche Nachricht den Markt gestern zum Steigen animierte (falls es keine Verfallstagsspielchen waren), aber ich gebe Ihnen hier mal einige zur Auswahl (garniert mit einigen Anmerkungen von mir).
*Die US Industrieproduktion stieg im Juli um 1,0% und übertraf damit die Erwartungen von plus 0,6%. Schön, aber die Frühindikatoren vom Tag zuvor zeigen, dass das wohl eher ein positiver Ausreißer ist als ein neuer Aufschwung.
*Walmart legte gute Quartalszahlen vor. Auch schön, aber ich bin mir nicht so sicher, ob das wirklich so positiv ist. Walmart ist (ähnlich wie McDonalds) eine typische „Rezessionsaktie“. Wenn es den Leuten finanziell schlecht geht, dann suchen Sie solche Billiganbieter auf, die dann vergleichsweise gute Umsätze machen.
*In den USA sind die Baubeginne gemäß dem Handelsministerium im Juli um 1,7 Prozent auf saisonbereinigt angepasst 546.000 gestiegen. Erwartet wurden aber 560.000. Zudem wurden die Juni-Zahlen von ursprünglich 549.000 auf 537.000 nach unten revidiert (Sie wissen ja: die üblichen Spielchen, wurden sicher nur vergessen zu zählen). Die mehr auf die Zukunft bezogenen Baugenehmigungen schwächten sich im Juli um 3,1 Prozent auf saisonbereinigt angepasst 565.000 ab, was das niedrigste Niveau seit Mai 2009 darstellt. Ich denke, hier erübrigt sich jeder Kommentar.
* ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sinken im August überraschend deutlich auf 14,0 Punkte (Prognose: 21,9) von 21,2 Punkten im Vormonat. Damit liegen sie deutlich unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 27,3 Punkten. Mit ihrem zweiten Rückgang in Folge deuten die Daten darauf hin, dass das enorme Wachstum insbesondere des zweiten Quartals (Anmerkung: welches erst kürzlich so laut medial bejubelt wurde) nicht aufrecht zu erhalten sei, kommentierte das ZEW die jüngsten Daten. Einige Nachrichtenagenturen meldeten lediglich, das sich die Lagekomponente (ein Teilindex des ZEW) im August aufhellte: Der entsprechende (eher vergangenheitsbezogene) Index stieg kräftig um 29,7 Punkte auf 44,3 Punkte. Auch eine Methode, um insgesamt negative Daten doch noch positiv erscheinen zu lassen. Allerdings ist „Weglassen“ auch eine Form von Täuschung. Bleiben Sie wachsam.
*In der gesamten, etwas weniger exportabhängigen Eurozone stellte sich das Bild etwas anders dar: So stiegen die ZEW-Konjunkturerwartungen für Europa um 5,1 Punkte auf 15,8 Zähler. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage verbessert sich um 13,5 Punkte auf minus 13,0 Punkte.
Nun ja, insgesamt waren die gestrigen Daten weder Grund zum Jubeln noch für einen Sprung aus dem Fenster. Aber Sie wissen ja, dass zwischen Konjunkturdaten und Kursbewegungen zumindest kurzfristig selten ein direkter Zusammenhang besteht. Langfristig sieht das schon anders aus, falls sich der Markt nicht gerade wieder mit einer Blasenbildung beschäftigt. Und dafür ist es gut, die Konjunkturentwicklung zu beobachten.
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