Wirklich reale Erholung?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Dezember 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Wir leben im hier und jetzt...mit all dem Lärm der Schlagzeilen und dem Wind der aktuellen Ansichten...
Aber niemand kümmert sich darum, was gestern passiert ist. Die Leute wollen wissen, was genau jetzt passiert. Wenn sie in einen Aufzug steigen, dann holen sie ihre Handys und Blackberries raus und prüfen, ob sie neue Nachrichten haben...oder ob etwas Wichtiges passiert ist.
Das Problem ist: Wenn man immer nur auf den Blackberry schaut, dann ist es schwer zu wissen, wo man ist. Wenn man im Wirbelwind der Tag-für-Tag-Aktivitäten" gefangen ist, dann ist es schwer zu sehen, wo man hingeht. Und wenn man nur die Neuigkeiten liest, dann ist es fast unmöglich zu wissen, was vor sich geht. Also, wo sind wir? Und wohin gehen wir?
Das erfährt man nicht aus der Presse oder durch das Reden mit dem Nachbarn. Ich sage das nur, weil das so viele Leute offensichtlich vergessen haben. Die sehen zweistellige Gewinne bei Aktien im Jahr 2010 und eine Weihnachtsrallye" an der Wall Street. Die sehen, dass die Rohstoffpreise auf Rekordniveau stehen, und dass die Renditen der Anleihen steigen. Sie lesen, dass die Einzelhandelsumsätze gestiegen sind, und dass die kleinen Unternehmen optimistischer in die Zukunft schauen.
Was sollen sie denken? Dass die Erholung" real ist. Die Wirtschaft ist wieder in Fahrt gekommen. Alles wird ok sein. Die Arbeitslosenquote wird in ein paar Jahren wieder auf Normalniveau - so um die 5 bis 6% - sinken, Ben Bernanke selbst hat das doch gesagt.
Und wenn das korrekt ist, was sollte ein Investor dann tun? Nun, Aktien kaufen! Oder ein Haus! Oder Kupfer! Irgendwas kaufen. Man will nicht auf "Cash" sitzen. Nicht, wenn es so viele gute Investmentmöglichkeiten gibt. Schnell an Bord, bevor das Schiff den Hafen verlässt. Haben Aktienmarkt-Investoren schließlich nicht ihren Einsatz um den Faktor 14 vervielfacht, wenn sie 1982 gekauft haben und bis 2007 gehalten hätten? Sind die Anleihenkurse nicht Jahr für Jahr gestiegen, 27 Jahre lang?
Man könnte denken, dass man eigentlich immer besser dran ist, wenn man voll investiert ist, in Aktien und Anleihen. Und vielleicht ist das so. Aber deshalb ist es so wichtig, einen Schritt zurückzutreten und zu sehen, was wirklich vor sich geht. Denn wir könnten eine Zeit haben, in der es besser ist, Bargeld zu halten.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von H Schmitz (31.12. 2010 07:59 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, in Ihrem Artikel greifen Sie 2 "Trends" der letzten Jahre auf: 1) "over-newsed and under-informed" Beispiele gibt es genug: der "embedded journalism" des Irak-Krieges oder die mehrstündige Life Berichterstattung über den auf das Gefängnisdach geflüchteten Straftäters bei N-TV - das ist keine Information sondern Effekthascherei oder sollte man besser sagen "Manipulation" 2) und das passt perfekt zum 2. Punkt eigenes und logisches Nachdenken ist für viele ein Fremdwort, das kann man täglich überall beobachten - also die perfekte Basis für Punkt 1 In Deutschland gab es 2010 ein gutes Beispiel - wenn eine Frau Katzenberger plötzlich zum omnipräsenten Medienstar wird brauchen wir keine PISA-Studie mehr um den geistigen Zustand des Volkes der Denker und Dichter zu bewerten. In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihre Kolumne wünsche Ihnen ein erfolgreiches Neues Jahr H. Schmitz
Antworten