Wird Google den Gesamtmarkt aus der Lethargie reißen?
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 28. Juli 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Ok, gestern stiegen die Aktienkurse einmal. Aber ansonsten können die armen Kleinanleger kaum Atem holen – fast alles fällt fast jeden Tag. Nur Bargeld hält dagegen ... und dennoch hält fast niemand Bargeld. Die Leute kaufen scheinbar immer noch Häuser, aber sonst kaum etwas. Die Verkäufe von existierenden Häusern stiegen im Juni um 2,1 % auf einen neuen Rekordwert (Quelle: National Association of Realtors).
Währenddessen sind Aktien so begehrt wie eine Schale mit 1 Woche alten Austern geworden. Aber es gibt ja eine Neuemission, die das alles ändern könnte ... ein Ereignis, das den Markt aus seiner Malaise ziehen könnte. Die Internet-Suchmaschine Google ist bereit für eine massive Neuemission, die an die Internet-Ära erinnert: Eine protzige Neuemission im Volumen von 3,3 Milliarden Dollar, was die gesamte Gesellschaft mit beeindruckenden 32 Milliarden Dollar bewerten würde. Zum Vergleich: Yahoo wird mit 36 Milliarden Dollar bewertet. Anders gesagt: Die Marktkapitalisierung von Google würde bei ca. 65 % der Marktkapitalisierung von Ebay liegen (48,6 Milliarden Dollar), oder mehr als doppelt so hoch wie die von Amazon.com (15,3 Milliarden Dollar).
Bis die Google-Aktien ihr Debüt an der Wall Street haben werden, wird es noch einige Wochen brauchen – aber bald werden Werbeveranstaltungen und "Road Shows" für Google beginnen. Wird diese heiße Internet-Neuemission den Markt aus seiner Lethargie herausholen? Wird das zu Kaufinteresse am gesamten Aktienmarkt führen? Ich würde diese Möglichkeit nicht ausschließen.
Was aber kein gutes Zeichen für Aktien ist: Die Stimmung der Anleger ist derzeit so optimistisch wie selten zuvor. Die bullishe Stimmung steht fast auf Rekordniveau.
"Die Anlageberater sind heute signifikant bullisher, als sie es zu Beginn des Jahres waren, als sich der Aktienmarkt auf einem ähnlichen Niveau wie heute befand", beobachtet Mark Hulbert von Hulbert's Financial Digest, "(was) die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Korrektur, die vor 4 Wochen begann, noch weitergehen muss ..."
Mit anderen Worten: Die Kleinanleger sind nicht annähernd so ängstlich wie sie es sein sollten. Die meisten der Aktien kaufenden Massen bevorzugen den Kauf von Aktien immer noch gegenüber den meisten anderen Investment-Aktivitäten. Ich würde allerdings lieber Bargeld halten, als überteuerte Hightech-Aktien zu kaufen. Aber mein derzeitiges Lieblingsanlageobjekt Bargeld wird wahrscheinlich eher im Periodensystem der Elemente als im Wall Street Journal erscheinen.
Unser Kollege Bill Bonner liebt alte Steine und Gold, während wir als wirkliche Arbeiter Schmutz und Bargeld bevorzugen. Natürlich mögen auch wir alte Steine. Aber nur dann, wenn sie so billig sind, wie ein Abendessen mit einer abstinenten Vegetarierin.